Geknackte Spielautomaten: Amtsgericht spricht Fichtenauer Gastwirt frei

Sommer 2013: In einer Gaststätte in der Gemeinde Fichtenau werden zwei Spielautomaten geknackt, der Verdacht fällt auf den Wirt selbst. Das Amtsgericht Crailsheim aber hat ihn jetzt freigesprochen.

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Wer hat in einer Fichtenauer Gaststätte Spielautomaten geknackt? Diese Frage bleibt auch nach einer Gerichtsverhandlung unbeantwortet.  Foto: 

Was sich vom 29. auf den 30. Juli 2013 in einer Fichtenauer Gaststätte abgespielt hat, wird wohl nie endgültig zu klären sein. Zunächst zu den Fakten: Zwei von drei Geldspielautomaten wurden geknackt, dazu eine Schublade samt darin befindlicher Kasse; ein kleines Fenster im Damenklo war nicht richtig geschlossen; der Wirt will den Schaden gegen 10 Uhr entdeckt haben, rief dann die Polizei. Unklar aber ist: Wer hat das Chaos im Gastraum angerichtet?

Besonders schwerer Fall von Diebstahl?

Der Gastwirt selbst - so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft. Deshalb musste sich dieser am Donnerstag vor dem Crailsheimer Amtsgericht verantworten. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, rund 4600 Euro aus den Automaten erbeutet und einen Sachschaden von etwa 2000 Euro angerichtet zu haben. Danach soll er die Polizei angerufen haben, um die Beamten mit seinem Hinweis auf das Fenster im Damenklo "wider besseres Wissen zu täuschen", wie es Staatsanwalt Martin Hengstler vor Gericht formulierte. Also: ein besonders schwerer Fall von Diebstahl, Sachbeschädigung, Vortäuschen einer Straftat.

Die Staatsanwaltschaft stützte ihre These auf die Tatsache, dass am Fenster keinerlei Einstiegsspuren festzustellen waren - stattdessen aber unberührter Staub auf den Fensterbrettern und ein unzerstörtes Spinnennetz in der rechten oberen Ecke. Auch sonst gab es nirgends Einbruchspuren. Den Schlüssel zur Gaststätte aber hatte nur der Angeklagte.

Gastwirt hat 50.000 Euro Schulden

Oder etwa doch nicht? In der Verhandlung gab der Gastwirt an, nicht zu wissen, wo zwei seiner drei Schlüssel zum Vordereingang des Hauses seien. Das hatte er auch der Polizei gesagt - auf Nachfrage und nachdem er in einem Schrank im Gastraum nachgesehen hatte. Dort also, wo er sie aufbewahrt haben will. Die Staatsanwaltschaft nahm ihm die Geschichte nicht ab, zumal er Geld gut gebrauchen kann. Die Wirtschaft wirft nicht eben viel ab, er muss Unterhalt für seine Tochter zahlen und hat über 50.000 Euro Schulden. Der Angeklagte selbst aber gab vor Gericht zu Protokoll: "Ich habe mit der Sache nichts zu tun." Zur Tatzeit will er nach einem Besuch in einer anderen Kneipe betrunken im Bett gelegen haben.

Dilettantisches Vorgehen

Und so wurde im großen Saal des Amtsgerichts über die Kippfunktion von Klofenstern gesprochen, über Schlüsselbärte und Sicherheitsvorrichtungen an Automaten. Einer von dreien der Geldschlucker und -spucker wies nämlich nur leichte Kratzspuren auf. Hatte der Täter gewusst, dass dieser schwerer zu knacken war als die anderen? Oder war er einfach schnell gescheitert? Warum hätte der Wirt ihn verschlossen lassen sollen, wo er doch "alle Zeit der Welt"hatte, wie Richterin Uta Herrmann sagte? Ein cleveres Ablenkungsmanöver etwa? Wie aber passt das zum dilettantischen Vorgehen in Sachen Klofenster?

Viele Fragezeichen standen im Raum, und die wenigen neuen Fakten, die während der Verhandlung hinzukamen, entlasteten den Angeklagten mehr als dass sie ihn belasteten. So sagte der Mitarbeiter der betroffenen Automatenfirma aus, er habe sich zunächst verrechnet: Nicht 4600 Euro seien gestohlen worden, sondern nur rund 2300. Davon wiederum gehört die Hälfte sowieso dem Wirt. Und dieser selbst gab frank und frei zu, aus einer anderen Kasse seien noch einmal 460 Euro verschwunden, die eigentlich dem Automatenaufsteller gehörten - was nicht einmal dessen Vertreter gewusst hatte.

Massive Zweifel führen zum Freispruch

Staatsanwaltschaft Hengstler blieb trotzdem bei der Theorie von der Täterschaft des Wirts und forderte sieben Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zwar gebe es keine "objektiven Beweise", wohl aber führe das Ausschlussprinzip zum Angeklagten. Das sah dessen Verteidiger Gerhard Rehmann naturgemäß anders: Das Ausschlussprinzip verbiete sich, an der Schuld des Angeklagten müsse es "zumindest massive Zweifel geben".

Zweifel hatte auch Richterin Herrmann. Und das heißt: Freispruch. "Ich weiß nicht, was ich von dieser Sache halten soll", bekannte sie. Einiges spreche für die Täterschaft des Wirts - etwa das Tatortwissen - anderes aber eben dagegen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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