Freud und Leid der Handwerksburschen auf der Walz

Ein erfahrener Historiker, Soziologe, Literat und Pädagoge war zu Gast bei der Autorenlesung im Kleinmuseum "Hirschgaß 5" in Fichtenberg. Der Schorndorfer Dr. Frieder Stöckle las aus seinen Werken.

|
Autorenlesung mit Frieder Stöckle im Fichtenberger Museum "Hirschgaß 5". Das Bild zeigt Merve Stöckle und Dr. Frieder Stöckle. Die beiden brachten die Geschichte der Handwerksgesellen auf der Walz lebensnah rüber.  Foto: 

Was den akademisch gebildeten Referenten mit dem Thema "Handwerksgesellen auf der Walz" verbindet, machte Stöckle selbst gleich zu Beginn seines Vortrags deutlich. In seiner allerersten Berufsausbildung erlernte er das Tischlerhandwerk, das er mit dem Gesellenbrief abschloss. Die Urkunde hatte er in Kopie gleich mitgebracht. Auf ihr zeigt ein historischer Stich die Aushändigung der Ausbildungsurkunde mit der unmissverständlichen Aufforderung zur Walz. Mit der bildlichen Darstellung leitete Stöckle zum Thema des Abends über. Mit Lesungen aus seinen Werken führte er den Zuhörern die historischen Rahmenbedingungen einer solchen Wanderschaft vor Augen. Sie waren, bedingt durch die Zeitepochen, häufig mit Strapazen verbunden und unterlagen strengsten Reglementierungen. Die Handwerksburschen sollten auf der Walz Erfahrungen sammeln und ihr Wissen vervollständigen, wusste Stöckle. Ein Nachweisbuch galt als Beweis und Ausweis zugleich.

In seinem Vortrag ging der Referent auch auf die sozial- und gesellschaftspolitischen Hintergründe der Walz ein und schilderte den Ablauf einer solchen Wanderschaft. Nicht immer waren die Handwerksburschen gern gesehene Zeitgenossen. Wenn sie durch die Lande zogen, waren sie auf das Wohlwollen der Menschen angewiesen und mussten um Nahrung oder Unterkunft "fechten" (betteln). An ihren mitgeführten Handwerksgeräten und Utensilien wie den Farben des Knotenstocks, Pfeifen und Tüchern waren ihre Berufe erkennbar. Während die Walz in heutiger Zeit bei den meisten Gesellen aus der Mode gekommen ist, halten die Zimmerer immer noch an ihren Traditionen und Zeremonien fest. Hin und wieder sieht man sie in Gruppen oder auch einzeln in der unverkennbaren Tracht durch die Lande ziehen.

Bei seinen Recherchen über die wandernden Handwerksgesellen ist Frieder Stöckle auf einen alten Schuster gestoßen, der selbst noch auf die Walz gegangen ist. Die Schilderungen des Handwerkers stellten Stöckle und seine Frau Merve, die mit zur Lesung gekommen war, in einem lebendigen Dialog als Interview nach. Nicht von ungefähr ranken sich Mythen um die Walz. Handwerker auf Wanderschaft tauchen in Liedern und Märchen genauso auf, wie in Landschaftsgeschichten mit unverkennbar sozialgeschichtlichem Hintergrund. Das Publikum und Gustl Wörner zeigten sich am Ende der Lesung von den lebensnahen Beschreibungen der Handwerkerwalz in Stöckles Werken beeindruckt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Wenn der Lappen lockt

Eine Studie zum Putzverhalten bringt es an den Tag: Männer putzen am liebsten fürs romantische Date.  Noch immer verbringen deutlich mehr Frauen als Männer Zeit beim Putzen. weiter lesen