Eine Frau, die weiß, was sie will

Eine Frau, die wusste, was sie will und die immer noch weiß, was angesagt ist, das ist Rachel Dror. Die mittlerweile 92-jährige Jüdin lebt in Stuttgart. Heute Abend hält sie in der Kirchberger "fabrik" einen Vortrag.

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Die 92-jährige deutsche Jüdin Rachel Dror berichtet heute ab 19.30 Uhr in der Kirchberger "fabrik" über ihr Leben. Foto: Tilman Ehrcke

Dass sie seit 1957 wieder in Deutschland lebt, können viele ihrer Freunde nicht verstehen: 1921 wurde Rachel Dror im damals deutschen Königsberg geboren. Im Gegensatz zu ihren Eltern, die 1944 in Auschwitz ermordet wurden, gelang ihr und ihrem Bruder mit dem letzten Schiff der Exodus nach Palästina, wo sie die Gründung des Staates Israel von Beginn an miterlebte.

Dort wurde sie nicht nur, wie sie sagt, "ein zweites Mal geboren", dort wurde sie auch bekannt als eine der ersten Frauen in der Polizei. In Tel Aviv regelte sie jahrelang den Verkehr. 1957 kehrte sie, weil sie im Nahen Osten das Klima nicht vertrug, mit ihrem Mann in ihr Heimatland Deutschland zurück.

Seitdem widmet sich Rachel Dror, die inzwischen Lehrerin geworden war, dem deutsch-jüdischen Dialog - mit bemerkenswerter Toleranz und Objektivität. Sie betrachtet sich nicht nur als Opfer und die Deutschen nicht allein als Täter - die junge Generation sowieso nicht.

Wenn sie über die nationalsozialistische Verfolgung der Juden spricht, alltägliche Gängeleien und Bedrohungen beschreibt, das Klima der Angst und der schwindenden Hoffnung, dann spricht sie eine klare Sprache. Sie begründet das mit ihrem Elternhaus, in dem stets auf Offenheit Wert gelegt wurde. Heute setzt sie sich für eine angemessene Erinnerung an den Holocaust ein. Mit 92 Jahren geht sie noch immer in Schulklassen, hält Vorträge und führt durch Synagogen.

1996 erhielt sie die Otto-Hirsch-Medaille der Stadt Stuttgart und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Ihr Vorgänger war Stuttgarts OB Manfred Rommel. Für die Landeszentrale für politische Bildung tourt Rachel Dror durch die Lande. Sie ist überzeugt, dass sie als Zeitzeugin geradezu verpflichtet ist, "die Lebensgeschichte zu berichten, damit dies alles in Zukunft nicht noch einmal geschieht". Ihr geht es dabei nicht allein um das Gestern, sondern auch um das Heute und Morgen, um den Umgang mit Minderheiten, mit Vorurteilen und mit der Sprache, die so entlarvend sein kann. "Das Ergebnis sollte nicht nur eine verschwommene Toleranz, sondern eine wirkliche Verständigung, die Akzeptanz des Fremden sein - objektiv und ohne Fundamentalismus.

Rachel Drors Terminkalender ist immer noch voll. "Ich brauche diese Aktivität", hat sie einmal gestanden, "ich bin kein Typ für ältere Menschen." Dass sie ankommt, merkt sie daran, dass es meist mucksmäuschenstill wird, wenn sie berichtet. "Und ich sage immer, was ich denke", ergänzt sie. Dabei gibt sie gern wie nebenbei ihr wertvolles Wissen über das Judentum weiter.

Info Der Vortrag zum Thema "Jüdische Sitten und Gebräuche" beginnt heute um 19.30 Uhr in der "fabrik" in Kirchberg, Birkenstraße 1 a.

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