Er macht Hohenlohe heiterer

Darius Kowalik alias „Koval“ gestaltet den Gemeindestand mit pfiffigen Ideen  – und avanciert jetzt auch zum BDS-Vorsitzenden.

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Hohenlohe statt Hollywood: Der Künstler Darius Kowalik aus Rot am See fühlt sich hierzulande pudelwohl und ist schon längst auch mit dem unheilbaren Muswiesen-Virus infiziert.  Foto: 

Die erste Muswiese seines Lebens stellte Darius Kowalik im Jahr 1989 auf eine wirklich harte Probe: Erst wenige Wochen zuvor war der Künstler nur mit Rucksack, Bleistift, Zeichenbrett und Schlafsack von Polen nach Hohenlohe gekommen. Jetzt saß er mit ein paar Freunden im „Dreispitz“-Zelt. Im Überschwang der Festgefühle beschloss „Koval“, sein bisheriges Abstinenzler-Dasein nun wirklich zu beenden – und bestellte sich ein Bier. Ein hibbeliger Sitznachbar aber war schneller: Er kippte aus Versehen bei einem Tänzchen auf der Bank sein Glas um, und der Gerstensaft verwandelte das Beinkleid des Grafikers sozusagen in eine Badehose.

Eine verständliche Reaktion wäre gewesen, wenn sich Darius Kowalik jetzt mit einem gewissen Grausen nicht nur endgültig vom Bier, sondern auch von der Muswiese und von Hohenlohe verabschiedet hätte. Denn im Land zwischen Kocher und Jagst, wo in Langenburg schon Mutter und Schwester lebten, wollte er eigentlich ohnehin nur ein paar Monate lang etwas Geld verdienen und dann weiter nach Hollywood ziehen.

Es kam aber alles ganz anders: Darius Kowalik, vor 52 Jahren in Stettin geboren und nach einem Kunststudium in Krakau als Kulissenmaler am Theater seiner Heimatstadt tätig, wurde nicht nur mit dem unheilbaren Muswiesen-Virus infiziert, sondern fand auch am hohenlohischen Menschenschlag großen Gefallen.

Und so kommt es, dass „Koval“ heute von seinem Atelier in der einstigen Festhalle von Rot am See aus ganz Hohenlohe heiterer macht – mit pfiffigen Maler­ei-Großprojekten etwa am Wasserturm in Wallhausen oder mit der fröhlichen XXL-Erdbeere für die Familie Blumenstock aus Roßbürg. Ehrensache, dass Darius ­Kowalik auch bei der Gestaltung des Gemeindestandes im Gewerbezelt der Muswiese, die ihm seit 1995 neben der Gestaltung des „Muswiesentalers“ obliegt, zur Hochform aufläuft.

Unvergessen ist zum Beispiel die überdimensionale Fleckvieh-Kuh „Rafaela“, die im Jahr 2009 alle bewundernden Blicke auf sich zog und heute das Gelände der Molkereigenossenschaft in Schrozberg schmückt. Und für das diesjährige Muswiesen-Motto „Derby“ hat sich „Koval“ natürlich auch so einiges einfallen lassen . . .

Kürzlich löste Darius Kowalik den bisherigen Vorsitzenden Manfred Setzer beim Bund der Selbstständigen (BDS) in Rot am See ab. Auch dieser Posten, den er nicht als „One-Man-Show“, sondern als Team-Aufgabe betrachtet, ist für „Koval“ ein Beweis dafür, wie weit man es hierzulande bringen kann: „Auch ich kam als Wirtschaftsflüchtling nach Deutschland, mein Beruf hätte mich damals in Polen nicht ernährt.“ Heute zahlt er Steuern, hat vom Staat nie einen Cent verlangt „und dann sagen 126 Firmen, du sollst unser BDS-Vorsitzender sein – das ist ein gutes Gefühl“.

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