Farbdusche soll Falschfahrer stoppen

"Auf der Autobahn ist ein Falschfahrer unterwegs." Der Albtraum jedes Autofahrers. Ein 29-jähriger Straßenbaumeister aus Aalen will dem ein Ende machen - auch mit einer Wasserwand.

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Sven Weiser vor einem Modell seiner Erfindung. Er setzt auf Induktionsschleifen, blinkende Warnlichter und grellfarbene Wasserwände. Foto: Wagner

Der Autofahrer ist übermüdet und unkonzentriert. Die Sicht ist schlecht, Nebel wabert. Irgendwo links muss jetzt doch die Autobahnauffahrt kommen? Der Fahrer steuert seinen Wagen um die Kurve, das rote Schild mit dem weißen Balken übersieht er glatt. Plötzlich blinken Warnlichter am Straßenrand auf. Auch das ignoriert der Fahrer, unbeirrt rollt das Auto in die falsche Richtung - die Geisterfahrt beginnt.

Kurz vor Ende der Auffahrt passiert es dann: Eine grell-rosa Wasserwand prasselt tosend auf die Windschutzscheibe. Endlich wacht der Fahrer auf. Eine Geisterfahrt wurde verhindert, möglicherweise Menschenleben gerettet.

So ähnlich würde es ablaufen, wenn Sven Weiser seine Idee in die Tat umsetzen könnte. Der 29-Jährige ist ausgebildeter Straßenbaumeister. Er arbeitet als "Abteilungsleiter Tiefbau" für die Jagstzeller Firma KVG. "Ich habe schon viel mit Straßen zu tun", sagt er. Die vielen Nachrichten über Falschfahrer haben ihn nachdenklich gemacht. "Da macht man sich schon so seine Gedanken und fragt sich: Kann man da nichts gegen machen?"

Man kann. In Österreich versuchen sie es mit gelben Warnschildern, in den USA mit aus dem Boden schießenden Krallen, die die Reifen zerfetzen. Die Schilder werden von verwirrten oder übermüdeten Fahrern übersehen. Die Krallen machen keinen Unterschied zwischen einem Geisterfahrer und einem Rettungswagen, der, unterwegs zu einem Einsatz, auch schon mal verkehrt herum auf die Autobahn fahren muss. Sven Weiser hat ein System entwickelt, mit dem er die oftmals grausig endenden Geisterfahrten verhindern will. Und zwar ohne dabei die Krallen auszufahren. "Vorrichtung gegen Falschfahrer" heißt es offiziell. Er hat schon ein Patent darauf angemeldet. Die Sache klingt einfach: In die Autobahnauffahrt werden zwei Induktionsschleifen eingebaut, wie sie es schon vor so manchen Ampeln gibt.

Fährt ein Auto über die erste, leuchten rote Warnlichter am Straßenrand auf. Die farbige Wasserwand wird beim Überfahren des zweiten Signals aktiviert. Das Wasser kommt aus einer Zisterne am Straßenrand, der Strom von einer Solarzelle. Gleichzeitig mit den Warnlichtern geht ein Alarm an Polizei, Verkehrsleitstelle und Radio raus. Die grelle Farbe hat laut Sven Weiser zwei Effekte: "Zum einen rüttelt sie den Fahrer auf und zum anderen wird dadurch das Fahrzeug markiert."

"Die Idee schleppe ich eigentlich schon länger mit mir herum", sagt Sven Weiser. Sie kam ihm auf dem Verkehrsübungsplatz. "Die Wasserwände dort traut man sich kaum zu durchfahren", findet er. "Wenn so ein Schwall auf dich einprasselt, das merkst du schon."

Vom theoretischen Plan bis hin zur betriebsbereiten Anlage ist es ein weiter Weg. Da schadet es nicht, Unterstützer zu haben. Jürgen Schneider ist Geschäftsführer der KVG. Und der Chef des jungen Tüftlers. Schneider sagt: "Wir sind sehr interessiert an diesem Projekt." Eigentlich verlegt die Firma in erster Linie Kabel. Aber einem findigen Mitarbeiter wie Sven Weiser helfe man natürlich gerne. Außerdem muss die Induktionsschleife natürlich irgendwie unter die Straße kommen. "Von daher passt das schon zusammen", sagt Schneider.

Das Patent haben sie deshalb auch auf die Firma angemeldet. Und einen professionellen Patentanwalt zu Rate gezogen. "Das Patent gilt europaweit", sagt Jürgen Schneider. Denn noch ist nicht klar, wie Deutschland dem Phänomen Falschfahrer Herr werden will. "Wenn die Politik jetzt überlegt, ob sie weiße Pfeile auf die Straße malen lässt oder ob das nicht doch zu teuer ist, macht mich das wütend", sagt Jürgen Schneider.

Der Preis für die Anlage schwankt je nachdem, ob sie gleich beim Bau einer Straße installiert oder nachträglich eingebuddelt werden muss. Würde man sie an jeder Autobahnauffahrt in ganz Deutschland aufbauen, lägen die Kosten bei 80 Millionen Euro. Jürgen Schneider fragt: "Ein zu hoher Preis, wenn dadurch Menschenleben gerettet werden?"

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