ENBW plant Hochspannungsleitung - und rechnet durchaus mit Widerstand

Hohenlohe liefert jede Menge Strom - und droht darin zu ersaufen. Eine neue Hochspannungsleitung soll den kostbaren "Saft" abtransportieren. Die ENBW rechnet durchaus mit Widerstand gegen ihre Pläne.

|

Nirgendwo in Deutschland wird die Kraft der Sonne und der Biomasse stärker genutzt als in Hohenlohe. Und demnächst dürften hierzulande auch etliche neue Windräder mit ihrem Strom noch zusätzlich in das Netz des Energiekonzerns ENBW drängen.

Die bestehenden Stromleitungen reichen aber schon längst nicht mehr dafür aus, den "Saft" auf sicheren Wegen aus der Provinz zu den Großverbrauchern in die Ballungsräume abfließen zu lassen.

Aus diesem Grund plant die ENBW eine neue 110.000-Volt-Hochspannungsleitung von ihrem Umspannwerk in Kupferzell nach Rot am See (das HT berichtete gestern). Dort soll mitten im "Strom-Land" von Zentralhohenlohe ebenfalls ein Umspannwerk als Einspeisepunkt errichtet werden. Dessen genauer Standort steht allerdings noch nicht fest. Nach ENBW-Angaben soll er "westlich" von Rot am See gelegen sein.

"Das Fass ist voll - ein Tropfen reicht, und es läuft vollends über." So beschreibt Frank Reitmajer, Sprecher der Geschäftsführung bei der Netzgesellschaft Ostwürttemberg der ENBW ODR aus Ellwangen, die angespannte Situation. Das Energiezentrum in Wolpertshausen kennt die präzisen Daten, die dieses Ungemach hervorrufen: Im Jahr 2012 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) speisten allein im Kreis Schwäbisch Hall 10.500 Solaranlagenbesitzer, 93 Biogasbauern, 77 Wasserkraftnutzer und 27 Windmüller imposante 458 Millionen Kilowattstunden Strom in das Netz der ENBW ein - glatt doppelt so viel wie noch im Jahr 2008.

Dass die ENBW mit ihren Plänen für die neue Stromleitung nicht überall auf Verständnis und Gegenliebe stoßen wird, ist dem Energiekonzern durchaus bewusst: "Wir rechnen schon mit Widerstand aus der Bevölkerung", wie Richard Huber, Leiter des Technischen Anlagenmanagements für Hoch- und Mittelspannungsanlagen bei der ENBW Regional AG in Stuttgart, bei der Vorstellung der Trassenpläne in Öhringen frank und frei bekannte. Mit umfassenden Informationen für die Bürger, mit Veröffentlichungen im Internet und einer Telefon-Hotline wolle man zu einer offenen, fairen und sachlichen Debatte über das Projekt beitragen.

Welchen vehementen Proteststurm derlei Hochspannungsmasten auslösen können, erlebte der ENBW-Vorgänger EVS im Jahr 1979, als die Pläne für eine 380.000-Volt-Leitung von Kupferzell nach Goldshöfe bei Aalen publik wurden: Die von der Trasse tangierte Gemeinde Frankenhardt klagte sich bis zum Jahr 1987 durch alle Instanzen, unterlag aber letztlich - ebenso wie acht betroffene Landwirte mit ihren Privatklagen.

Die ENBW nehme "auch jene Menschen ernst, die gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die elektromagnetischen Felder einer solchen Stromleitung befürchten", sagte Richard Huber. Sein Unternehmen jedenfalls werde sich "selbstverständlich an alle gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien halten".

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Stromtrasse durch Hohenlohe

In der Region Hohenlohe wird schon jetzt soviel Strom aus erneuerbarer Energie erzeugt, dass die bestehenden Leitungen an der Grenze ihrer Aufnahmekapazität sind. Deshalb will die EnBW ihr Netz ausbauen.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ministerin: „Der europäische Gedanke wird hier besonders gelebt “

Die baden-württembergische Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann diskutiert am Crailsheimer Lise-Meitner-Gymnasium mit Schüler über Europa. weiter lesen