Ernte nach der Zweitsaat rettet das Jahr

In der Landwirtschaft ist schon lange nichts mehr so, wie es war. Und der Wandel wird sich fortsetzen, ist Wilhelm Wackler aus Gersbach überzeugt. Was bleiben wird: "Wir werden nach wie vor gebraucht."

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Wilhelm Wackler: "Qualität und Leistung müssen stimmen." Foto: Rupp

Auf dem Hof steht ein silberfarbener Lamborghini und in der Garage nochmals einer. Was sich ein Landwirt heutzutage alles leisten kann. . . Falsch gedacht! Bei den Fahrzeugen handelt es sich nicht um rassige italienische Luxus-Sportwagen, sondern um leistungsfähige Traktoren.

Moderne und damit teure Technik sind unverzichtbar. Die von den heutigen Vollerwerbsbetrieben bewirtschafteten Flächen sind um ein Vielfaches größer als die der Vorfahren. Gleiches gilt für die Tierbestände. "Sonst kommen wir einfach nicht über die Runden", begründet Landwirtschaftsmeister Wilhelm Wackler aus dem Satteldorfer Teilort Gersbach diese Entwicklung. Er bewirtschaftet eine Fläche von 78 Hektar und verdient seinen Lebensunterhalt mit der Mast von 680 Schweinen und 110 Bullen.

Wackler ist mit Leib und Seele Bauer und engagiert sich für seinen Berufsstand und im öffentlichen Leben - sei es im Bauernverband und bei der Unabhängigen Erzeugergemeinschaft Hohenlohe-Franken, im Gemeinderat Satteldorf, im Haller Kreistag oder im Posaunenchor.

Seine Stimme hat Gewicht, auch weil er immer wieder kritische Töne anschlägt. Er kennt das Auf und Ab bei den Preisen und die damit verbundene Unsicherheit. Er steht dem Strukturwandel offen, aber auch mit gewisser Besorgnis gegenüber. Er denkt und handelt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, sieht sich aber gleichzeitig als Schützer der Landschaft und Natur.

Und wie sieht er das abgelaufene Jahr? "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", zieht er aus Sicht seines Betriebes Bilanz. Die wäre weit besser ausgefallen, hätte nicht wieder einmal das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach der Trockenheit 2011 brachte der Frühjahrsfrost 2012 viele Bauern in Bedrängnis. Nur dem Umstand, dass die teure Zweitaussaat eine gute Ernte gebracht hat, sei zu verdanken, dass die Einbußen im Ackerbau "nicht noch größer waren".

So groß die Freude über die guten Schweinepreise waren, so schwer machten den Züchtern und Mästern die extrem hohen Preise für Futtermittel zu schaffen, was den Gewinn deutlich minderte. Zufrieden ist Wackler mit dem Erlös in der Bullenmast. Die Preise für Rindfleisch haben sich stabilisiert, "nachdem wir jahrelang hinterher gehinkt sind". Wackler führt diese Entwicklung auch auf das veränderte Qualitätsdenken der Verbraucher und veränderte Qualitätsverhalten der Erzeuger zurück.

"Tiere können nur dann gute Leistung bringen, wenn sie sich wohlfühlen", argumentiert er, weshalb jeder Landwirt nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen großes Interesse an eine artgerechten Tierhaltung habe. "Die Verbraucher sind oft zu weit weg von uns", bedauert der Landwirt und Funktionär.

Mehr Verständnis auch für den durch die Biogasproduktion hervorgerufenen Strukturwandel? Wackler stellt sich Veränderungen, doch in diesem Bereich sei manches schlichtweg überzogen worden - mit der Folge, dass die Preise für Getreide extrem angestiegen sind, Pachtpreise abseits jeglicher Vernunft bezahlt werden und die Landschaft teilweise einem einzigen großen Maisfeld gleicht. Freilich könne in diesem Bereich viel Geld verdient werden - da hat er Verständnis für die neuen Strukturen. "Aber nicht um jeden Preis", warnt Wackler vor finanziellen Auswüchsen und einer Zerstörung der Landschaft. Jedem Bauern müsse die Pflege und der Erhalt der intakten und fruchtbaren Natur einen Herzensanliegen sein. Deshalb hat er auch "überhaupt kein Verständnis" dafür, dass auf Ackerböden riesige Freiflächen-Fotovoltaikanlagen errichtet werden.

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