Ein Nest für den Osterhasen

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Die Brüder Mario und Jan Offenhäußer (von links) bauen in ihrem Garten ein Nest für den Osterhasen. Der Eingang ist besonders verziert.  Foto: 

Klar, alle Kinder freuen sich aufs Osterfest. Da werden Hasen- und Kükenfiguren im Haus und im Garten aufgestellt, Eier gefärbt, versteckt und gesucht und zum Ende der Fastenzeit jede Menge Süßigkeiten gegessen – vorzugsweise in Hasen-, Küken- und Eiform. Für Kinder, die in Oberspeltach aufwachsen, beginnt die Osterfreude schon eine Woche vor dem kirchlichen Festtag. Seit Generationen schon ist es in dem Dorf der Gemeinde Frankenhardt Brauch, dass am Samstag vor dem Palmsonntag ein Nest für den Osterhasen im Garten gebaut wird.

Obwohl nirgends schriftlich hinterlegt, werden die Osternester stets so gebaut, wie sie schon die Urgroßeltern der Kinder angelegt haben. Und die Ururgroßeltern vielleicht auch schon. So genau weiß das heute keiner mehr. Jan (5) und Mario (3) Offenhäußer zeigen, wie es geht. „Die Stöcke müssen in die Erde“, weiß Jan. Mit dem Hammer klopft er kräftig auf die dünnen Holzscheite, die sein Opa gemacht hat. „Spechtelich“ werden sie hier genannt. Eigentlich benutzt man sie zum Anfeuern.

Die Erde ist trocken und hart, es ist gar nicht so einfach, die Hölzer in den Boden zu schlagen. Die „Spechtelich“ dienen als äußere Begrenzung des Osternests. Der Kreis darf jedoch nicht ganz geschlossen sein, sonst kommt der Hase nicht ins Nest. Jan formt eine Stöckchen-Allee als Eingang. „Da kann der Hase reinkommen“, sagt er. Als Verzierung gibt es noch einen Torbogen aus bunten Ostereiern und Schleifen und selbst bemalte Osteranhänger oben an den Stöckchen. Der Schmuck ist zwar nicht überliefert, aber dafür umso dekorativer. Der Osterhase soll es so schön wie möglich haben.

Im letzten Arbeitsschritt wird das Osternest mit Moos ausgepolstert. Das haben Jan und Mario mit ihrer Mutter Rebecca Offenhäußer zuvor aus dem Wald geholt. Mario legt Schicht auf Schicht und prüft genau, ob es auch schön weich ist.

„Schön sieht das aus, das habt ihr gut gemacht“, lobt Oma Inge Offenhäußer. „Da kommt der Osterhase bestimmt.“ Nun heißt es warten und nachschauen, ob die Kinder in der Nachbarschaft auch ein Osternest gebaut haben – und ob das auch so schön geworden ist wie das Nest in Offenhäußers Vorgarten. Am Palmsonntagmorgen schauen die Kinder noch im Schlafanzug zum Osternest. War der Hase wirklich schon da? Und ob er da war! Er muss sogar mehrmals vorbeigekommen sein – oder er hatte einige Helfer: Im Moos liegen bunte Eier, Schokoladenhasen und selbst gebackene Plätzchen in Karottenform. Jan und Mario strahlen.

Auch die Nester in den Nachbargärten haben sich gefüllt. Das wird im Laufe des Palmsonntags und an den folgenden Tagen bis Ostern noch öfter passieren. Immer wieder finden die Kinder ein buntes Osterei oder eine Süßigkeit in ihrem Nest.

„Das ist wirklich ein schöner Brauch, der die Vorfreude auf Ostern steigert“, meint Inge Offenhäußer. Sie hat ihren Enkeln beim Nestbau geholfen und erinnert sich noch gut daran, wie sie mit ihrem Sohn Marc (33), dem Vater von Jan und Mario, früher Osternester gebaut hat. „Die Freude war auch damals groß. Daran hat sich nichts geändert.“ Schwiegertochter Rebecca gefällt das Geheimnisvolle, das diesem Brauch anhaftet. „Man weiß nie, wer den Kindern etwas ins Nest gelegt hat. Das ist und bleibt eine Überraschung“, sagt die 34-Jährige.

Bis die Oberspeltacher Kinder selber Ostereier färben, die sie am Ostersonntag suchen können, haben sie schon einige bunte Eier aus dem Osternest gegessen. Trotzdem wird kurz vor dem Osterfest noch eifrig gefärbt, bemalt und beklebt. Denn der Osterhase, der die ganze Woche schon im Dorf unterwegs ist, wird auch am Ostersonntag noch einmal kommen – zum letzten Mal in diesem Jahr. So ist es schließlich schon seit Generationen Brauch.

Anlauf steht hier, hier die Erklärung

Das Färben von Eiern ist einer der weit verbreitet­sten Osterbräuche. Der Ursprung ist nicht ganz geklärt. Das Ei gilt in der Kunstgeschichte als Symbol für die Auferstehung. Es steht in vielen Religionen für neues Leben und Wiedergeburt. Bereits im alten Rom und Griechenland wurden zu den Frühlingsfesten Eier verziert. Da Eier während der Fastenzeit nach christlicher Tradition nicht gegessen werden durften, wurden die gelegten Eier gekocht, um sie haltbar zu machen. Am Ostersonntag durften sie dann gegessen werden.

Das Ostereiersuchen wird im 17. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt. Vermutlich ist der Brauch aber schon viel älter und stammt aus der Zeit des Übergangs vom Heidentum zum Christentum.

Den Osterhasen gibt es erst seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Mit der Spielzeug- und Süßigkeitenindustrie setzte er sich im Volksglauben durch. Der Hase steht für Fruchtbarkeit und Neuanfang.

Das Osterlamm ist auf einen Brauch beim jüdischen Pessachfest zurückzuführen, bei dem traditionell ein Lamm geschlachtet wird. In der christlichen Tradition gilt das Lamm als Zeichen des Lebens und der Reinheit.

Das Osterfeuer geht aus einem heidnischen Brauch hervor: Nach dem kalten Winter sollte im Frühling durch das Feuer die Sonne auf die Erde herabgezogen werden, um die Erde wieder zu wärmen. 

Die Osterkerze hat römische, griechische, jüdische und christliche Wurzeln. Das Licht gilt als Zeichen des Lebens. Seit dem 4. Jahrhundert gibt es die Osterkerze im Christentum. Sie steht für Jesus, der über den Tod gesiegt hat. In der Osternacht wird die Osterkerze am geweihten Osterfeuer entzündet und in die dunkle Kirche getragen. hof

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