Gerhard Scholl baut die Hülsenfrucht an - Vermarktung in der Region

Linsen werden in der Region bisher allenfalls von Biobauern für die Vieh-Fütterung angebaut. Gerhard Scholl aus Mainhardt baut seit 2013 Speise-Linsen an. Die Vermarktung hat jetzt begonnen.

|

Schon in den Märchen der Gebrüder Grimm werden Linsen beschrieben. Aschenputtel wird von ihrer Stiefmutter beauftragt, die "guten" ins Töpfchen, die "schlechten" ins Kröpfchen zu lesen. Auch heute noch werden Linsen gerne gegessen, stammen jedoch seit dem zweiten Weltkrieg kaum mehr aus heimischem Anbau. Dies möchte der Anbaupionier Gerhard Scholl ändern. Denn in den vergangen Jahren sei beim Verbraucher die Bedeutung regionaler Produkte deutlich gestiegen.

Scholl bietet im Genießerland Baden-Württemberg zusätzlich zu seinem Honig eine Spezialität an, die in der Region Mainhardter Wald angebaut wird. Vermarkten will Scholl seine "Räuberlinsen" ausschließlich regional. Der Name der Linsen entstand in Anlehnung an die legendären Räuber vom Mainhardter Wald. Eine kleine Menge "Räuberlinsen" findet sich auf einer Ackerfläche im Mainhardter Wald wieder. Ausgesät hat Scholl eine kleine, grüne Französin die unter Kennern auch als "Puy-Linse" bekannt ist. Diese Sorte ist schmackhaft und bissfest. Gerhard Scholl hat den Anbauversuch mit Erfolg abgeschlossen. Gelingt die Vermarktung, will er versuchen diese Kultur weiter etablieren.

Für Gerhard Scholl steht die Regionalität im Vordergrund. Ihm ist es wichtig, für seine "Räuberlinsen" kurze Transportwege zu haben. Deshalb werden sie auch in der näheren Region zu kaufen sein.

Die Linse gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Erde, sie geht bis auf die Anfänge des Ackerbaus zurück. Linsen werden heute vor allem in wärmebegünstigten Ländern auf der ganzen Welt angebaut. In den letzten Jahren ging die weltweite Anbaufläche jedoch deutlich zurück, da der Anbau insgesamt sehr arbeitsaufwändig ist. Linsen sind wenig anfällig gegen Schädlinge und Krankheiten. Das ist günstig, denn auf den Einsatz von Pestiziden kann verzichtet werden. Sie wachsen buschig und werden deshalb immer zusammen mit einer Stützfrucht angebaut. Sonst fallen sie um und verschimmeln auf dem feuchten Boden.

Im Mainhardter Wald wurden sie mit Hafer ausgesät. Dieser dient den schwachen, feinen Linsenpflanzen als Rankhilfe. Die Aussaat des Gemenges fand im März 2013 statt. Da die zarten Linsenpflanzen das Unkraut nur schwach unterdrücken, wachsen neben ihnen und Hafer auch eine Vielzahl von Ackerwildkräutern. Diese Artenvielfalt trifft man selten an, aber sie bereichert die Landschaft des Mainhardter Waldes, meint Scholl.

Die Linsen entwickeln sich auf den hiesigen Böden besonders gut, hat er festgestellt. Allerdings gebe es starke Ertragsschwankungen. Das größte Problem für Scholl war, dass die Stützfrucht Hafer und die "Räuberlinse" nicht gleichzeitig reif wurden. Den richtigen Erntezeitpunkt zu finden war nicht einfach, erzählt er. Denn auch die Linsen reiften ungleichmäßig: Während unten die Hülsen aufplatzten, waren oben an den Pflanzen noch Blüten zu sehen.

Die Folge: Beide Fruchtarten mussten getrennt voneinander getrocknet werden. Geerntet wurde das Linsen-Stützfrucht-Gemenge Anfang August mit einem normalen Mähdrescher.

In nur 20 bis 25 Minuten sind die Linsen gar gekocht

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo