Genossen streiten über Nominierung

Halls erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm steht an zweiter Stelle auf der Kreis-Wahlliste der SPD für den Wahlkreis Hall. Dass sie nicht in die Partei eintreten will, kritisierten Mitglieder beim Parteitag.

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Bettina Wilhelm kandidiert auf der SPD-Liste, ist aber kein Parteimitglied. Foto: Marcus Haas

Da kommt noch was, war am Freitagabend gleich zu Beginn des in weiten Teilen harmonisch ablaufenden Kreisparteitags spürbar. Etwa 70 Delegierte und Kreistagsbewerber hatten sich im Gasthaus Goldener Ochsen in Cröffelbach versammelt, um die Kandidaten für die Listen in den sieben Wahlkreisen zu bestimmen.

Noch bei der Begrüßung fiel die frühere Haller Stadträtin Eva-Maria Kraiss dem Kreisvorsitzenden Nikolaos Sakellariou ins Wort. Während Sakellariou sich darüber freute, mit Bettina Wilhelm eine Bürgermeisterin auf der Liste zu haben - und damit eine prominente Frau, die mit ihrer Reputation Stimmen gewinnt -, warf Kraiss ein, dass Wilhelm kein Mitglied der SPD ist.

Wie erwartet - gegen Ende der Sitzung kam der Disput. Als der Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion Hans Zipperer die Liste vorstellte, begann Christa Hopfinger, die neben Eva-Maria Kraiss saß, die Diskussion. Ihr fehle von Bettina Wilhelm das Bekenntnis zur SPD. Auf der Liste seien viele Frauen und Männer, die jahrzehntelang für die SPD gekämpft hätten - aber weiter hinten auf der Liste. Zipperer verwies auf das Reglement: Der Haller Ortsverband habe das Recht, zu bestimmen, wer wo auf der Liste steht. Die Wahlvorschläge seien bei einer Gegenstimme mit 39 Ja-Voten angenommen worden. An das müssten sich die Kreisdelegierten halten. Bettina Wilhelm sei krank und deswegen nicht anwesend, erklärte er. Eva-Maria Kraiss legte nach: Was das für eine Außenwirkung gebe, wenn in Zeiten von Politikverdrossenheit sich Wilhelm als "unpolitisch" oder allenfalls "fachpolitisch" bezeichne. Es ärgere sie zudem, dass sich Bettina Wilhelm bei ihrem Wahlkampf um den Posten als Oberbürgermeisterin in Stuttgart von der SPD unterstützen ließ, und danach der SPD ein schlechtes Zeugnis ausstelle. Zudem habe Wilhelm auf Facebook gepostet, sie denke gar nicht daran, in die SPD einzutreten - auch wenn der OB das so wolle. SPD-Kreisrat Rüdiger Schorpp meldete sich zu Wort. "Ich gestehe, dass ich der Übeltäter bin." Er habe die Aufgabe gehabt, "eine schlagkräftige Liste aufzustellen". Wilhelm habe sich bei ihm gemeldet. "Glaubt Ihr, dass wir diese Frau für die Liste hätten gewinnen können, wenn wir ihr einen hinteren Platz angeboten hätten?", fragte er in die Runde.

Ohne Gegenstimmen bestätigten die Delegierten die Listen. Davor waren Eva-Maria Kraiss und Christa Hopfinger gegangen - als Nicht-Delegierte waren sie nicht stimmberechtigt. Es sei nicht ungewöhnlich, sagte SPD-Kreisvorsitzender Nikolaos Sakellariou nach der Sitzung, dass Nicht-Parteimitglieder kandidieren. Ihn freue das, schließlich sei die SPD eine Volkspartei, die Angebote an die gesamte Gesellschaft gebe. Allerdings sei das Ganze ein gegenseitiges Geben und Nehmen, "die Dankbarkeit muss beidseitig sein". Häufig sei es so, dass nominierte Nichtparteimitglieder, wenn sie dann gewählt sind, in die Partei eintreten. Zudem sei der Wähler bei der Abstimmung frei und könne bestimmen, wen er wolle.

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