Flüchtlinge brauchen einen Zufluchtsort

Gedanken zum Sonntag von Gemeindereferent Frank Schien, Seelsorgeeinheit Oberes Bühlertal

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Ein Kleinkind steht in Eisenberg (Thüringen) auf dem Gelände der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge und Asylbewerber vor Wohncontainern. Foto: Marc Tirl/dpa

Segen bringen, Segen sein - unter diesem Motto waren vor zwei Wochen die Sternsinger unterwegs. Viele Kinder und Jugendliche gingen von Haus zu Haus, brachten den Segen zu den Menschen und sammelten Geld für Kinder in Not. Bei uns im Landkreis wurde so viel gespendet wie schon lange nicht mehr. Allen Beteiligten und allen Spendern gebührt mein Respekt, so werden auch wir zu einem Segen! Herzlichen Dank!

Auf der Flucht waren auch Maria und Josef mit dem Jesuskind. Die Sterndeuter - später auch unter dem Titel die "Heiligen Drei Könige" bekannt - gingen zuerst zu König Herodes. Weshalb auch nicht, denn es wurde ein König geboren. Und einen König sucht man zuallererst im Palast. Blöd nur, dass König Herodes nichts davon wusste. Zum Jubeln war ihm nach dieser Nachricht nicht, denn ihn packte die Angst, die Angst, seine Macht und seinen Einfluss zu verlieren. Ein Phänomen, das wir auch heute noch kennen: Machterhalt um jeden Preis!

Um weiterhin König zu bleiben, schmiedete König Herodes einen todsicheren Plan: Alle neugeborenen Jungen sollten sterben. Wo kein neugeborener König ist, da ist auch keine Gefahr für die eigene Macht. Was ist das Leben eines Menschen schon wert im Gegensatz zur eigenen Macht und dem daraus resultierenden Ruhm und Reichtum? Nichts! Deshalb hatte König Herodes auch keine Skrupel, ein hilfloses Kind umzubringen! Ob zur Zeit Jesu oder bis Heute, immer wieder müssen Menschen sterben, damit andere ihre Macht erhalten oder ausbauen können. Ein Menschenleben scheint auch heute noch wenig wert zu sein. Wie wir wissen, überlebte Jesus diesen Kindermord, denn seine Eltern flohen mit ihm nach Ägypten, um aus dem Einflussbereich des Herodes herauszukommen. Nach dessen Tod konnten sie wieder zurück in ihre Heimat.

Auch heute noch sind Menschen auf der Flucht. Auf der Flucht, weil in ihrer Heimat Krieg herrscht, weil Terror Alltag ist und weil Menschen sterben müssen, damit andere ihre Macht behalten. Diese Menschen wären sicherlich viel lieber zu Hause und nicht in einem anderen, einem fremden Land. Doch ihnen bleibt keine andere Wahl. Entweder Leben in der Fremde oder Sterben in der Heimat.

Und da kommen wir ins Spiel: Wir leben seit knapp 69 Jahren in Frieden. Viele von uns kennen den Krieg nur aus Erzählungen. Wir dürfen und müssen uns glücklich schätzen, eine so lange Zeit in Frieden leben zu dürfen.

Flüchtlinge brauchen finanzielle Unterstützung. Dies geschieht in großem Maße, sei es durch die Sternsingeraktion oder durch andere Aktionen und Organisationen.

Flüchtlinge brauchen aber auch einen Zufluchtsort. Einen Zufluchtsort, der ihnen nicht fremd bleibt, sondern in dem sie wieder anfangen könne zu leben. Nicht nur weit weg von uns, sondern mitten unter uns.

Hier können wir alle zum Segen werden.

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