Erste Ernte in der bislang einzigen Haselnuss-Plantage im Kreis Schwäbisch Hall

Auf einer Fläche von 1,5 Hektar baut Wilfried Dippon in Wallhausen-Schainbach Haselnüsse an. Im siebten Anbaujahr hat er erstmals Aussichten auf eine gute Ernte. 1,5 Tonnen werdens wohl werden.

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  • Wilfried Dippon legt unter den Haselnuss-Bäumen feinmaschige Netze aus. Mehrmals in der Woche geht er durch die Plantage und schüttelt die Stämme. Die Ernte ist einfach: Das Netz anheben und die Nüsse auflesen. 1/4
    Wilfried Dippon legt unter den Haselnuss-Bäumen feinmaschige Netze aus. Mehrmals in der Woche geht er durch die Plantage und schüttelt die Stämme. Die Ernte ist einfach: Das Netz anheben und die Nüsse auflesen. Foto: 
  • Bis zu drei Zentimeter im Durchmesser werden die Haselnüsse groß. 2/4
    Bis zu drei Zentimeter im Durchmesser werden die Haselnüsse groß.
  • Haselnuss-Ernte bei Wilfried Dippon in Wallhausen-Schainbach. 3/4
    Haselnuss-Ernte bei Wilfried Dippon in Wallhausen-Schainbach. Foto: 
  • Die erste Haselnuss-Plantage auf 1,5 Hektar in Wallhausen. 4/4
    Die erste Haselnuss-Plantage auf 1,5 Hektar in Wallhausen. Foto: 
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Wie ein angespitzter Speer ragt der Rest des Baumstammes empor. 1,5 Meter weiter der nächste. "Ich bin ja sonst ein Tierfreund", sagt Wilfried Dippon (50), "aber wenn ich den Biber in die Hände bekommen würde . . ." Vor zwei Jahren ist ein Biber in den kleinen See unterhalb der Plantagen eingewandert und hat offenbar einen Narren an den jungen Haselnussbäumen gefressen: Etwa zehn Prozent der Bäume, so schätzt Dippon, hat der Nager inzwischen beschädigt oder gar gefällt.

Der gelernte Gärtner und Sonderkulturanbauer Wilfried Dippon steht in der Senke am Rand des Sees und schaut auf seine Plantage. Deutlich mehr als drei Meter hoch sind dort die Haselnussbäume, einen guten Meter höher als oben am Berg. "Der Boden hier ist besser." Dippon dreht sich um, schließt die Umzäunung um den See, die der findige Nager offenbar immer wieder unterwandert, und steigt in sein Auto.

Oben auf dem Hügel erstreckt sich der Blick über die Obstplantagen der Familie Dippon (sie hat mit einer Gesamtanbaufläche von 4,5 Hektar den kleineren Teil) und der Familie Martin Blumenstock (Roßbürg): Dort wachsen Äpfel, Kirschen, Mirabellen, Johannisbeeren, Heidelbeeren und seit acht Jahren auch Haselnussbäume. Dass ausgerechnet dort Sonderkulturen angebaut werden, hängt weder mit dem Boden noch mit besonders guten klimatischen Bedingungen zusammen - im Gegenteil, der Boden ist sandig, das Klima rau. Es war eine unternehmerische Entscheidung von Wilfried Dippons Großvater, der im Obstbau eine lukrative Nische vermutete und als erster in Wallhausen nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Anbau von schwarzen Johannisbeeren begann. Dippons Vater stockte später auf und pflanzte Äpfel.

Mitte der 1980-er Jahre übernahm Wilfried Dippon nach dem frühen Tod seines Vaters den Betrieb. "Es ist ein hartes Klima hier", sagt Dippon, "für Beeren geht es noch eher als für Baumobst." Seiner Beobachtung nach wird der ökologische Anbau von Äpfeln im Osten Hohenlohes zunehmend erschwert: Starker Schädlings- und Pilzbefall reduzierten in den vergangenen Jahren seine Ernte drastisch. Da ist es gut, dass Dippon - wie zahlreiche weitere Familienbetriebe im Ökolandbau - auf mehreren Standbeinen steht: Im Hofladen werden sortenreine Apfelsäfte und selbst hergestellte Fruchtgummibären verkauft. Hinzu kommt nun der Anbau der Haselnüsse. Auch Dippons Ehefrau Susanne trägt mit ihrem Einkommen als Lehrerin zum Einkommen der vierköpfigen Familie bei.

Geringer Pflegeaufwand für Haselnüsse

Den Anbau von Beeren haben Dippons reduziert. Weil seine Apfelbäume jetzt vier Jahre in Folge kaum Früchte getragen haben, ist Dippon am Überlegen, ob sie noch länger stehen bleiben oder anderem Platz machen sollen - vielleicht auch Haselnüssen.

Auf die harten Nüsse kam Dippon durch Zufall: Er las in einer Zeitschrift von einem Unternehmer, der Vertragsbauern suchte: Die Landwirte sollten die Nüsse anbauen, der Unternehmer wollte die Erntemaschinen stellen und den Vertrieb übernehmen. Er fühlte sich angesprochen: Haselnüsse brauchen zwar lange, bis sie einen Ertrag bringen, aber der Pflegeaufwand ist gering.

Jetzt im siebenten Anbaujahr fährt Dippon erstmals eine gute Ernte ein. Er erntet ohne Maschinen - denn der Unternehmer, der alles angestoßen hat, ist vor drei, vier Jahren gestorben, und Dippon und die weiteren Haselnussanbauer (alle aus dem Bereich Augsburg-München) schlossen sich zu einer Erzeugergemeinschaft zusammen.

Kein schnelles Geld

Ist der Anbau für weitere Landwirte in Hohenlohe eine Alternative? "Schwer zu beantworten", meint Dippon. Positiv sei, dass die in Deutschland produzierten Nüsse zu den hochwertigsten gehören - das raue Klima sorge dafür, dass die Nüsse besonders aromatisch sind. Konditoren und Hersteller von hochwertigen Schokoladeprodukten beziehen deshalb gerne deutsche Nüsse. Noch stecke der Haselnussanbau in Deutschland in den Kinderschuhen - gut möglich, dass diejenigen, die jetzt einsteigen, sich gut am Markt positionieren können. "Der Nussmarkt nimmt sicher noch Anbauer auf", sagt Dippon, "aber man sollte nicht außer Acht lassen, dass man einen langen Atem braucht. Der Vollertrag setzt frühestens nach fünf bis sieben Jahren ein. Schnelles Geld ist damit nicht zu machen." Außerdem solle man über ein kleines, obstbauliches Grundwissen verfügen, denn es braucht einen Erziehungsschnitt, um aus einem HaselnussStrauch einen Baum zu formen.

Zu Hause auf dem Hof führt Dippon zum früheren Hühnerstall: 20, 30 Zentimeter hoch lagern dort die Nüsse. Wenn er sie am Nachmittag mit dem Korngebläse von Laub und den weichen Hülsen befreit hat, werden sie für den Transport verpackt. Lächelnd schaut Dippon auf die harten Nüsse. Einfach haben sie es ihm nicht gemacht - umso schöner ist der berechtigte Stolz.

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