Ein unternehmerisches Wagnis ganz ohne Wellness

Braucht Hall noch ein Hotel? Über alle Zweifel hat sich das Ehepaar Lutz hinweggesetzt. Sie glauben, dass ihr Hotelkonzept nicht nur in Hall funktioniert, sondern auch anderswo. Jetzt war Spatenstich.

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"Alles Überflüssige bleibt weg", erläutert Sandra Lutz das Konzept des neuen Hotels "Smartino", das hinter der Sparkasse im Solpark entsteht. Was es gibt, sind 38 Zimmer auf zwei Stockwerken, Designer-Möbel, kostenlose Parkplätze direkt am Haus, eine 24-Stunden-Rezeption und Frühstück. Was es nicht gibt, sind Schwimmbad, Sauna und Wellness.

Das brauche ein Geschäftsreisender, der eine Nacht bleibt, sowieso nicht, argumentiert die zukünftige Hotelbetreiberin. Klar sei: Wochenlang seinen Urlaub wird wohl niemand in dem Hotel verbringen.

Bei der Einrichtung achte man auf jedes Detail, ein Design- und Komforterlebnis wird dem Gast versprochen. Über Lobby, Bar, Rezeption und Aufenthaltsbereich hinaus wird aber wenig Zusätzliches geboten. Eine Kombination aus Design- und Budgethotel schwebt der Familie aus Rosengarten vor.

Viel Kopfschütteln habe das Projekt hervorgerufen, verrät die 36-Jährige. Zum einen wurde bemängelt, dass die beiden nicht vom Fach sind. "Das ist aber gar nicht nötig", sagt die gelernte Einzelhandelskauffrau. "Wir kommen von der Seite des Gastes." Und nach den Bedürfnissen der Nutzer sei das Konzept erstellt worden.

"Im letzten Jahr haben wir bestimmt 40 Hotels angeschaut", sagt Sandra Lutz. Es gebe so viele Häuser, bei denen einige gute Voraussetzungen da seien, aber eben nicht alle Details stimmten, meint Sandra Lutz. Daher will sie ihr eigenes Konzept durchsetzen und sich keiner Kette anschließen. Sie ist so überzeugt von dem Konzept, dass sie davon ausgeht, weitere Smartinos zu eröffnen. Erleben die Gäste des Spatenstichs die Geburt einer Hotelkette?

Ein weiterer Kritikpunkt von etablierten Haller Hoteliers lautet: Hall braucht gar kein neues Haus. Das sieht das Ehepaar Lutz ganz anders: "Die Internetseite ist online. Wir haben daher schon ganz viele Anfragen", sagt Sandra Lutz. Einige Firmen, Besucher der Freilichtspiele und sogar ein Brautpaar wollen dort nächtigen oder zumindest einen Platz für ihre Gäste finden.

"Sie kamen und haben uns überzeugt", erinnert sich Halls Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm an ein Treffen. Die Stadtverwaltung unterstützt das Projekt, stellt den Baugrund, wie anderen Existenzgründern auch, in Erbpacht zur Verfügung. 198 000 Übernachtungen gebe es jährlich in Hall. "Das ist eine große Zahl für eine Stadt unserer Größe", so Wilhelm. Vor allem in der günstigen Preisklasse sei der Markt noch nicht abgedeckt, argumentiert sie.

Von der Lage des neuen Hotels ist Wilhelm sofort überzeugt, als sie auf dem Grundstück steht. Es liegt an der Dolanallee zwischen Sparkasse und Autohaus Widmann. Von der Bühlertalstraße wird das Gebäude zu sehen sein. Der Standort ist aber ruhig und hat eine schöne Aussicht.

Wilhelm: "Wir brauchen Leute wie sie, die Unternehmergeist mitbringen." Investiert werden 2,3 Millionen Euro. Überrascht zeigt sich Wilhelm von der Geschwindigkeit: "Hut ab, ein sportlicher Zeitplan." Bis Januar 2013 soll das Bauwerk fertig sein. Dann wird sich zeigen, ob das neue Hotelkonzept aufgeht.

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