Gelebte und musizierte Demokratie

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Für ihre Verdienste sind Ilona Dorn und Siegmund Riedinger zu Ehrenmitgliedern ernannt worden.  Foto: 

Man muss für die Sache brennen, nicht fürs Ego“, betont Ilona Dorn, die kürzlich beim großen Herbstkonzert des Harmonikavereins mit dem langjährigen Dirigenten Siegmund Riedinger zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Rummel um ihre Person mag sie gar nicht. „Im Verein sind doch alle wichtig, vom Notenwart bis zum Kuchenbäcker“, erklärt sie.

Ilona Dorn brennt für das Akkordeonspiel, und es ist schon eine besondere Rolle, die sie seit 37 Jahren im Harmonikaverein Ilshofen spielt. „So lange schon bildet sie ehrenamtlich unsere Orchestermitglieder aus“, würdigte Vorstand Jochen Ritz die unentbehrliche Helferin. „Ich kenne den Verein nicht ohne sie.“

Noch bis Ende des Jahres wollen Dorn und Riedinger den neuen Dirigenten Mihajlo Rajkovic unterstützen, dann muss der junge Mann beim Harmonikaverein auf eigenen Füßen stehen und von der Anfängerausbildung bis zur Konzertleitung alles selber machen.

Als Siegmund Riedinger 1990 die Dirigentenstelle in Ilshofen antrat, übernahm er ein mittelmäßiges Akkordeonorchester mit biederem Repertoire. Gleich zu Beginn entwickelte er zusammen mit Ilona Dorn, die schon zehn Jahre länger dem Verein angehörte, ein Konzept, um die Basis spieltechnisch zu fördern. „Einzelunterricht gibt es nicht“, berichtet Ilona Dorn, „alle Spieler müssen sich passende Partner suchen, um in der Gruppe unterrichtet zu werden.“ Ganz Eifrige können gleich mehrere Gruppen besuchen oder in einer höheren Stufe spielen.

Der Realschullehrerin, die an der Hermann-Merz-Schule Ilshofen Deutsch, Musik und Biologie unterrichtete und seit diesem Schuljahr in Ruhestand ist, kam bei der musikalischen Ausbildung von Anfang an eine wichtige Rolle zu. Immer montags kommt der Dirigent am frühen Nachmittag nach Ilshofen, wo im Musiksaal der Schule „im Schichtbetrieb die Gruppen nacheinander unterrichtet werden“. Zuletzt proben die Könner im ersten Orchester. „Und das zieht sich meist bis weit nach 21 Uhr hin.“ Ilona Dorn ist von Anfang bis Ende dabei.

Mit den Jahren konnten mit gezielter Förderung die Schwierigkeitsgrade erhöht und das Repertoire erweitert werden. Längst wagt sich das inzwischen erfolgsverwöhnte Amateurorchester auch an Originalkompositionen auf Hauptstufenniveau. Vorstand Jochen Ritz lobt den scheidenden Dirigenten für dessen Gespür, immer die richtigen Stücke auszuwählen. „Wir haben aber auch ein liebevolles Publikum, das uns all die Jahre treu begleitet“, merkt Ilona Dorn an.

Ihr obliegt es auch, den Nachwuchs zu rekrutieren. Das sei schwierig und funktioniere nur, wenn die Eltern mitziehen oder selber Akkordeon spielen. Über die Schule hat sie schon etliche Kinder für den Harmonikaverein interessieren können. „Die größte Schwierigkeit besteht darin, die Jugendlichen über die Pubertät zu kriegen, da springen leider viele ab.“ Nur zu oft führen auch Studium und Berufsausbildung weg vom Orchester. Um so mehr freut sich Ilona Dorn, dass sie etliche junge Mütter mit kleinen Kindern in die Gruppe der Wiedereinsteiger zurückholen konnte.

Nun hat Dorn den jungen Dirigenten unter ihre Fittiche genommen. Der erst 24 Jahre alte gebürtige Serbe studierte am Hohner-Konservatorium in Trossingen Dirigieren und elementare Musikpädagogik. „Er bringt viel Fachkompetenz mit und wird von den Aktiven als Autorität akzeptiert, aber er kommt eben frisch von der Uni in die Praxis“, gibt Ilona Dorn zu bedenken. Außerdem hat sie beobachtet, dass er in seinem Heimatland eine andere Sozialisation erfahren hat und in Deutschland erst noch richtig heimisch werden muss. Auch bei der Verbesserung seiner Deutschkenntnisse hat ihm die Lehrerin geholfen.

Ilona Dorn betont, dass die Wahl des neuen Dirigenten ein demokratischer Vorgang war. „Wir haben mit den Aktiven abgesprochen, welche Kriterien der neue musikalische Leiter erfüllen soll.“ In der Stellenausschreibung stand dann unter Wünsche: „abwechslungsreiche Stückauswahl von Swing bis Pop, von Klassik bis Musical“. Und sie wünschten sich neben Zuverlässigkeit „einen Menschen, der uns zuhört, ernst- und mitnimmt“.

Zukunftswerkstatt eingerichtet

Zur Zeit richten sich die Aktiven mit Petra Nölle, die als Wiedereinsteigerin im Orchester spielt, eine Zukunftswerkstatt ein. „Wir wollen feststellen, wo wir stehen, wohin wir wollen und dann den Übergang gemeinsam meistern“, sagt Nölle. Schon seit einigen Jahren moderiert sie bei den Konzerten. Wichtig sei die Mitbestimmung und die tatkräftige Hilfe aller Beteiligten: gelebte und musizierte Demokratie.

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