Ersten Gottesdienst mit 100 Soldaten gefeiert

Auf 32 Jahre im Ehrenamt als Prädikant blickt Friedrich Schenk aus Altenmünster zurück. Er leitet in dieser Eigenschaft selbstständig Gottesdienste, ohne den Beruf eines Pfarrers ergriffen zu haben.

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Für die Landeskirche im Einsatz: Irma und Friedrich Schenk. Foto: Bruno Münch

Erst wollte er überhaupt nicht, erinnert sich Friedrich Schenk. Von Pfarrer Helmut Buddensiek war er damals angesprochen worden, ob er sich die Prädikantentätigkeit vorstellen könne. "Ich habe eine schwere Zunge", habe er in der Tradition alttestamentlicher Propheten geantwortet. Schließlich ließ Friedrich Schenk sich doch überzeugen. Aber noch heute stellt er fest: "Ich weiß gar nicht, wie ich das alles geschafft habe": der Beruf, die Familie, sonstige Ehrenämter, und dann noch oft sonntags Gottesdienste leiten.

In Bad Urach gab es 1982 einen Einführungslehrgang. Danach wurde Friedrich Schenk eingesetzt, gleich ohne Mentor. Der damalige Dekan Theo Engels beschied ihm: "Ich habe niemanden für Ihre Begleitung." Der erste Einsatz war am Volksfestsonntag 1982 in Gröningen. Ehefrau Irma und die drei Töchter waren dabei. Schon nach Gröningen zu gelangen, war an diesem Tag mühsam. Dort wartete eine Hundertschaft Soldaten vor der Kirchentür - es war Manöverzeit. "Herr Pfarrer, dürfen meine Soldaten am Gottesdienst teilnehmen", fragte der Offizier. "Jeder ist zum Gottesdienst eingeladen", war die Antwort. So nahmen an Schenks erstem Gottesdienst etwa 100 Soldaten in Kampfuniform teil, "teils aufmerksam, teils in den Bänken liegend", wie er sich erinnert. Erst später hat er erfahren, dass die Order war: "Panzer putzen oder Gottesdienstbesuch".

Bei den Gottesdiensten hat sich oft Ehefrau Irma beteiligt. Den beiden sind auch die Familienfreizeiten in guter Erinnerung, die man als Prädikantenfamilie besuchen durfte. Man hat sich in der Gemeinschaft wohlgefühlt, die Bibelarbeiten genauso genossen wie die Ausflüge. Diese Familienfreizeiten fanden oft in Unterkünften von Partnerkirchen statt - so war es ganz passend, dass die Prädikanten auch am folgenden Sonntag in der Umgebung Gottesdienste leiten konnten.

Sehr viel gelernt haben sie durch die Prädikantentätigkeit, das betonen sowohl Friedrich Schenk als auch seine Ehefrau. Natürlich hat man alle Kirchen der Umgebung kennengelernt. Vielen Menschen konnte man begegnen. Aber auch Selbstvertrauen und Anerkennung habe man genießen können. Man schätzt den Weitblick, den das Ehrenamt verschafft hat.

Was muss man mitbringen für das Ehrenamt als Prädikant? Friedrich Schenk, der auch die Berechtigung für Taufe und Abendmahl erworben hat, nennt in erster Linie den Glauben. Es sei immer auch ein Zeugnis gefordert, dass man sich zu Gott bekennt. Außerdem müsse man sich trauen. Hilfsmittel bekommt man von der Kirche gestellt. Friedrich Schenk wirbt für dieses Ehrenamt. Er habe es stets mit Freude ausgeübt.

Friedrich Schenk ist genau wie seine Ehefrau in der kirchlichen Jugendarbeit aufgewachsen. Den Posaunenchor Altenmünster hat er 1950 mit gegründet. Er war lange Kirchengemeinderat. Jetzt gestalten die Schenks miteinander den Seniorenkreis. Als Prädikant möchte er kürzertreten. 32 Jahre Ehrenamt zur Ehre Gottes sei doch eine lange Zeit, bittet er um Verständnis.

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