Feuer unterm Hintern

Die Bühlerzeller Feuerwehrmänner sind an Fasching sehr gefragt: als Geleitschutz beim Umzug, als Sicherheitswachdienst auf der Partymeile, als Kellner in der Bühlerhütte und als Römer und Germanen im Zug.

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"Richtige Männer sind Feuerwehrmänner": Michael Jäger (20) und Markus Steinmann (42) legen letzte Hand an den Faschingswagen, der unter anderem die Germanenzelle aus dem Bühlerzeller Gemeindewappen nachstellt. Foto: Michaela Christ

Lieber Gott. Als du am sechsten Tag Mann und Frau erschufst, hast du den Bühlerzeller Feuerwehrmann am Faschingssamstag vergessen. Denn der bräuchte an diesem Tag mehr Hände und Füße, als du dem normalen Menschen zugedacht hast. Allein die dienstlichen Aufgaben an diesem Tag sprengen die Kapazität der 87 Mann starken Truppe: Geleitschutz der großen Faschingswagen beim Umzug und Sicherheitswachdienst auf der Partymeile in der Rudolf-Mühleck-Halle. Zumal für diese Sicherheitsdienste die 15-köpfige Jugendfeuerwehr zu jung ist. "Was Glück im Unglück war", weiß Feuerwehrmann Matthias Rall (28) aus Heilberg. Denn dieser Umstand hätte es möglich gemacht, als Jugendfeuerwehr mit einem kleinen Mottowagen beim Umzug dabei zu sein. Mittlerweile ist Rall aktiver Feuerwehrmann und macht immer noch mit. Wie kann das sein?

"Die Wende brachte der Rosenmontagsball 2002", erinnert sich Löschmeister Wolfgang Müller (49). "Da sagte Ulrich Haas, seinerzeit Musikvereinsvorstand und Umzugsteilnehmer mit einem großen Wagen, dass wir von der Feuerwehr nur einen kleinen Wagen zustande brächten", blickt Gruppenführer Markus Steinmann (42) in gespielter Empörung zurück. Heute kann er darüber lachen. Weil die Feuerwehr nachgerüstet hat. Nicht nur am Fuhrwerk, auch an der Besatzung. 25 Mann wurden sofort abbestellt, der Jungfeuerwehr unter die Arme zu greifen. Was sich als Erfolgsrezept entpuppte, denn die Jury platzierte die Feuerwehr-Galeere 2003 auf Anhieb unter die Top 3. "Das war einmalig in unserer zehnjährigen Großwagenkarriere", gesteht Steinmann ohne Wehmut. Auch ohne Gram. Denn mittlerweile gelte das olympische Mott: "Dabeisein ist alles."

Sie haben Lunte gerochen. Wie das Feuerwehrmänner nun mal so tun: alarmiert, ausgerückt und geblieben bis das Feuer gelöscht ist. Da das Faschingsfeuer jährlich neu auflodert, sind auch die Männer von der Feuerwacht geblieben. Sie haben Spaß am Mitlaufen. Am Wagenbauen. Am Kostüme nähen. Großes Gelächter unterbricht die Aufzählung. "Von Kostümen kann man erst reden, seit die Frauen mit dabei sind", klärt Steinmann auf. Vorher zog man an, was einigermaßen passte. Denn ihr Ding sei von Anfang an das Wagenbauen gewesen. Dafür nehmen sich die Männer richtig Zeit. Fünfmal die Woche, abends von halb sieben bis halb zehn Uhr. "Sagen wir zehn, dann ist das Feierabendbier mit rein gerechnet und es gibt daheim keinen Ärger, wenns die Frauen in der Zeitung lesen", korrigiert einer.

"Römer und Germanen", so lautet das Motto der Feuerwehr. Vor Weihnachten hatte man sich darauf geeinigt. Die Zelle an der Bühler wollen sie nachbauen. Wie im Gemeindewappen abgebildet. Mit Material, das auch damals zur Verfügung stand. Holz. Zwischen Weihnachten und Neujahr ging es in den Wald des stellvertretenden Feuerwehrkommandanten Uwe Fischer im Steinenbühl. Zehn Mann, drei Tage lang. Es galt, 200 kleine Bäume zu fällen und zu entasten. Zugespitzt wurden die Stangen in der Halle des Transportunternehmens Lorenz Kohler, wo die Feuerwehr ihre Großwagen baut.

Unter optimalen Bedingungen, sagt Michael Jäger (20) aus Hochbronn. Der vordere Teil der Halle mit der Grube bleibt frei. Den Rest haben die Wagenbauer beschlagnahmt. Und wandern Stück für Stück nach vorn, je mehr sich das Germanendorf entwickelt.

"Neun Meter lang, sechs Meter hoch", umreißt Steinmann die anvisierte Größe. Daneben steht ein ausgetüfteltes Katapult. Was am Samstag durch die Lüfte fliegt, wird nicht verraten. Für Bonbons ist die Kuhle zu groß, für den Imperator Karlheinz Kunz (57) zu klein.

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