Faszination Bienenvolk

So muss es in einem Bienenhaus aussehen", nickt Wolfgang Brosam, Vorsitzender des Bezirksimkervereins Crailsheim, anerkennend und blickt sich in den sauber aufgeräumten acht Quadratmetern des kleinen Holzhäuschens im Garten von Heinrich Lang um.

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Fein säuberlich hängen Schutzkleidung und Gerätschaften wie Stockmeißel, Messer und Bienenbesen an Haken an der Wand. Auf dem Regal stapeln sich sorgfältig gezimmerte Wachsrähmchen und an der Türe stehen aufgereiht leere Beuten (Bienenkästen) für die Erweiterung des Bienenbestandes. Heinrich Lang ist Neuimker, und Wolfgang Brosam ist sein Pate.

Gemeinsam inspizieren sie die Bienenkästen, nachdem Lang mit einem Stückchen Eierkarton den Smoker zum Rauchen gebracht hat. Es ist ein kurzer Weg für die beiden Männer, denn das neue Häuschen, dessen helles Holz sich noch deutlich von der Umgebung abhebt, steht direkt im Garten der Langs, umgeben von der Wiese des benachbarten Demeterbauern, mit Schlehenhecken und Wacholderheide in Reichweite.

Im Januar vergangenen Jahres, kurz vor seiner Verrentung, beschloss der Honhardter, unter die Imker zu gehen. "Es ist für mich die Faszination Bienenvolk, wie dieser Staat funktioniert, dann natürlich der Honig und das Hobby für den Rentner", erklärt er gut gelaunt, weshalb er sich gerade dieses Hobby für den Ruhestand ausgesucht hat. Mit der Entscheidung begann Heinrich Lang auch, sich in das Thema einzulesen, kaufte Fachbücher und verbrachte täglich Stunden im Internet auf der Suche nach Fachwissen. "Ich hab das von Anfang an ernst genommen und mich ernsthaft damit beschäftigt", betont er. Damit bringt er an Voraussetzung schon einmal mit, was Wolfgang Brosam besonders hervorhebt: "Eigeninitiative ist für den Neuimker unabdingbar!"

Eine weitere Voraussetzung, um erfolgreich in die Imkerei einzusteigen, ist außerdem ein Neuimkerkurs beim Imkerverein, bei dem die Neulinge einmal alles hören, was für die Bienenhaltung wichtig ist. Doch mit solch einem Kurs ist es nicht getan, weiß Wolfgang Brosam: "Imkerei lernt man durchs Zusehen, durchs Selbermachen und durchs Erfahrungen sammeln. Man muss dem Neuimker deshalb eine Saison lang über die Schulter schauen, wie er sein Wissen in die Praxis umsetzt." Deshalb bekommen Neuimker, die den Kurs besuchen, anschließend einen erfahrenen Imker an die Seite.

Ein eigenes Bienenvolk hat Lang ebenfalls vom Verein erworben, ein zweites hat er von den Kollegen zum Abschied bekommen. Zwei weitere Völker hat er dann von einer Imkerin erworben, die die Imkerei aufgegeben hat. "Diese beiden Völker waren völlig vernachlässigt, und ich hatte richtig Probleme mit Aggressivität und Varroamilben", blickt der Neuimker zurück.

Doch gleichzeitig sagt er: "Das waren gleich am Anfang jede Menge schlechte Erfahrungen, aber es war nicht schlecht, um daraus zu lernen!" Auch über ein anderes Missgeschick kann er im Nachhinein lachen: "Ich habe letztes Jahr nicht bemerkt, dass ein Schwarm keine Königin mehr hat. Ich hab darauf geachtet, dass der Schwarm nicht abhaut, aber nicht auf die Königin!" Wolfgang Brosam erklärt darauf, dass dies sogar erfahrenen Imkern passieren kann, etwa wenn die Königin versehentlich beim Schauen zerquetscht wird oder vor Schreck auffliegt. Einen anderen typischen Anfängerfehler konnte Lang indes vermeiden - das Totschauen. "Als Neuimker ist man versucht, die Bienen öfter anzuschauen - wenn man übertreibt, fast täglich. Dann stimmt aber die Temperatur nicht mehr in der Wabe", erklärt Wolfgang Brosam, warum die Bienen das häufig nicht überleben. Ganz in Ruhe lassen kann Heinrich Lang seine Bienen allerdings doch nicht: "Der erfahrene Imker macht so früh im Jahr noch nichts, aber ich schaue schon jede Woche nach meinen Bienen", gibt er lachend zu. Ansonsten hat er sich mittlerweile gut in das Imkerdasein eingelebt. Auch gestochen wird er nicht mehr so häufig wie am Anfang.

Wo er jetzt noch viele weitere Erfahrungen sammeln möchte, ist die Krankheitsbekämpfung. "Ich habe dazu bisher nur das theoretische Fachwissen, aber der erfahrene Imker weiß einfach besser, wann wie viel angemessen ist", erklärt er, während er mit Wolfgang Brosam zusammen den weiß beschichteten Boden aus der Beute holt, um die Krümel, die dort landen, auf etwaige Varroamilben-Leichen zu untersuchen. Nur eine Milbe finden die Männer zwischen den kleinen Rückständen, der Befund ist also in Ordnung.

Neuimker können vom erfahrenen Paten nur profitieren

Heinrich Lang will auch weiterhin vom praktischen Wissen anderer Imker profitieren, weshalb es für ihn selbstverständlich ist, Mitglied im Imkerverein zu sein. "Gerade die Imker, die schon Jahrzehnte dabei sind, haben eine unwahrscheinliche Erfahrung, von der man als Neuimker nur profitieren kann."

Obwohl Wolfgang Brosam schmunzelnd zu Protokoll gibt, dass die Imkerei "Einzelgängersache" sei, hat sich im Hause Lang ein Duo zusammengefunden. Sohn Sebastian ist mit der gleichen Begeisterung bei der Sache wie Heinrich Lang, was den Pensionär sehr freut. "Er möchte jetzt im Frühjahr ein eigenes Volk haben, und ich möchte auf acht oder neun Völker erhöhen." Die Beuten für die Erweiterung stehen schon bereit, denn Platz ist mit das Wichtigste, was ein Imker seinen Bienen bereitstellen muss. "Wenn es warm ist, legt eine Königin bis zu 3000 Eier am Tag, dann kommen nach drei Wochen etwa 10.000 neue Bienen. Das muss man wissen und den nötigen Raum bereitstellen", betont der Neuimker-Pate. Wenn es den Bienen dann weder an Platz noch an Pflege mangelt, können durchschnittlich hundert Kilogramm Honig je Volk geerntet werden.

Bei Heinrich Lang waren es im letzten Herbst nur 20 Kilogramm, von dem er das meiste verschenkt hat. In diesem Jahr ist er zuversichtlich, dass es bedeutend mehr wird: "Das optimale Bienenjahr ist warm und sonnig - und wenn der Winter nicht kommt, dann lacht das Imkerherz!" Info Im Gasthaus "Neuhaus" in Neuhaus ist am Samstag, 15. März, von 14 bis gegen 19 Uhr eine Infoveranstaltung des Bezirksimkervereins Crailsheim für einen Einsteigerkurs zum Thema "Imkerei". Anmeldungen nimmt Wolfgang Brosam unter Telefon 07951/23617 oder per E-Mail an w. brosam@web.de entgegen.

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