Empfundene Gesanglichkeit

Um Triosonaten ging es beim Hohenloher Kultursommer auf der Stöckenburg. Das Ensemble La Fantasia spielte Werke von Couperin bis Telemann.

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Judith Freise, Barockvioline, Freek Borstlap, Viola da gamba, Rien Voskuilen, Cembalo, und Monika Kleinle, Traversflöte, spielen auf der Stöckenburg. Foto: snu

Doch, auch ein Werk von Antonio Vivaldi war bei dem vom Veranstalter mit "Bach - Händel - Vivaldi" überschriebenen Konzert dabei. Allerdings handelte es sich um eine besonders dreiste Fälschung. Nicolas Chédeville hatte eigene und fremde Kompositionen unter der Bezeichnung "Il pastor fido" unter Vivaldis Namen als dessen Opus 13 in Paris herausgegeben.

Die sechste Sonate daraus, für Flöte und Basso continuo, hat das Ensemble unter Leitung von Rien Voskuilen für das Konzert am Sonntag ausgewählt. Nach einer eleganten Eröffnung mit einer zu sehr zurückgenommenen verzierten Flötenstimme wirkt der zweite Satz durch Betonungen mitreißend.

Ähnlich entschieden im Ton ist das Finale, dem ein von Monika Kleinle auf der Traversflöte ausdrucksvoll gesanglich vorgetragenes Largo vorausgegangen ist. Energische, aber auch tänzelnde Töne hat zuvor das Schluss-Presto aus Johann Sebastian Bachs G-Dur-Sonate BWV 1039 gebracht. Auch Bachs Werk stammt wahrscheinlich nicht von ihm, sondern von seinem Sohn Carl Philipp Emanuel. Freek Borstlap gelingen auf der Gambe schön aufgewühlte Bassgänge im Vivace-Satz. Lang gehaltene und von Judith Freise vibratoarm gespielte Violintöne treffen im langsamen Satz auf graziöse Flötenklänge.

Prachtvolle Verzierungen im langsamen Teil stellt Rien Voskuilen in der von Händel selbst für das Cembalo bearbeiteten Ouvertüre zur Oper "Radamisto" dramatisch klingenden fugierten Verläufen im schnellen Teil gegenüber. Mit François Couperins "Sonade", eine aus Sonate und Serenade zusammengesetzten Wortschöpfung, klingt der erste Konzertteil im steten Wechsel zwischen ernsten, oft feinsinnig wiedergegebenen und heiteren, meist tänzelnden Tönen aus.

Zwei Triosonaten von Georg Philipp Telemann bilden den zweiten Teil. Sehr empfunden sind die langsamen Sätze der g-Moll-Sonate für Violine, Viola da gamba und Basso continuo. Der Schlusssatz wird zu einem schön ineinandergreifenden imitatorischen Spiel zwischen Violine und Gambe.

1738 sind die "Nouveaux Quatuors" Telemanns in Paris erschienen. Zum spannenden, dramatischen Spiel zwischen Traversflöte und Violine geriet dort das "Prélude", gefolgt von heiter-melancholischem Parlieren der Instrumente. Sanft säuselnd ist in den beiden Melodieinstrumenten der "Gracieusement"-Satz zu hören. Als starker Kontrast dazu wirkt das packende "Il Distrait", um in einen empfunden und ausdrucksstark interpretierten langsamen Satz zu münden. Für den begeisterten Applaus in der fast vollen Kirche gibt es einen Satz aus einem Telemann-Konzert.

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