EnBW: 110-Kilovolt-Leitung durch Hohenlohe geplant

In der Region Hohenlohe wird schon jetzt soviel Strom aus erneuerbarer Energie erzeugt, dass die bestehenden Leitungen an der Grenze ihrer Aufnahmekapazität sind. Deshalb will die EnBW ihr Netz ausbauen.

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"Wir sind in einer frühen Phase des Projekts und wollen die Öffentlichkeit bewusst schon jetzt informieren", stellte der Pressesprecher der EnBW regional, Jörg Busse, fest. Grund für den Ausbau des Stromleitungsnetzes ist der Wille der Landesregierung, dass der Strom bis 2020 zu mindestens 38 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern produziert wird. Das Projekt ist gestern in Öhringen bei einer Pressekonferenz vorgestellt worden.

Dieser Strom muss dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird. Die jetzigen Leitungen sind nur für eine tägliche Leistung von 45 Megawatt ausgelegt, sie müssen aber schon jetzt 65 Megawatt aufnehmen. "Das kann dazu führen, dass an sonnigen und windigen Tagen Windanlagen abgeschaltet werden müssen", warnt Frank Reitmajer von der zur EnBW gehörenden Netzgesellschaft Ostwürttemberg.

In der Region ist die Energiewende schon weit fortgeschritten: In der Solarbundesliga sind Rot am See, Blaufelden, Schrozberg und Ilshofen ganz weit vorn und der Landkreis Hall erzeugt schon mehr als 38 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energieträgern. Doch gibt es sowohl bei der Fotovoltaik als auch bei der Windenergie noch kräftiges Zuwachspotential. Nach einer Studie der Technischen Universität Dortmund ist bis 2020 bei der Fotovoltaik in der Region mit einem Zuwachs von rund 230 Megawatt eingespeisten Strom pro Tag zu rechnen.

Mit wesentlich mehr Strom rechnet die Studie bei Windkraftanlagen. Hier geht sie von 450 Megawatt täglich aus. In Summe muss das Netz dann also eine Leistung in der Größenordnung von 600 Megawatt aufnehmen: immerhin so viel, wie ein klassisches Kohlekraftwerk am Tag produziert. Über die neue Hochspannungsleitung soll der Strom in das Umspannwerk Kupferzell und von dort in das überregionale 380 Kilovolt-Netz gelangen.

Die EnBW hat verschiedene Korridore zwischen Rot am See und Kupferzell untersuchen lassen, jeweils für Freileitungen und im Boden verlegte Kabel. Die Freileitung wäre mit rund 10 Millionen Euro gegenüber 40 Millionen Euro für die Kabellösung die deutlich günstigere Variante. Zudem können Freileitungen bis auf über 1000 Kilovolt erweitert werden, Kabel aber nicht.

Mit drei verschiedenen Trassenvarianten will die EnBW in das Genehmigungsverfahren gehen. Eine verläuft von Rot am See nördlich an Langenburg und Gerabronn vorbei nach Kupferzell, eine südliche Variante trifft beim Umspannungswerk Obersteinach auf die bestehende Leitung zwischen Kupferzell und Goldshöfe. Die dritte Alternative wäre zwischen den beiden genannten Trassen gelegen und würde östlich von Jungholzhausen auf die Leitung Kupferzell-Goldshöfe treffen.

Richard Huber, Chef der Hochspannungsleitungsprojekte der EnBW regional, versicherte, die EnBW habe bei der Planung keine Rücksicht auf projektierte Windparks genommen. Auch mögliche Trassen für eine Kabelleitung will das Unternehmen vorlegen, sie rechnet aber nicht damit, dass sie realisierbar sind.

Noch für das erste Halbjahr plant die EnBW regional, die ab Februar Netze BW heißen wird, eine öffentliche Informationsveranstaltung. "Wir wollen die Planung möglichst transparent halten", so PR-Chef Busse. Sollten zwei Trassenvarianten genehmigt werden, werde die Entscheidung selbstverständlich in einer öffentlichen Diskussion gesucht, versprach er. Dann sei auch der Zeitpunkt gekommen, mit Bürgern über einzelne Standorte von Masten, die zwischen 20 und 50 Metern hoch sein sollen, zu sprechen. Zu Wohngebieten wird die Leitung voraussichtlich einen Mindestabstand von 400 Metern einhalten.

Baubeginn ist wegen der langwierigen Genehmigungsverfahren wohl nicht vor Ende 2019. Informationen über das Projekt will der Energiedienstleister laufend im Internet (ab der zweiten Februarwoche unter dem neuen Namen "Netze BW") und in den Zeitungen zur Verfügung stellen.

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