Freiheitsentziehung möglichst vermeiden

Um freiheitsentziehende Maßnahmen in der Altenpflege ging es kürzlich bei einer Informationsveranstaltung mit Amtsrichterin Katja Kopf vom Amtsgericht in Hall und Verfahrenspflegerin Christine Schönfeld.

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Ins "Spektrum" in Blaufelden eingeladen hatten zu der Veranstaltung die Pflegeeinrichtungen der evangelischen Heimstiftung und des Seniorenbüros/Pflegestützpunkts Schwäbisch Hall. Mehr als 50 Teilnehmer der Träger von Senioren- und Behinderteneinrichtungen im Landkreis waren gekommen.

"Wir wollen keine freiheitsentziehenden Maßnahmen einsetzen, wo es sich vermeiden lässt - unseren Bewohnern wollen wir ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben ermöglichen", war die einstimmige Meinung der Gäste, die mit ihrer Teilnahme genau dieses Ziel, freiheitsentziehende Maßnahmen möglichst auf null zu reduzieren, deutlich machten.

Eine Einführung in die gesetzlichen Grundlagen mit vielen praktischen Beispielen und Tipps gab Katja Kopf. "Wenn ein Mensch sich selbst entscheidet, ein persönliches Lebensrisiko einzugehen, dann ist das zu respektieren", war eine ihrer zentralen Aussagen. In einzelnen Fällen sei eine gewisse Einschränkung der Freiheit, zum Beispiel, um eine Selbstgefährdung zu vermeiden, notwendig. Diese könne aber nur mit klarer Einwilligung des Betroffenen oder, falls dies nicht möglich ist, mit eingehender Prüfung und Zustimmung durch das zuständige Gericht erfolgen.

"Gerade bei Bettgittern kann es durchaus Wunsch eines Betroffenen sein, dies in der Nacht anzubringen, um ihm das Gefühl der Sicherheit zu vermitteln", so Kopf. "In diesem Fall ist keine Genehmigung durch ein Gericht erforderlich, wenn sich der Bewohner der Maßnahme bewusst ist." Erfreulich sei, dass die Zahl der Anträge auf freiheitsentziehende Maßnahmen in den letzten Jahren deutlich gesunken sind, so Kopf.

Verfahrenspflegerin Schönfeld informierte über den "Werdenfelser Weg", eine Verfahrensweise, mit der in erster Linie die Ursachen für schwierige Verhaltensweisen der Betroffenen, die früher unter Umständen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen geführt hätten, eruiert und dann alle Möglichkeiten, Lösungen ohne den Einsatz solcher Maßnahmen geprüft werden. Sie erläuterte an Fallbeispielen verschiedene Herangehensweisen an die Problematik und gab hilfreiche Tipps zum Einsatz sogenannter "milderer" Maßnahmen, die oft schon durch veränderte Rahmenbedingungen oder in der Prüfung der Wechselwirkung von Medikamenten zu suchen seien. "In der Regel ist die Suche nach der Ursache, zum Beispiel für abwehrendes Verhalten, der erste Schritt zur Lösung", so Schönfeld.

"Das war eine wichtige Veranstaltung", dankten die Teilnehmer zum Abschluss den Veranstaltern und Dozenten. "Schön ist, dass wir deutlich machen konnten, dass wir alle gemeinsam das gleiche Ziel verfolgen: Den Menschen, die sich uns anvertraut haben, in unseren Einrichtungen ein Leben in Würde, mit höchstmöglicher Selbstbestimmung und hoher Lebensqualität zu ermöglichen", so das Fazit.

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