Erstmals klarer Blick auf Pläne und Absichten des Sauzüchters

Einen deutlichen Zugewinn an Faktenkenntnis haben die Nesselbacher in Sachen Ausbau eines Landwirtschaftsbetriebs im Ort ausgemacht.

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  • Riesiges Interesse hat die Informationsveranstaltung zur beabsichtigen Aussiedlung eines landwirtschaftlichen Betriebs in Nesselbach ausgelöst. An die hundert Zuhörer waren gekommen und diskutierten mit den Experten.  1/2
    Riesiges Interesse hat die Informationsveranstaltung zur beabsichtigen Aussiedlung eines landwirtschaftlichen Betriebs in Nesselbach ausgelöst. An die hundert Zuhörer waren gekommen und diskutierten mit den Experten. Foto: 
  • Die Expertenriege in Nesselbach (von links): Architekt Josef Häufele, Bauherr Andreas Krepp, Bürgermeister Wolfgang Class, Hubert Wiedemann (Umweltamt), Helmut Bleher (Bauernverband), verdeckt dahinter Werner Balbach (Landwirtschaftsamt), Axel Schneider (Gesundheitsamt) und Dr. Werner Schreiber (Veterinäramt). 2/2
    Die Expertenriege in Nesselbach (von links): Architekt Josef Häufele, Bauherr Andreas Krepp, Bürgermeister Wolfgang Class, Hubert Wiedemann (Umweltamt), Helmut Bleher (Bauernverband), verdeckt dahinter Werner Balbach (Landwirtschaftsamt), Axel Schneider (Gesundheitsamt) und Dr. Werner Schreiber (Veterinäramt). Foto: 
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Nach Aufregung vorab, widersprüchlichen Diskussionen im Rat, Berichten und Leserbriefen im HT war kaum zu erwarten, dass es am Donnerstag im Nesselbacher Dorfgemeinschaftshaus so ruhig bleiben würde wie es letztlich war. Beobachter fassten spät am Abend die zweieinhalbstündige Veranstaltung mit Attributen wie „grundanständig, informativ, solide“ und „erhellend“ zusammen. Und so wurde es auch kein Tribunal, nachdem Landwirt Andreas Krepp seine Pläne vorgestellt und erläutert hatte.

Es wird nichts entschieden

Ohne Zweifel hatte daran die hochrangig besetzte Expertenrunde ihren Anteil, die – trotz zum Teil nicht ausgeräumter Vorbehalte oder gar Unglaubens im Saal – betont sachlich zu Werke ging und bevorzugt mit Fakten und Daten zu überzeugen wusste. Allen Beteiligten war klar, dass der Abend angesichts der im Raum stehenden Befürchtungen in puncto Schweinezucht, Bodenbelastung, Antibiotikaeinsatz und MRSA-Belastung durchaus aus dem Ruder hätte laufen können.

Langenburgs Bürgermeister Wolfgang Class hatte von vornherein darauf hingewiesen, dass an diesem Abend nichts entschieden werde. Wie übrigens selbst ein verabschiedeter Bebauungsplan nicht automatisch einen Baubeginn nach sich ziehe, betonte er. „Dann reicht der Bauherr ganz normal seinen Bauantrag ein, über den im Rat erneut entschieden werden muss“, sagte Class.

Was hat der potenzielle Bauherr nun vor, dessen Absicht, auszusiedeln und seinen Hof im Außenbereich deutlich zu vergrößern, überhaupt erst die Bebauungsplanung in Gang gesetzt hatte? Letztlich will er zwei Hofstellen im Ort aufgeben und sich auf den Aussiedlerhof zwischen Nesselbach und Söllbot konzentrieren – für ihn und den Bruder Thomas eine wichtige unternehmerische Entscheidung.

Den Hof künftig als „geschlossenes System“ zukunftsfähig zu machen, die Regionalität zu erhalten und das Tierwohl im Blick zu behalten, seien seine Motive, ließ er die knapp 100 Zuhörer wissen. Dass dabei Kritik aus der nichtbäuerlichen Umgebung zu erwarten war, sei ihm immer bewusst gewesen. Tatsächlich ist das Vorhaben nicht ohne, denn dereinst sollen im Betrieb Krepp knapp 7800 Tiere gezüchtet, aufgezogen und gemästet werden.

Um die Konsequenzen ging es den Bedenkenträgern: Gerüche und andere Emissionen, Bodenbelastung durch hohes Gülleaufkommen, Gefahr für Jagst und Völkersbach sowie multiresistente Keime waren nur einige Stichworte, auf die die Experten eingehen sollten. Die wiederum machten es sich nicht leicht. Sie hatten sich mustergültig präpariert, zitierten aus Gutachten („Hier kommen Auflagen wie bei einer Chemiefabrik zum Tragen“, so Architekt Josef Häufele) und warteten mit Zahlen und Fakten auf, die aufhorchen ließen. „Angesichts des öffentlich oft kritisch betrachteten Themas sind alle Fronten peinlich genau geprüft worden“, sagte der Architekt. Alle Gutachter seien zum Schluss gekommen, dass die Aussiedlung keine zusätzliche Belastung für den Ort mit sich bringe, hieß es – was im Publikum nicht auf vorbehaltlose Zustimmung stieß.

Die komplexe Materie sorgte zwar weiter für Einspruch und Widerstand, doch auch Landwirtschaftsamtsleiter Werner Balbach hatte Zahlen parat. So sei die Tierhaltungsdichte im Kreis seit den 70ern zurückgefahren worden. „In den 90ern gab es 80 000 Muttersauen, heute sind es noch 32 000“, erklärte er. Das Problem heute, so ein Zuhörer, sei indes die schiere Größe der Betriebe.

Einen hoch differenzierten Blick aufs Thema „Multiresistente Keime“ warfen die Experten in Nesselbach. Fakt sei, so der Humanmediziner Alex Schneider, dass rund 20 Prozent aller Kreisbewohner derlei Erreger in sich trügen. 2016, so der Arzt, hätten aber nur sechs Fälle behandelt werden müssen. „MRSA ist da, aber nicht das große Schreckgespenst.“ els

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