Gemeinderat Gerabronn verzichtet auf Sitzungssaal im neuen alten Rathaus

Das "neue Gerabronn" nimmt Gestalt an - die nächsten Baustellen sind der Torturm und das alte Rathaus. Letzteres soll übrigens keinen Sitzungssaal beherbergen. Damit ist ein bisheriger Streitpunkt beigelegt.

|
Vorherige Inhalte
  • Das Quadrat in der Bildmitte ist der Torturm, drumherum soll ein kleiner Platz entstehen. Planung: Armin Hauenstein 1/2
    Das Quadrat in der Bildmitte ist der Torturm, drumherum soll ein kleiner Platz entstehen. Planung: Armin Hauenstein
  • Das alte Gerabronner Rathaus, gebaut im Jahr 1911, ist ein Hingucker. Das Landesdenkmalamt beschreibt es als ein »gutes Beispiel der kommunalen Baukunst seiner Zeit in der durch Landwirtschaft geprägten Region«. Jetzt wird es saniert und endlich wieder seiner alten Bestimmung zugeführt. Zeichnungen: Archiv Stadt Gerabronn 2/2
    Das alte Gerabronner Rathaus, gebaut im Jahr 1911, ist ein Hingucker. Das Landesdenkmalamt beschreibt es als ein »gutes Beispiel der kommunalen Baukunst seiner Zeit in der durch Landwirtschaft geprägten Region«. Jetzt wird es saniert und endlich wieder seiner alten Bestimmung zugeführt. Zeichnungen: Archiv Stadt Gerabronn
Nächste Inhalte

Ein Rathaus ohne Rat? Das geht doch nicht, hatten manche Gerabronner Kommunalpolitiker bisher gesagt, wenn über die Sanierung des historischen Kleinods mitten in der Stadt debattiert wurde. Ein Sitzungssaal müsse her. Jetzt aber hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, doch darauf zu verzichten.

Der Hintergrund: Das Rathaus bietet schlicht nicht genügend Platz. Wollte man einen Saal, müsste man anbauen. Dann wiederum würde das Denkmalamt - das Gebäude steht unter Denkmalschutz - die bisher zugesagte Genehmigung für einen Außenaufzug wohl nicht erteilen und man könnte das Dachgeschoss nicht nutzen. "Wir haben genügend Räumlichkeiten für unsere Sitzungen", sagte Bürgermeister Klaus-Dieter Schumm am Dienstag im Rat. Er könne den Wunsch nach einem Saal nachvollziehen, aber: "Wir erfüllen uns ja schon mit der Sanierung einen Wunsch. Das Rathaus ist für viele Gerabronner ein Identifikationspunkt." Jetzt werde es wieder mit Leben erfüllt - mit der Stadtverwaltung also. Stadtrat Markus Autenrieth befand: "Es wäre der Gemeinde gegenüber anmaßend, wenn wir uns da so ein Denkmal schaffen würden."

Entwürfe bis zum 23. April gewünscht

Nun gibt es eine Art Architektenwettbewerb. Konkret werden verschiedene Planungsbüros angeschrieben und um Entwürfe gebeten (man nennt das "Mehrfachbeauftragung"). Die Büros hat der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung ausgewählt. Wer bis zum 23. April einen vollständigen Entwurf einreicht, bekommt ein Honorar von 3000 Euro. Mitte Juni soll der Gemeinderat dann endgültig den Auftrag vergeben.

Momentan ist kein Anbau vorgesehen, in Zukunft aber kann sich das natürlich ändern. Die Planer haben die Vorgabe, das zu berücksichtigen. "Wir sind es unseren Nachfolgern schuldig, dass wir daran denken", sagte Schumm und fügte scherzhaft hinzu: "Wenn Gerabronn zum Beispiel wieder Sitz eines Klein-Oberamts wird." So weit wird's wohl nicht kommen, aber durchaus denkbar ist, dass die Verwaltung wie in der Vergangenheit wächst. Früher belegte sie in dem Rathaus von 1911 nur ein Stockwerk, künftig braucht sie das ganze Gebäude.

Ein weiteres Wahrzeichen Gerabronns ist der Torturm, dessen Umgebung jetzt auch auf Vordermann gebracht werden soll - und zwar auf Grundlage einer Planung von Armin Hauenstein. Der Ingenieur hat bereits die Hauptstraße, die bis dahin eher zum Weggucken verleitet hatte, in einen allgemein gewürdigten Hingucker verwandelt. Schumm: "Diese Gestaltungshandschrift soll aufgegriffen werden, damit alles ein Stück weit aus einem Guss ist."

Vorgesehen ist ein kleiner gepflasterter Platz unter und auf beiden Seiten des Turms. Dieser soll mit einer Muschelkalkmauer eingefasst werden, Blumenkübel und ein Bänkchen sollen darauf stehen. Vor und nach dem Platz wird der Gehweg asphaltiert. Die Maßnahme dürfte mit mehr als 110.000 Euro zu Buche schlagen. Sie gehört zur Stadtsanierung, mit Fördergeld ist zu rechnen. Gleiches gilt für die Fassadenerneuerung am Turm, die ebenfalls geplant ist. Der Sandstein ist vom Salz extrem angegriffen. 40.000 Euro soll das kosten. "Diese Planung ist aber vielleicht etwas optimistisch", bekannte Schumm.

Der Gemeinderat sagte zu beidem Ja, auch wenn Details noch zur Debatte stehen: Muss das Mäuerchen wirklich einen Meter hoch sein? Wird ein Schild mit historischen Informationen zum Torturm angebracht? Könnte der Turm zum Schutz gegen Salz auf Mauerhöhe mit Muschelkalk verkleidet werden? Letzteres schlug SPD-Stadtrat Gerd Steinbrenner vor. Schumm glaubt nicht, dass der Denkmalschutz da mitmacht. Realistischer ist ein anderer Wunsch der Räte: Der Turm soll künftig nachts angestrahlt werden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Überfall auf Tankstelle in Gerabronn

Am Mittwochabend ist eine Tankstelle in Gerabronn überfallen worden – von einem mit Pistole bewaffneten Täter. weiter lesen