Ex-Minister Walter Döring: Comeback auf leisen Pfoten?

Welche Namen auf seiner Kandidatenliste für die Kreistagswahl stehen, hielt der FDP-Kreisvorsitzende Stephen Brauer zu Beginn der Woche noch geheim. Es war ihm klar: Ein Name darauf wird Aufsehen erregen.

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Walter Dörings letzter großer Auftritt in der Politik: Beim Parteitag in Villingen-Schwenningen düpiert er die damalige Landesvorsitzende Birgit Homburger (rechts), in dem er ihr deren Listenplatz für die Bundestagswahl streitig macht. Die angeschlagene Noch-Parteichefin macht schließlich Dörings Freund Dirk Niebel (Mitte) Platz. Archivfoto: Karsten Dyba

Seit Mittwochabend ist bekannt: Walter Döring kehrt zurück in die Politik - wenn auch nur auf kommunaler Ebene. Der frühere Wirtschaftsminister, der 2004 wegen der FlowTex-Affäre seinen Hut nehmen musste und in zwei Wochen seinen 60. Geburtstag feiert, will für die FDP in den Kreistag.

Er könnte also zurückkehren in seine politische Wiege. Von 1984 bis 1996 gehörte er schon einmal dem Kreistag an und saß für die FDP zugleich im Haller Gemeinderat. Dörings innerparteiliche Gegner vermuten dahinter die Vorbereitung eines Comebacks in der Landespolitik. "Nein", entgegnet Döring bestimmt. Die Not seiner Partei sei es, die ihn dazu veranlasse, wieder aktiv zu werden. "Man muss sich in die Pflicht nehmen, wenn die Not groß ist", sagt er zu seiner Kandidatur. Seit der Bundestagswahl, bei der die FDP den Wiedereinzug in den Bundestag verpasste, segle die FDP in schwierigen Gewässern. "Da müssen alle wieder ran". Nun wolle er dazu beitragen, dass die FDP im Haller Kreistag wieder mit einer Fraktion vertreten ist.

Dass seine Kandidatur auch gemischte Reaktionen erzeugt, ist Döring bewusst. Er weiß jedoch alte Vertraute hinter sich: Seinen Freund, den Haller FDP-Vorsitzenden Thomas Preisendanz, der ebenfalls in den Kreistag will - oder den früheren Kreisvorsitzenden Elmar Zeller. Die Liste für den Wahlkreis Hall führt Dörings Ex-Frau Ruth Striebel an.

"Es pfupfert mich", sagte er stets, wenn er angesichts der mangelnden Wählergunst für seine Partei nach einem politischen Comeback gefragt wurde. "Politik macht mir Spaß, das ist kein Geheimnis", sagt er heute. Vor eineinhalb Jahren wagte er den Husarenritt: Wenige Stunden vor dem Listenparteitag zur Bundestagswahl kündigte er an, der ungeliebten Parteichefin Birgit Homburger die Spitzenkandidatur streitig zu machen. Der Showdown endete in einem Kompromiss - doch Homburger war demontiert.

Seine jetzige Kandidatur hatte er nicht angekündigt. Vielleicht auch wegen der Kritiker in den eigenen Reihen. "Walter, wo warst du, als wir dich gebraucht haben?", fragte Ute Oettinger-Griese angesichts Dörings Husarenritt damals vorwurfsvoll. Dass sie keine Freundin Dörings ist, daraus macht die Bezirksvorsitzende kein Geheimnis. Seine jetzige Kandidatur sieht sie gelassen: "Warum nicht? Das nehme ich wohlwollend zur Kenntnis."

Ist die Kandidatur ein Mittel, die parteiinternen Kritiker zu besänftigen? Weggefährte Elmar Zeller, der 2011 aus Verärgerung über die innerparteiliche Schlammschlacht aus der FDP ausgetreten war, würde dem Ex-Minister für ein politisches Comeback die Stange halten: "Ich würde auch heute noch für ihn durchs Feuer gehen." Der FDP fehlten die charismatischen Führer, wie Döring einer sei. Er empfiehlt ihm sogar, in zwei Jahren dem neuen Landesvorsitzenden Michael Theurer dessen Amt streitig zu machen.

"Das tut der Fraktion und dem Kreistag gut", sagt der scheidende FDP-Kreisrat Reiner Blobel über Dörings Kandidatur. Sein Einzug ins Kreisparlament werde "ein großer Gewinn" sein. "Der Kreisvorstand war einhellig der Meinung, dass seine Kandidatur gut ist", berichtet Kreisvorsitzender Brauer. Er rechnet damit, dass Döring gerade in Hall viele Stimmen auf sich vereint.

"Das kann schon Spaß machen", sagt Döring über seine Rückkehr in die Kommunalpolitik. Die Kontrollfunktion des Kreistags wolle er "engagiert wahrnehmen" und peilt ein mutiges Ziel an. Ein zweistelliges Wahlergebnis wünschte er sich für seine Partei, denn: "Ohne Ziel braucht man nicht antreten."

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