Eine Reise in die Romantik

Literarisch-musikalisch hat der Heimat- und Kulturverein Sulzbach-Laufen das Jahr begonnen. Edith Wannags stellte in Schlossschmiedelfeld ihren Roman "Pfauenmagd und Hirtenschuster" vor.

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Die Autorin nahm die Zuhörer mit auf eine literarische Reise in ihre heimatliche Umgebung und ließ sie mit der Liebesgeschichte eines Gänsehirten und einer Bauernmagd in die Zeit der Romantik eintauchen, die für die einfachen Landleute damals alles andere als romantisch war. Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von Posaunen- und steirischen Harmonikaklängen. Zu bekannten Volksliedern stimmten die Besucher sangesfreudig mit ein und selbst die thematische Bewirtung erinnerte an typisch zünftige Vesper zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Peter Kraft, begrüßte die Gäste und wünschte viel Spaß an der Historie aus dem Ländle mit Edith Wannags, die im Kochertal als "Rockröhre" und begnadete Soulsängerin sowie durch ihre Sagengeschichten bekannt ist.

Edith Wannags, die in Algishofen geboren ist und dort lebt, hat sich ganz ihrer Heimat verschrieben. So hatte sie beim Stöbern in Chroniken auch die Geschichte des Gänsehirten aus Neubronn bei Abtsgmünd entdeckt, die auf einer wahren Begebenheit basiert. "Viel Recherchearbeit war nötig", so die Autorin, um daraus die Geschichte der Liebe zwischen Urschel und Steffe, wie sie die Magd und den Gänsehirten in ihrem Roman nennt, zu verfassen.

Ihre Romanfiguren, wie auch die namentlich genannten Bauern und Bürgermeister Ulmer haben wirklich gelebt und so beginnt das Buch mit einem Auszug aus der Neubronner Gemeinderatssitzung vom 23. März 1850, auf der beschlossen wurde, einen Gänsehirten für die 300 Gänse im Dorf einzustellen. Die Wahl fiel auf den Wanderschuster Stefan Greuthuber aus Bayern, der am Jörgentag, dem 23. April 1850, sein Amt antrat und die Gänse mit lautem Geschnatter immer über das Kellerhaus und den Frauenhof (im Roman als Pfauenhof bezeichnet) zur "Gänsebucht" trieb und dort an einem Weiher hütete. Schnell fand er auch seine große Liebe: Urschel, die Großmagd vom Pfauenhof. Welche Widrigkeiten diese Liebe zu überwinden hatte und wie das Leben der beiden Hauptfiguren weiter ging, darauf machte die Autorin in ihren spannend und lustig vorgelesenen Auszügen neugierig und gleichermaßen Appetit auf ihr Buch.

Ihren historischen Roman hat Edith Wannags mit viel Feingefühl zu Papier gebracht. Heiteres Lachen erzeugten unter anderem ihre Erzählungen von damaligen Waschprozeduren, als erst der Bauer, dann seine Familie und dann noch die Mägde und Knechte einen Waschzuber gemeinsam benutzten. Einige Gäste in der Schlosskirche entdeckten sich auch in der Angst vor dem Gang in den dunklen Keller zum Most holen wieder.

Sehr stimmig mit der Handlung beschrieb Edith Wannags die Charaktere, Eigentümlichkeiten und Alltagssorgen ihrer Figuren bis ins Detail. Sie zeichnete mit ihren Worten ein Bild des einstigen Landlebens und der örtlichen Begebenheiten rund um das Dorf Neubronn - beispielsweise den Blick auf die Ostalb-Kette, die Höhenzüge des Kochertals und das Schloss Hohenstadt.

In kleinen Vorlesepausen spielten die Bläser Tobias Nübel sowie Martin und Reinhard Steuer auf ihren Posaunen von der Empore. Und da die Hauptfigur des Romans, der Steffe, damals gerne auf seiner Harmonika vorspielte und sang, schlüpfte Werner Biederstädt aus Sulzbach sozusagen in die Rolle des Gänsehirten und spielte zur musikalischen Unterhaltung und an den betreffenden Stellen im Buch, auf seiner steirischen Harmonika und animierte mit bekannten Volksweisen zum Mitsingen.

Gerne signierte Edith Wannags ihren Roman mit einer persönlichen Widmung. Erschienen ist "Pfauenmagd und Hirtenschuster" im Schwäbisch Gmünder Einhorn-Verlag.

Die begeisterten Zuhörer sind sich sicher, dass diese unterhaltsame Lektüre ein echter Buchtipp ist und alle Leser ansprechen wird, die gerne in vergangenen Zeiten unterwegs sind und in der heimatlichen Geschichte stöbern. Aber vor allem ist es ein Roman mit viel Herz.

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