Fasching in Bühlertann und Bühlerzell: Alkohol nach strikten Regeln

Fasching soll Fasching bleiben und nicht zum Besäufnis ohne Grenzen und ohne Kontrolle werden. Deshalb gelten in den Faschingshochburgen Bühlerzell und Bühlertann dieses Jahr neue Regeln für die Umzüge.

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Nichts gegen ein Bierchen in Ehren. Aber gegen exzessiven Alkoholkonsum besonders bei Jugendlichen wollen Organisatoren und Polizei bei den Faschingsumzügen am Wochenende in Bühlertann und Bühlerzell vorgehen. Foto: Ufuk Arslan

Dieses Wochenende starten im Bühlertal die großen Faschingsumzüge: am Samstag in Bühlerzell, am Sonntag in Bühlertann. Sie locken an beiden Tagen bis zu 30.000 Zuschauer in die Gemeinden. Menschen mit Spaß am Fasching, die begeistert die großen Mottowagen beklatschen. Die sich von den Fußgruppen auf Augenhöhe in den Umzug mit hineinziehen lassen. Oder sich zur Musik der vielen Kapellen und Guggen warm tanzen. Darunter sind in den vorderen Reihen Kinder, die auf den Bonbonregen warten. Dazu gehört, ohne Frage, auch ein Becher Glühwein, wenn einem vom langen Stehen in der Kälte die Füße kalt werden. Oder das eine oder andere Glas Bier oder Sekt, wenn Petrus die Sonne ins Bühlertal schickt.

Dazu gehört nach Meinung der Organisatoren aber nicht wirklich der harte Alkohol. Zuviel davon verträgt schon kein Erwachsener, Minderjährige erst recht nicht. Jürgen Merwald (56), vom Referat für Prävention in der Haller Polizeidirektion, stufte die Faschingssaison 2012 zwar noch als nicht Besorgnis erregend ein, unliebsame Vorkommnisse hätten aber doch Grund für Veränderungen gegeben.

Bei 66 der Polizei bekannten Saalveranstaltungen im Kreis mit knapp über 30.000 Besuchern gab es sechs einfache und drei gefährliche Körperverletzungen. Neben Delikten wie Diebstahl oder Sachbeschädigungen gab es vier Gewahrsamnahmen, bei denen die Personen entweder bei der Polizei ihren Rausch ausschlafen mussten oder gegen Gebühr nach Hause gebracht wurden.

Bei den Umzügen und anschließenden Veranstaltungen im Bühlertal mit ebenfalls geschätzten 30.000 Besuchern seien fünf einfache und eine gefährliche Körperverletzung registriert worden. Zusätzlich mussten drei 14-Jährige oder 15-Jährige mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Für einen angeblich vom Ertrinken bedrohten Jugendlichen wurde zur Suche ein Polizeihubschrauber angefordert. Grund genug für Veränderungen. Außerdem beobachtete die Polizei, dass viele Besucher mit größeren Mengen hochprozentigem Alkohol im Gepäck zu den Umzügen angereist waren. Eine Tendenz, die sich vor allem unter Jugendlichen breit macht.

Die Jugendschutzgesetze sagen: An unter 16-Jährige dürfen keine alkoholischen Getränke abgegeben werden, noch darf der Verzehr gestattet werden. Von 16 bis 18 Jahren sind Sekt, Wein und Bier erlaubt. Ab 18 Jahren auch branntweinhaltige Getränke. Wozu auch die an Fasching beliebten Klopferle gehören. Wie aber erkennt ein Barmann wer Ü18 oder erst Ü16 ist? An Fasching gar nicht, berichtet Bühlertanns Bürgermeister Michael Dambacher, denn die Menschen seien verkleidet und geschminkt und sehen somit älter aus, als sie tatsächlich seien. Das gilt für Bühlertann wie Bühlerzell.

Gemeinsam mit der Polizeidirektion haben die beiden Gemeinden eine Lösung erarbeitet. Mit Kontrollbändern können Personen altersgemäß richtig eingestuft werden.

Bühlerzell geht noch einen Schritt weiter. Beim Umzug wird kein Branntwein ausgeschenkt. "Wir haben richtig guten Straßenfasching nach dem Umzug. Leider war ein Teil der Besucher schon früh sehr betrunken, was am Abend zu erheblichem Ärger führte und vielen anderen den Spaß verdorben hat", erklärt Bürgermeister Franz Rechtenbacher. Es gehe nicht darum, Alkohol zu verbieten, sondern um verantwortungsbewussten Konsum. Damit aus Willi Millowitschs Karnevalklassiker "Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort" nie bitterer Ernst wird.

Kein Alkohol mitbringen

Wer Alkohol mitbringt, erhält keinen Einlass zum Umzug und in die Halle. 16- bis 18-Jährige erhalten beim Sicherheitsdienst ein blaues Kontrollband. Sie dürfen Getränke mit wenig Alkohol erwerben. Jugendliche über 18 Jahre erhalten ein orangenes Kontrollband. Sie dürfen alle alkoholischen Getränke erwerben.

Die Kontrollbänder werden vor dem Umzug im Ort und danach in der Halle ausgegeben. Das Kontrollband gilt in Bühlerzell und in Bühlertann. Der Sicherheitsdienst verweist betrunkene und aggressive Besucher der Halle. In Bühlerzell werden bis 15.30 Uhr keine branntweinhaltigen Getränke verkauft.

www.buehlerzell.de

www.sportfreunde-buehlerzell.de

www.fkbuehlertann.de

 

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