Forderung: Gelder fair verteilen

Die Agrarpolitik soll ökologischer und gerechter werden. Die Reformvorschläge des EU-Agrarkommissars Dacian Ciolos, beispielsweise das Greening, werden im Landkreis Hall nicht uneingeschränkt begrüßt.

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In Hohenlohe hat die Landwirtschaft noch immer einen hohen Stellenwert. Daran werden wohl auch die Reformbemühungen der EU zur Agrarpolitik nichts ändern. Das Bild zeigt ein Getreidefeld kurz vor der Ernte. Archivfoto: Wolfgang Rupp

"Bei den Direktzahlungen an Landwirte fast alles beim Alten zu lassen, fände ich nicht gut", sagt Markus Hofmann aus Gröningen. Vielseitige Kulturen und Flächen mit ökologischem Vorrang sind für ihn als Bio-Bauer selbstverständlich - und er erwartet dies auch von anderen Landwirten. Nachhaltige Bewirtschaftung müsse honoriert werden, fordert er.

Klaus Mugele, Vorsitzender des Bauernverbandes Hall-Hohenlohe-Rems, sieht "nichts anderes als Greening bei uns". Greening ist die Bindung von Agrarsubventionen an Umweltauflagen. "Wir wirtschaften in Fruchtfolgen. Es gibt keine Monokultur mehr", sagt Mugele. Er verweist auf den EU-Kommissar selbst, der sich vor zwei Jahren in Stuttgart lobend über die landwirtschaftlichen Strukturen Baden-Württembergs geäußert habe. Auch der Leiter des Haller Landwirtschaftsamtes, Helmut Hessenauer, sieht, dass Landwirte in der Region bereits viel für die Umwelt tun. Er erwartet keine einschneidenden Veränderungen für die Landwirte vor Ort.

Im Zentrum der Reform stehen die Direktzahlungen an die Landwirte. Sie hätten in der bisherigen Form keine Legitimation mehr, erklärt Ministerialdirektor Wolfgang Reimer. Angesichts gravierender Probleme im Klimaschutz, bei der Erhaltung der Böden sowie im Tier- und Bodenschutz forderten Umweltverbände und Verbraucher das Prinzip "öffentliches Geld für öffentliche Leistungen" ein.

Neben den Direktzahlungen aus der EU an landwirtschaftliche Betriebe gibt es als zweite Säule die Förderung des ländlichen Raumes. Hier sei mit Kürzungen von bis zu 20 Prozent zu rechnen, so Reimer. Dies hieße weniger Geld für Investitionsprogramme, regionale Umweltprogramme und Marktförderung. Direktzahlungen könnten um acht Prozent gekappt werden.

Daher gibt Klaus Mugele zu bedenken, dass ein weiterer Entzug von Flächen aus der Bewirtschaftung zugunsten der Ökologie vermieden werden müsse. Forderungen, auf die Nutzung fruchtbarer Böden zu verzichten, machten im Hinblick auf die Einkommenssituation der Landwirte keinen Sinn.

Daniel Kiesecker vom Bund Deutscher Milchviehhalter hofft auf eine gerechtere Verteilung von Prämien: "Wenn faire Preise für Agrarprodukte schon nicht möglich sind, dann sollten die Gelder wenigstens fair verteilt werden." In der industriellen Landwirtschaft, wie sie durch Flächensubventionen gefördert werde, sieht Kiesecker keine Zukunft. 2,5 Prozent der Landwirte erhielten ein Drittel der Prämien für eine Bewirtschaftung mit hohem Düngemittel- und Pestizideinsatz.

Die CDU-Europabgeordnete Inge Gräßle bekennt sich zur Förderung von Innovation, Landschaftspflege, Tierschutz, Artenvielfalt. 30 Prozent der Direktzahlungen sollten an drei verpflichtende Umweltmaßnahmen gekoppelt werden, meint sie. Ihre SPD-Kollegin Evelyne Gebhardt sagt: "Sollte es keine substanziellen Änderungen gegenüber dem Beschluss des Agrarausschusses geben, werde ich gegen die Vorschläge stimmen. Wir brauchen eine Agrarpolitik, die Natur- und Umweltschutz deutlich mehr Gewicht beimisst und damit auch den ländlichen Raum und seine Menschen stärkt."

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