Geile Verwechslung in Gailenkirchen

Der Ruhm Gailenkirchens währt nur kurz. "Am Freitag war im Schwäbisch Haller Stadtteil Gailenkirchen mit 38,4 Grad der heißeste Ort in Deutschland markiert worden" - dieser Satz wurde von der Nachrichtenagentur dpa in mehreren Artikeln verbreitet.

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Das Thermometer kletterte am Freitag auf 38,4 Grad - aber nicht in Gailenkirchen bei Hall, sondern in Geilenkirchen am Niederrhein. Foto: Patrick Pleul/dpa

Zeitungen im süddeutschen Raum druckten die heiße Nachricht ab. In den Online-Auftritten von Stuttgarter Zeitung, Fokus und Stern steht sie immer noch. Gailenkirchen hat es zu einer gewissen Berühmtheit geschafft.

Nun, auf der Höhe oberhalb des Kochers geht es schon heiß her. Man weiß zu feiern. Es scheint so "hot" zu sein, dass die Landjugend regelmäßig bei "Cool Runnings" - dem härtesten Seifenkistenrennen der Hohenloher Ebene - zumindest den Mut kühlt.

"Ich war sehr überrascht, dass Schwäbisch Hall-Gailenkirchen am Freitag der Hitzepol von ganz Deutschland war. Wo der Wert in Gailenkirchen gemessen wurde, ist mir unbekannt", schreibt HT-Wetterexperte Martin Melber in einer Mail. Die Berühmtheit als heißester Ort Deutschlands steht auf schwachem Fundament, das nach einigen Anrufen bei der Nachrichtenagentur dpa und dem Deutschen Wetterdienst dahinschmilzt wie Eis im Hitzesommer.

"Ich war am Wochenende nicht im Dienst und war auch sehr überrascht", gibt Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe und Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes, zu. Der Dienst betreibt nämlich überhaupt keine Wetterstation in Gailenkirchen, allerdings eine in Geilenkirchen. Ziemlich ungail, dafür umso geiler - könnte man sagen.

"Was mich ein wenig stutzig macht, ist die Lage des Ortes Gailenkirchen." Denn mit seinen rund 400 Metern über dem Meeresspiegel sei er kein Kandidat für einen Hitzerekord. Steige man als Wanderer 100 Meter bergan, nehme die Temperatur um rund 0,8 Grad ab. "Es hat daher wohl eine Verwechselung gegeben", meint Friedrich. Wo der Fehler lag, sei schwer nachzuvollziehen. Denn am Militärflugplatz in Geilenkirchen am Niederrhein wird nicht regelmäßig gemessen. In dieser Tiefebene an der holländischen Grenze stieg die Quecksilbersäule am Freitag aber auf über 38 Grad. "Bei ihnen im Ländle wurden auf dem Höhepunkt der jüngsten Hitzewelle am Freitag nur 35,9 Grad gemessen - und das in Bad Mergentheim."

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