Ex-Bischöfin Margot Käßmann redet beim VR-Bank-Neujahrsempfang über Werte

Wer sich begnügen kann, macht sich frei, etwa vom Konsumzwang. So begründete die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Käßmann (55) ihre "Ethik des Genug", die sie bei der Genossenschaftsbank vorstellte.

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Gruppenbild mit Bankern: die Theologin Margot Käßmann mit Volker König, Eberhard Spies und Tobias Belesnai (von links), den Vorstandsmitgliedern der VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim. Privatfoto

Ist das nicht ein Wagnis, die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Neujahrsempfang einzuladen? Zumal sich die Rednerin bei Martin Luther gut auskennt und man weiß, welch kritisches Verhältnis der Reformator zum Geld hatte.

Die VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim ging dieses Risiko ein, engagierte mit Professorin Dr. Margot Käßmann eine so bekannte wie streitbare Theologin - und landete einen Volltreffer. Mehr als 700 Menschen kamen am Mittwoch in die Mehrzweckhalle in Wolpertshausen und spendeten der Rednerin demonstrativ langen Applaus. Die Stimmung war fast ein bisschen so wie im Mai des vergangenen Jahres beim Kirchentag in Hamburg. Damals waren es rund 7000 Menschen, die mit Klatschen gar nicht mehr aufhören wollten.

Ob Hamburg oder Wolpertshausen - die Auftritte der einst jüngsten Landesbischöfin, die es bis an die Spitze des EKD-Rates schaffte, also Oberhaupt von fast 24 Millionen evangelischen Christen war, sind immer eine Mischung aus Vortrag und Predigt, sind Aufmunterung und Mahnung, manchmal auch Ermahnung.

Auftrag der Theologin war es, über Werte zu reden. Bankchef Eberhard Spies hatte sie ausgewählt, weil seiner Meinung nach über Werte nur reden kann, wer viel erlebt hat, auch Höhen und Tiefen. Käßmann erfüllt diese Kriterien, und sie nahm die Einladung nach Hohenlohe gerne an, weil das Thema christliche Werte und ihre Bedeutung in einer säkularen Gesellschaft sie bis heute umtreibt.

Diese Werte, machte die Rednerin gleich zu Beginn klar, zählen wirklich. Nicht die materiellen Werte, die man kaufen kann. Ihre Erfahrung sei, dass alles, was im Leben entscheidend ist, man nicht kaufen könne. Schon deshalb dürften Geld und Konsum nicht die wichtigsten Werte in einer Gesellschaft sein.

Loslassen, macht frei

Ihre Empfehlung ist, "mit Geld gewissenhaft und entspannt umzugehen". Nicht immer mehr Geld zu verdienen und Dinge zu besitzen, dürfe im Mittelpunkt menschlichen Handelns stehen, sondern die Erkenntnis, dass es irgendwann einfach genug ist. Wer nach immer mehr strebe, begebe sich in immer mehr Abhängigkeiten. Auch "festhalten macht unfrei", betonte die ehemalige Landesbischöfin. Sie empfahl, "auch mal loszulassen, das macht nämlich frei", und stellte ein Gebot fürs 21. Jahrhundert auf: "Ich muss nicht immer begehren".

Dieses Gebot beziehe sich nicht nur auf den Einzelnen, es habe auch Bedeutung für die Wirtschaft, letztendlich für den Staat. Eine im christlichen Sinne betriebene Wirtschaft sei für alle Menschen da. Sie grenze nicht aus, sie bringe das Geben und Nehmen in ein Gleichgewicht, das allen zugutekomme. Ihre Vision vom menschenfreundlichen Wirtschaften ist - theologisch formuliert - ein "Kreislauf der Barmherzigkeit", oder - politisch gesehen, ein "Kreislauf der Solidarität".

Die Zehn Gebote als Lebensregel

Auch einen Ratschlag hatte sie für ihre Zuhörer. Immer wieder mal an die Zehn Gebote denken. Die sind für sie nicht antiquiert, sondern zeitlos aktuell, nichts weniger als Lebensregeln. Und auch die Bibel liegt ihr am Herzen. Die kenne ausgerechnet im Land des Reformators Luther kaum mehr jemand, obwohl es sich doch um "Weltliteratur" handele. Wetten, dass manche ihrer Zuhörer dieses Buch in den kommenden Tagen mal wieder in die Hand nehmen?

Die Zehn Gebote
 

"Noch ein Tick besser als 2012"war die Entwicklung des Kreditinstitutes im vergangenen Jahr, sagte Eberhard Spies, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim, auf dem Neujahrsempfang der Bank in Wolpertshausen. Es sei ein Wachstum von fünf bis sechs Prozent in allen Bereichen erzielt worden.

Die Bank mit ihren mehr als 400 Beschäftigten und einer Bilanzsumme von 1,7 Milliarden Euro (2012) betreibt 35 Geschäftsstellen und hat inzwischen mehr als 60.000 Mitglieder, freute sich Eberhard Spies.

Landrat Gerhard Bauer verglich in seinem Grußwort die Einladungen zu den Neujahrsempfängen der VR-Bank mit Genussscheinen. Es seien Veranstaltungen, zu denen man ganz besonders gerne gehe. Er würdigte die Leistungen der VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim. Sie biete Arbeitsplätze, versorge Unternehmer mit Geld und übernehme damit Verantwortung für die positive Entwicklung des Landkreises.

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