Es fehlen jetzt schon Ärzte im Landkreis

Mittelfristig sollen sich im Kreis Schwäbisch Hall mehr Ärzte niederlassen dürfen. Das stellt das Sozialministerium Baden-Württtemberg in Aussicht. Derzeit werden die Bedarfspläne überarbeitet.

|
Dr. Elisabeth Koerber-Kröll verbindet das Bein von Peter Becker. Archivfoto

Aber: Bis tatsächlich mehr Ärzte im Kreis Hall die Arbeit aufnehmen, dürfte Zeit vergehen. Dr. Elisabeth Koerber-Kröll, Vorsitzende der Haller Kreisärzteschaft, sagt: Selbst wenn es mehr Planstellen gibt, helfe das nur wenig - das Problem sei, dass es zu wenige Ärzte gebe. "Es müssen Strukturen geschaffen werden, damit deutsche Ärzte bereit sind, in Deutschland zu arbeiten." Allein im Haller Stadtgebiet suchten derzeit drei Hausärzte seit längerer Zeit vergeblich Nachfolger. Bei den Fachärzten drohe zeitversetzt die gleiche Not.

Ganz anders bewertet das Sozialministerium die Lage. Derzeit sei die medizinische Versorgung im Kreis Hall gut - abgesehen von der Situation bei den Hautärzten. Das schreibt das Sozialministerium auf eine Kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Helmut W. Rüeck. Rein rechnerisch bestehe sogar eine Überversorgung in allen Arztgruppen. Der Versorgungsgrad bei den Fachärzten variiere zwischen 111 und 333 Prozent, bei der hausärztlichen Versorgung stehe ein überdurchschnittliches Angebot wohnortnah zur Verfügung. Bis auf Langenburg gebe es im Kreis Hall in jeder Gemeinde mindestens einen Hausarzt. Mit 1409 Einwohnern pro Hausarzt liege die Hausarztdichte im Kreis sogar um 7 Prozent über dem Landesdurchschnitt.

In seiner Anfrage nimmt der CDU-Abgeordnete Bezug auf die Resolution, die im Februar auf Initiative des Haller Oberbürgermeisters Hermann-Josef Pelgrim vom Haller Gemeinderat gefasst worden ist. Das Stadtparlament forderte in ihr, den Zuschnitt der Gesundheitsregionen zu ändern. Der Hintergrund: Schwäbisch Hall gehört zur Region Heilbronn-Franken. Würde der Stadt- und Landkreis Heilbronn mit seinen 452500 Einwohnern aus der Statistik herausgerechnet werden, änderte sich der Verteilungsschlüssel und der Kreis Hall hätte Anspruch auf weitere Ärzte.

In seiner Anfrage fordert Rüeck von der Landesregierung eine Bewertung der Resolution. Er bange um die ärztliche Versorgung, schreibt er. Wie das Ministerium mitteilt, wird es die vom Haller Gemeinderat geforderte kleinräumige Lösung wohl geben. Geplant sei, die Bedarfsplanungsrichtlinien zu reformieren. Die Kriterien müssten noch festgelegt werden. Allerdings sei schon jetzt klar, dass es bei den "Planungsbereichen eine Abkehr von den starren Stadt- und Landkreisgrenzen geben" wird. "Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die bisherige Raumgliederung und die daraus abgeleiteten Einwohner-Arzt-Relationen dem kleinräumigeren, tatsächlichen Bedarf angepasst werden müssen."

Im Haller Rathaus nimmt man dies wohlwollend zur Kenntnis. "Der Gemeinderat und Herr Rüeck haben das Ministerium mit der Resolution und der Anfrage für das Thema sensibilisiert", sagt Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Er freut sich, dass eine kleinräumige Regelung gesucht werden soll und Hall aus der schlechten Kategorie herauskommt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Virtual Reality in Hohenloher Firmen - wie Science-Fiction

Die virtuelle Realität hält auch im Sondermaschinenbau Einzug. Siemens führt im Virtual-Reality-Center des Packaging Valley an das Thema „digitale Zwillinge“ heran. weiter lesen