Eine Schwäche für Stein

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Katharinenkirche, Johanniterkirche, Große Treppe - Horst Herzig kennt sie bestens. Der Steinmetz- und Ehrenlandesinnungsmeister hat an vielen alten Haller Gemäuern gearbeitet. Am vergangenen Samstag ist er 75 Jahre alt geworden.

"Schwäbisch Hall war für mich immer was Besonderes", sagt Horst Herzig. Ob Comburg, Urbanskirche, St. Katharina oder Johanniterkirche - Herzig ist ein Kenner der alten Haller Kirchen und Gemäuer. Sein letztes Projekt, an dem er noch aktiv mitarbeitete, war der Umbau des alten Knasts im Kocherquartier zum Bildungshaus, erzählt er. Auch wenn er in Rot am See wohnt, "ich komme jede Woche mal nach Hall". Seine Frau Ingrid, mit der er seit 50 Jahren verheiratet ist, spürt genau, wenn es ihn mal wieder an den Kocher zieht - "gell, Du willsch widdr uff Hall?", frage sie ihn dann.

Mit seiner Arbeit hat der Steinmetzmeister Spuren in Hall hinterlassen - vom Wappenstein am Schiedgraben bis zur Brenz-Büste. Wenn er heute durch die Siederstadt spaziert, schaut er freilich bei manch altem Gebäude genauer hin. "Stein hat mich schon seit der Kindheit fasziniert", sagt Herzig.

Geboren wurde Horst Herzig am 13. Januar 1938 in Stuttgart. Als siebenjähriger Bub kam er mit seiner aus Rot am See gebürtigen Mutter nach Hohenlohe. Auf den Feldern fand er faszinierende Steine, Achat-Steine. Auch auf den Ruinen alter Hohenloher Burgen kletterte der junge Horst Herzig gerne herum.

Von 1953 bis 1956 absolvierte er in Satteldorf beim Traditionsbetrieb Schön und Hippelein eine Steinmetzlehre, schloss mit Auszeichnung ab. Danach ließ er sich an der Steinfachschule in Wunsiedel zum Steintechniker ausbilden. Nach fünf Jahren Gesellenzeit machte er in Bayreuth den Steinmetz- und Steinbildhauermeister.

1963 eröffnete Herzig seine eigene Firma. Basis war der Kunststeinbetrieb seines Onkels in Rot am See. Während in den 50er- und 60er-Jahren gerne ein aus Gesteinsmehl gepresster Kunststein verwendet wurde, war Horst Herzig vor allem am Naturstein interessiert.

In Hall hat er 1979 den Betrieb von Otto Kübler am Waldfriedhof übernommen. Fortan war er in der Siederstadt vielfach aktiv. Projekte wie die Freilegung des Schiedgrabens oder die teilweise Erneuerung der Freitreppe vor St. Michael kommen ihm in den Sinn. Überhaupt die Michaelskirche: 14 Jahre lang betrieb Herzig dort eine Bauhütte - nach dem Vorbild der Dombauhütte des Ulmer Münsters, wo Herzigs Sohn ein Jahr lang gearbeitet hat. Zwei bis fünf Steinmetze haben stets in Herzigs kleiner Dombauhütte geschafft.

Auch für seinen Berufsstand hat sich Horst Herzig vielfach ehrenamtlich eingesetzt: Er war Obermeister der Steinmetz- und Steinbildhauer-Innung Hohenlohe-Unterland, Landesinnungsmeister, zudem vier Jahre lang Vize-Bundesinnungsmeister. Die Liste seines Engagements ist beeindruckend lang - Gemeinderat in Rot am See, stellvertretender Bürgermeister, aktiv beim Bund der Selbstständigen, Vorsitzender des Sportvereins. Für seinen Einsatz erhielt er unter anderem das Bundesverdienstkreuz.

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