Ex-Untermünkheimer Manuel Wolf und Sina Einsiedler helfen Kindern in Indien

Als sie nach Indien ging, wollte Sina Einsiedler dafür sorgen, dass dort jeden Tag ein streunender Hund kastriert wird. Das gelang nicht. Dafür unterstützen sie und ihr Freund Manuel Wolf nun ein Kinderheim.

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  • Manuel Wolf und Sina Einsiedler sitzen mit Kindern in einem indischen Kinderheim unter dem Weihnachtsbaum. 1/2
    Manuel Wolf und Sina Einsiedler sitzen mit Kindern in einem indischen Kinderheim unter dem Weihnachtsbaum. Foto: 
  • Die Kinder stehen im Wasser, das im lehmigen Boden nur langsam abfließt. 2/2
    Die Kinder stehen im Wasser, das im lehmigen Boden nur langsam abfließt. Foto: 
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Auf der Theke der Untermünkheimer Bäckerei Wolf steht ein Sparschwein. Daneben ein Zettel mit der Überschrift "Wir sind dann mal weg" - ein Auszug aus dem Blog von Manuel Wolf und Sina Einsiedler. Seit gut einem Jahr lebt das Paar in der viereinhalb-Millionen-Stadt Chennai im südlichen Indien.

Manuel Wolf stammt aus Untermünkheim, seine Eltern betreiben dort die Bäckerei Wolf. Die Mutter war im Dezember zwei Wochen in Indien und hat gesehen, wo die 400 Euro, die in knapp zwei Monaten als Spenden in ihrem Laden zusammen kamen, Gutes bewirken.

Sie durfte auch dabei sein, als indischen Kindern Weihnachtspräsente überreicht wurden. "Wir haben jedem eine Tüte zusammen gestellt mit Schreibblöcken, Stiften, einer Zahnbürste, Mückenschutz und einer Tafel Schokolade", erzählt Sina Einsiedler. "Das war für viele das erste Mal, dass sie etwas Eigenes besitzen durften."

Bedankt haben sie sich nicht so, wie wir Europäer das gewohnt sind. "Im Tamilischen gibt es anscheinend kein Wort für ,bitte, und auch ihren Dank haben die Kinder nicht in Worten ausgedrückt. Aber in ihren Augen stand so manches Tränchen." Die Kinder leben in einem Kinderheim in knapp 50 Meter Entfernung zu dem Haus, in dem das deutsche Paar wohnt.

"Wir kamen eines Tages vom Frisör und hörten plötzlich Kinder singen", erzählt Manuel Wolf. Die beiden wurden neugierig und streckten ihre Köpfe in die Baracke. Die Heimbetreiberin Flori lud sie ein, einzutreten. Die beiden trapsten durch das knöchelhoch stehende Wasser: Auf der lehmigen Straße kann das Regenwasser nicht ablaufen. Es läuft in die Häuser und bleibt dort wochenlang stehen, bevor es langsam versickert. Das obere Stockwerk ist aus Wellblech zusammen gestückelt. Immerhin wird es in dem Land selten kälter als 20 Grad, so dass wenigstens Heizen und Dämmung wegfallen.

Die rund 20 Kinder nahmen gerade ihr spärliches Abendessen ein. Zuvor wurde in dem christlichen Kinderheim ein Lied gesungen, welches das deutsche Paar angelockt hatte. Die Kinder sind schüchtern. Am mutigsten sind die älteren Mädchen, die auch ein paar Brocken Englisch können.

1000 Euro Spenden für den Schulbesuch von sieben Kindern

"Auf dem Heimweg waren wir ganz nachdenklich. Das mussten wir erstmal verarbeiten." Daheim steht das Essen bereit. Es bleibt an diesem Abend unberührt.

Zwei Wochen später gehen die beiden erneut in das Kinderheim, auf der Schulter tragen sie einen Sack Reis. Ein 25-Kilogramm-Sack Reis kostet etwa 15 Euro. Zwei Säcke Reis verbraucht das Heim in einer Woche. Gemeinsam mit einer deutschen Nachbarsfamilie beginnen sich die Hohenloher zu informieren. Was ist für die Kinder am wichtigsten? "Bildung!", finden sie heraus. Der Schulbesuch kostet, je nach Alter des Kindes, 100 bis 300 Euro im Schuljahr. "Wir haben das unseren Familien und Freunden in Deutschland erzählt, und schon wollten sie Geld spenden", freut sich Sina Einsiedler. Fast 1000 Euro ermöglichen nun sieben Kindern ein Jahr lang Schulunterricht.

Besitz zu teilen, ist für die Inder selbstverständlich. Manuel Wolf erzählt, wie einem Kollegen einmal von einem Bettler ein Stück Brot angeboten wurde.

Das Sparschwein steht weiterhin auf der Bäckereitheke in Untermünkheim. Auch der Seniorenkreis der Gemeinde rief bei der Weihnachtsfeier zu Spenden auf und bescherte eine Summe von 357 Euro.

Auch wenn das Paar im April seinen Arbeitsaufenthalt in Indien beendet, möchten sie den Kontakt halten und haben bereits deutsche Bekannte in Indien gefunden, die sich weiterhin um das kleine Hilfsprojekt kümmern möchten.

voiceofheaven.auslandsblog.de

Zur Person vom 8. Januar 2014
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