Ein Mann, geerdet wie das Land

"Dass ich das als Bauernbub alles erleben durfte - das hab ich mir nicht zu träumen gewagt." Willi Mönikheim, auch im Limpurger Land gut bekannt, hat beim Baier-Verlag ein neues Buch veröffentlicht.

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Willi Mönikheim signiert sein neues Buch "Dein Name ist mir wie ein Lied", das soeben im Crailsheimer Baier-Verlag erschienen ist. Foto: Ute Schäfer

Willi Mönikheim ist ein Freund klarer Entscheidungen, klarer Worte und einer klaren Theologie. Und die ist geerdet, wie der ganze Mensch geerdet ist - im Wortsinn. Mönikheim ist Bauer, er hat den Boden geeggt und gepflügt. Auch seine Theologie hat er immer wieder "auf den Boden gebracht" - auf den des Heiligen Landes, nämlich. "Das war mir immer wichtig. Die Städte und Dörfer in Israel mögen sich geändert haben. Aber die Hügel, die Luft und die Hitze sind doch gleich geblieben."

Auch dass er "Mundartpfarrer" geworden ist, hat mit diesen Reisen nach Israel zu tun. Dort war ihm aufgegangen, dass Jesus vom Land kam, dass er von Dorf zu Dorf zog und die Städte mied. Das habe ihn ermutigt, sich auch im Gottesdienst seiner Wurzeln zu besinnen und in Mundart zu predigen. "Natürlich nur da, wo"s passt." Etwa, wo Geschichten auf dem Land spielten oder bei bäuerlichen Gleichnissen.

Beruf und Berufung des Pfarrers war Mönikheim nicht in die Wiege gelegt. Doch Anfang der 70er-Jahre gab es eine Wende im Leben des Landwirts. Mönikheim bewirtschaftete mit knapp 30 Jahren den väterlichen Hof, war verheiratet, Vater zweier Söhne. Eines Tages strich er das Silo neu und fiel von der Leiter. Aus vier Metern Höhe auf Beton. "Ich hätte tot sein können." Im wochenlangen Krankenbett kam er ins Grübeln. Er hatte groß in den Hof investieren wollen. "Die Familie wäre mit einem Haufen Schulden sitzen geblieben." Für Mönikheim war die Entscheidung klar: Er machte sein "Hobby" zum Beruf und studierte Theologie.

Alsbald landete er als Gemeindepfarrer in Gaggstatt. "Das war eine Traumgemeinde. Ich konnte alles ausprobieren. Theaterstücke in der Kirche zeigen. Neue Bands auftreten lassen." Geplante fünf Jahre wurden 20. "Es gab wohl niemanden, der die Gaggstatter Familien besser kannte. In Freud und Leid. Beim Schaffen und Feiern."

Immer, wenn eines "seiner" Kinder getauft wurde, dichtete er ihnen ein Lied. Die Anfangsbuchstaben der Strophen ergaben dabei den Namen des Täuflings. Dabei ging es ihm nie nur um eine flotte Zeile - wenngleich auch das zu Mönikheims Spezialitäten gehört. "Ich wollte dem Kind etwas mitgeben."

Es ist diese zweite Ebene, die zeigt, worum es Mönikheim wirklich geht. Sie macht die Lieder lesens- und singenswert, auch wenn keine Taufe ansteht. Sie zu singen, ist wie eine kleine, musikalische Besinnung. Mönikheim: "Ich will die Menschen befreien und ermutigen." Indem er sie anregt, über den Tellerrand der eigenen Sorgen zu blicken. Indem er sie erkennen lässt, wie schön die Welt ist. Auch eine Taufe beinhalte dieses Wunder. "So etwas kann einen auch in einer Krisensituation aufmuntern." Da sei der Glaube ein Geschenk. "Denn du kannst sicher sein, dass es einen gibt, der dich trägt." Auch davon handeln die vielen Lieder in Mönikheims neuem Buch.

"Ein paar sind ganz schön geworden. Es wäre zu schade, sie im Ordner verstauben zu lassen", sagt er. Mit Siegfried Baier hat er einen Verleger gefunden, der bereit war, sie zu veröffentlichen. "Mit Bauchschmerzen, allerdings", wie Baier bei der Buchvorstellung zugeben muss. "So ein Buch mit Liedern zu Namen gab es nämlich bislang nicht."

Viele Leute allerdings kennen die Lieder schon. Nach den 20 Jahren Gaggstatt suchte Mönikheim nämlich eine neue Herausforderung. "Ich hatte den Leuten alles gesagt, was ich zu sagen hatte." Eine klare Entscheidung wurde gefällt: Mönikheim wurde Landesbauernpfarrer, reiste durch Württemberg, predigte und hielt Vorträge - und tut es heute noch, obwohl er inzwischen im Ruhestand ist. Immer wieder zieht er dabei die Gaggstatter Namenslieder heraus - das von Felix, zum Beispiel (auf die Melodie "Die Vögel wollen Hochzeit halten"): "Für alle Gaben, die wir haben, wollen wir heut da-anken." Oder das von Anton (Tra-ri-ra, der Sommer der ist da): "Auf, ab, auf, so geht des Lebens Lauf." Es sind Volkslieder mit einer christlichen Botschaft.

Doch nicht genug: Nach dem Buch ist für Mönikheim auch vor dem Buch. Als Mundartpfarrer hat Mönikheim im Lauf der Jahre jede Menge Bibelstellen und Liturgietexte ins Hohenlohische übertragen: "Wer weiß, vielleicht gibt das das nächste Buch?"

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