Eine Wanderung zum eigenen Ich

Pilgern ist in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen. Auch Schriftsteller widmen sich dem Thema: Markus Herb stellte fünf Bücher in der ökumenischen öffentlichen Bücherei in Gerabronn vor.

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Markus Herb stellte in der ökumenischen öffentlichen Bücherei Gerabronn fünf Bücher über das Pilgern vor. Foto: Thorsten Hiller

Menschen haben unterschiedliche Gründe, ihr Zuhause hinter sich zu lassen und sich für einige Zeit auf den Weg zu machen. Mit den Jahrhunderten änderten sich die Motivationen und auch das Risiko, die Wanderschaft, wenn auch gewandelt, aber heil hinter sich zu bringen. Markus Herb gab bei seiner Buchauswahl verschiedene Impulse in Sachen Pilgern.

Im Mittelalter war das Pilgern ein echtes Abenteuer: Gerüchte vom Grab des Apostel Jakobus, das im fernen Spanien wiederentdeckt wurde und den Reisenden Glück oder Erlösung bringen sollte, kursierten. Das weckte die Abenteuerlust einiger Menschen, andere mussten den entbehrungsreichen Weg als Teil einer Strafe absolvieren.

Hermann Multhaupt berichtet von einer Gruppe Männer, die den Weg nach Santiago de Compostella aufnahmen und zur damaligen Zeit ein großes Wagnis eingingen. Ganz nebenbei erzählt der Autor Geschichten rund um den Jakobsweg und führt durch Kirchen. Zusammen mit den Protagonisten entdeckt der Leser die Welt des Mittelalters.

Nicht nur die "Muschelbrüder" kommen zu der Erkenntnis, dass der Weg jeden Wanderer verändert: Auch der Schriftsteller Paulo Coelho lässt die Leser an seinen ganz persönlichen Eindrücken teilhaben: Als noch unbekannter Autor musste er sich zusammen mit einem Lehrer auf die Reise machen, um zu sich selbst zu finden. In seiner bekannten, phantastischen Sprache beschreibt er Erlebnisse während der Exerzitien - von Begegnungen mit Engeln oder Dämonen. Dabei kommt Coelho zu der Erkenntnis, dass jeder Mensch einen eigenen Traum hat, den es zu finden und zu verwirklichen gilt. In der modernen Zeit sei es allerdings schwierig, diesen eigenen Weg zu finden.

Markus Herb ordnet die Bücher ein, erzählt aus deren Umfeld, kommentiert die Erlebnisse der Hauptpersonen. Für einen evangelischen Pfarrer, wie er selbst sagt, sind manche Bilder und Schilderungen neu und ungewohnt, rationell nicht nachvollziehbar, aber immer fesselnd.

Wie beispielsweise die Erzählungen von Shirley MacLaine: Die US-amerikanische Schauspielerin berichtet von ihrer spirituellen Reise in ihre eigene Seele, von der Verbindung zwischen christlichen Glaubensgrundsätzen und Ideen aus asiatischen Religionen. Dabei begegnet sie einem Engel, ihren schon lange toten Eltern oder ihrem früheren Ich aus der Zeit Karls des Großen. Sie schweift ab, und so gerät das Buch eher zu einer Autobiografie als zu einem Reisetagebuch.

Nicht jedes Buch müsse gewichtige Kost beinhalten, sagt Markus Herb. So wie Reisende auf dem Jakobsweg schultern Autoren unterschiedlich schweres Gepäck: Monika Peetz wandert zusammen mit einer Frauengruppe zunächst nach Lourdes und zieht später weiter nach Santiago de Compostela. Sie schildert, wie sich das Leben der etablierten Frauen auf der Strecke ändert.

Aber auch Krimiautoren können dem Pilgern durchaus einen spannenden Roman abtrotzen: Bernd Lohse schildert die Erlebnisse dreier Strafgefangener, die als Rehabilitation zusammen mit einem Pfarrer und einer Psychologin pilgern und sich in der Gruppe zusammenfinden müssen.

Für Markus Herb haben die fünf Bücher eine Gemeinsamkeit: Sie alle verändern Menschen auf dem Weg zu Gott und zu sich selbst - oder mit einer Hauptperson aus einem Buch gesprochen: "Ich denke, dass alles, was uns verändert, Gnade ist."

Die Lesung war auch für Markus Herb ein Weg in seine Vergangenheit: Der ehemalige Gerabronner Pfarrer gab vor zehn Jahren den Anstoß für die Gründung der Bücherei und ist nun Teil der Jubiläumsveranstaltungen, die sich durch das ganze Jahr ziehen. Herb ist Pfarrer in Hochdorf bei Pleidelsheim sowie Männerpfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und hat 2004 mit einer ökumenischen Männergruppe aus Hohenlohe das Pilgern wiederentdeckt. Seitdem sammeln sich auf seinem Schreibtisch Bücher, Karten und Materialien über das spirituelle Wandern.

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