Eric Ritter (17) bringt erstes Buch heraus

Anschleichen muss sich Eric Ritter nicht. Wenn der 17-Jährige im Wald auf Fotosafari geht, kann er sich am Motorenlärm orientieren. Bevorzugte Beute des Forstwirts in Ausbildung: Harvester.

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Sagenhaft, was man im Wald alles entdecken kann, wenn man nur die Augen aufmacht. Der 17-jährige Eric Ritter beispielsweise hat sich in Forstmaschinen verguckt. Jetzt ist ein Buch von ihm erschienen. Das erste.

Den „Königstiger“ jagt er noch. Der Raupenharvester der Firma Impex ist Eric Ritter noch nicht vor die Linse gekommen. Raupenharvester insgesamt scheinen ohnehin eher selten zu sein im Schwäbischen Wald. Erst als sein Buch „Forstmaschinen im Wald“ gedruckt war, konnte Eric Ritter zwei dieser Maschinen in freier Wildbahn beobachten. Ein Königstiger war nicht dabei. Die Firma Impex sitzt in Niederbayern, und im Sommer, wenn Eric Ritter endlich 18 Jahre alt ist und Führerschein und Auto besitzt, will er seinen Radius erweitern, den weiteren Umkreis erkunden und auch mal nach Bayern fahren – die Tage, da der Königstiger unbeobachtet und unfotografiert seine Schneisen durch den Wald frisst, sind so gut wie gezählt.

Zeit vergessen beim zugucken

Das Wort Harvester kommt aus dem Englischen und bedeutet eigentlich Erntemaschine; in Deutschland sagt man Vollernter oder Holzvollernter. Ein Harvester fällt Bäume und entastet sie, manche dieser Maschinen verarbeiten die Äste auch gleichzeitig zu Hackschnitzeln, und wenn man einem solchen Harvester bei der Arbeit zuguckt, dann kann man schon mal die Zeit vergessen. Eric Ritter war noch ein Kind, als er seinen ersten Harvester im Einsatz sah. Fortan ging’s in den Wald zum Harvestergucken. Seine Eltern Diana und Steffen Ritter unterstützten ihn vorbehaltlos und begleiteten ihn auf seinen Ausflügen, vor allem, wenn ein paar Kilometer zu fahren waren – einer von uns ist eigentlich immer dabei, sagt Diana Ritter.

Der aufgeweckte Junge mit der Kamera fiel auf, häufig hielten die Maschinenführer ihren Harvester dann an, um mit ihm zu reden, manchmal durfte er auch mitfahren. Und wie aus einem Kind mit großen Augen ein junger Mann mit großem Fachwissen wurde, das wird nun im Buch „Forstmaschinen im Schwäbischen Wald“ deutlich.

Wenn man im Wald arbeitet, dann weiß man, was solche Maschinen leisten, sagt Eric Ritter, der 2013 bei der Stiftung Hospitalforst zum Heiligen Geist in Schwäbisch Hall eine Ausbildung zum Forstwirt begonnen hat. Wenn er den Forstwirtbrief in der Tasche hat, dann will er einen Harvester bedienen, sagt er. Am liebsten als selbstständiger Unternehmer. Einige Angebote von Lohnunternehmen hat er aber auch schon erhalten.
Ein paar Tausend Fotos habe er bereits gemacht, erzählt Eric Ritter, und zwischenzeitlich auch Kontakte mit einigen Firmen geknüpft. Und er hat Eindruck hinterlassen. Bei der HSM – Hohenloher Spezialmaschinenbau in Neu-Kupfer beispielsweise hat er persönlich vorgesprochen; er sei kaum wieder daheim gewesen, da seien schon die Fotos eingegangen, um die er gebeten habe, berichtet er.

Ersten Buchvertrag in der Tasche

Unter die Buchautoren geriet Eric Ritter, nachdem er zu Weihnachten ein Buch des Podszun-Verlages erhalten hatte. Der Verlag hat sich auf Technik-Darstellungen spezialisiert, ganze Fotobuchserien beschäftigen sich mit Traktoren, Ladewagen, Mähdreschern, Unimogs und Erntemaschinen; besondere Highlights sind DVDs, die solche Geräte im Einsatz zeigen. Selbstbewusst schickte Ritter dem Verlag eine E-Mail und wurde im Gegenzug aufgefordert, eine Konzeption einzureichen. Die kam offenbar an – als Nächstes schickte der Verlag einen Buchvertrag.

„Forstmaschinen im Schwäbischen Wald“ erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit: Eric Ritter zeigt und beschreibt jene Forstmaschinen, die er im Umkreis von etwa 25 Kilometern um sein Elternhaus bei der Arbeit beobachten konnte. Zwölf Hersteller sind in dem Buch versammelt, 35 Maschinenporträts hat Eric Ritter geschrieben und bebildert. Es sind kurze, sehr präzise, oft begeisterte Texte über Harvester und Rückeschlepper, sogenannte Forwarder, die sich an ein Fachpublikum richten und sich daher auch nicht groß mit Begriffserläuterungen aufhalten. Die Aufnahmeorte werden zwar nicht genannt, wer aber erwägt, einen Harvester anzuschaffen, wird hier wesentliche Informationen finden. Alle anderen können Eric Ritters Fotografien bestaunen und für ein Weilchen die Zeit vergessen.

Info Eric Ritter: „Forstmaschinen im Schwäbischen Wald“, 120 Seiten, 190 Abbildungen, 28 x 21 Zentimeter, fester Einband, Podszun Verlag, 24,90 Euro.
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