Gefahr der langen Wege

Die Obermeister der Kreishandwerkerschaft Schwäbisch Hall stehen der zunehmenden Zentralisierung von Berufsschulen kritisch gegenüber. Sie befürchten, dass weite Fahrstrecken Auszubildende abschrecken.

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Das Handwerk setzt auf duale Ausbildung: Neben dem Betrieb vermitteln die gewerblichen Schulen dem Nachwuchs alles Wissenwerte. Wenn die Schulen im Kreis schwinden, wandern auch die künftigen Fachkräfte ab. Archivfoto

Auf das Handwerk kommt mit dem steigenden Fachkräftemangel eine große Herausforderung zu. Das haben die Obermeister der Kreishandwerkerschaft Schwäbisch Hall bei ihrer letzten Versammlung klargemacht. Zunächst standen allerdings Formalien auf der Tagesordnung: Vorstandschaft und Rechnungsprüfer wurden neu gewählt: Ulrich Stein wurde hierbei als Kreishandwerksmeister einstimmig wieder bestätigt, ebenso sein Stellvertreter Rainer Biedermann, Obermeister der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes. Rechnungsprüfer bleiben Horst Philipp und Hartmut Wörz.

Eine weitreichende Veränderung gibt es allerdings: Die Metzgerinnung aus Schwäbisch Hall wird künftig mit Heilbronn fusionieren, daher scheidet Obermeister Siegfried Hespelt aus dem Haller Vorstand aus. Seinen Platz nimmt Eberhard Glück ein. Der Bäcker bildet nun gemeinsam mit Gerhard Feuchter (Bau), Willi Günther (Raumausstatter), Rolf Stephan (Stuckateur), und Walter Scheu (Zimmerer) die Führungsriege.

Und dem Vorstand geht die Arbeit so schnell nicht aus. "Unser größtes Problem bleibt der Fachkräftemangel", betonte Kreishandwerksmeister Ulrich Stein. "Vor allem Bäcker, Metzger und den Elektrobereich trifft es besonders", stimmte Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, zu.

Doch welchen Anforderungen müssen junge Leute gerecht werden, um eine Lehrstelle im Handwerk zu ergattern? Welche Voraussetzungen sollten sie erfüllen? Um auf diese Fragen Antworten zu bekommen, haben die Kreishandwerker mit dem Kolping-Bildungszentrum in Crailsheim zusammengearbeitet. Mithilfe eines Fragebogens sollen hier berufsspezifische Anforderungsprofile der zukünftigen Auszubildenden erstellt werden.

Die ersten Ergebnisse - fast 60 Betriebe haben den Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt - waren überraschend: So zählt zu den wichtigsten Eigenschaften nicht nur schulisches Wissen wie Grundkenntnisse in Mathematik und logisches Denken oder handwerkliches Geschick, sondern die jungen Leute können vor allem durch Charaktereigenschaften wie Zuverlässigkeit, Leistungsbereitschaft oder Höflichkeit punkten.

Bei der Rekrutierung des geeigneten Nachwuchses sehen die heimischen Handwerksbetriebe künftig eine weitere Hürde auf sich zukommen: Sie fürchten, dass die immer stärkere Zentralisierung der gewerblichen Schulen potenzielle Auszubildende abschreckt. "Ein Lehrling, der von Marktlustenau fast zwei Stunden in die Berufsschule nach Heilbronn fahren muss, überlegt sich zweimal ob er nicht einen anderen, passenden Beruf findet, den er in der Nähe erlernen kann", ist Stein sicher.

Seit letztem Jahr gibt es zum Beispiel an der gewerblichen Schule Crailsheim keine Fleischerausbildung mehr. Auszubildende müssen jetzt lange Wege nach Bad Mergentheim oder Künzelsau auf sich nehmen. Die Obermeister sind überzeugt: Lange Fahrtwege machen die Lehrberufe noch unattraktiver.

Dem stimmt auch Werner Schmidt, Leiter des Dezernats 1 - Verwaltung und Finanzen, zu. Er zeigte bei der Obermeisterversammlung die Situation der Schulen im Kreis auf. Sein Fazit: Die Konzentration in Ballungsräumen wird weiter voranschreiten. Daher sind die heimischen Unternehmen mit konstruktiver Mitarbeit gefordert. Schmidt regte unter anderem dazu an, dass die Schulstandorte Schwäbisch Hall und Crailsheim von sich aus ihre Kräfte bündeln könnten, bevor weitere Klassen nach Heilbronn abwandern und die Wege für Auszubildende noch weiter werden.

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