Ein Kampf mit dem Wetter

Die Rapsernte ist im nördlichen Landkreis in vollem Gang. Am Wochenende hatte die LBV- Raiffeissen in Schrozberg Hochbetrieb.

|
Vorherige Inhalte
  • Der Landwirt Thomas Palm aus Heiligenbronn steuert den Rapsvollernter, im Hintergrund fährt sein Sohn Lorenz Palm den Traktor mit einem Anhänger, auf den bei der Ernte die Rapskörner geblasen werden. 1/2
    Der Landwirt Thomas Palm aus Heiligenbronn steuert den Rapsvollernter, im Hintergrund fährt sein Sohn Lorenz Palm den Traktor mit einem Anhänger, auf den bei der Ernte die Rapskörner geblasen werden. Foto: 
  • Lorenz Palm, der ab Herbst Landwirtschaft studiert, überprüft zusammen mit seinem Bruder Leonhard den Vollernter. 2/2
    Lorenz Palm, der ab Herbst Landwirtschaft studiert, überprüft zusammen mit seinem Bruder Leonhard den Vollernter. Foto: 
Nächste Inhalte

Solange die Landwirte anliefern, haben wir geöffnet.“, sagt Stefan Gundel: „Und wenn es bis nachts um 2 Uhr ist.“ So lange ging es am Samstag dann doch nicht beim LBV-Lagerhaus in Schrozberg. Die Witterung spielt auch bei der derzeitigen Rapsernte eine wichtige Rolle.

Thomas Palm betreibt zusammen mit seiner Familie einen Hof in Heiligenbronn mit Puten und Schweinen. Er baut auch Raps an. Wann beginnt die Ernte? Der Orts­termin wird für Montagnachmittag ausgemacht. Am Samstag um 13 Uhr ist es dann aber schon so weit. Thomas Palm hat einige Schoten mit den Händen aufgerieben, den Feuchtigkeitsgehalt der Körner gemessen, war zufrieden und beschloss: „Wir fangen um 14 Uhr an.“ Wir – das sind der Vater und seine Söhne Lorenz und Leonhard. Leonhard wird im September ins Technische Gymnasium nach Crailsheim gehen. Lorenz überlegt noch, ob er die Zusage für einen landwirtschaftlichen Studienplatz in Weihenstephan oder in Hohenheim annimmt.

Verdächtige dunkle Stellen

Mit dem Mähdrescher, der in Maschinengemeinschaft mit einem anderen Landwirt gehalten wird, fährt Lorenz eine Proberunde. Die gedroschenen Körner werden jetzt gemessen: 6,5 Prozent Wasser. Das ist ausgezeichnet. Nach dem Augenschein kann man nicht gehen. Es gibt einige dunkle Stellen auf dem Feld, aber solange die Körner weniger als 9 Prozent Feuchtigkeit aufweisen, kann gedroschen werden.

Thomas Palm besteigt die Kabine des Mähdreschers und startet. Das Schneidwerk hat eine Breite von 4,30 Metern. Sobald die Haspel die abgeschnittenen Pflanzen erfasst, platzen Schoten auf, und die Körner fallen aus.
Eine gut durchschnittliche Ernte erwartet der Landwirt. Das wären ungefähr vier Tonnen pro Hektar. Letzten Herbst war es ziemlich trocken und die Pflanzen haben sich deshalb nicht so gut entwickelt. Sie werden schon in der zweiten Augusthälfte gesät. Das ist vergleichsweise früh. Aber die Wintergerste ist das erste Getreide, das geerntet wird und kann in der Fruchtfolge vor dem Raps stehen.

Der Raps gilt als Bodenverbesserer. Sein ausgeprägtes Wurzelsystem gleicht Bodenverdichtungen aus, schafft Luft in den Boden und die Knöllchenbakterien an den Wurzeln sammeln Stickstoff und düngen. Damit ist für den Winterweizen gesorgt, der ihm im Anbau im Herbst folgt. Die Restpflanzen werden im Mähdrescher kleingehäckselt und als organische Masse in den Boden eingearbeitet. Weder die 21 000 Puten des Vorsitzenden der Puten­erzeugergemeinschaft noch die Muttersauen und Ferkel des Hofes würden die harten, störrigen Stängel fressen. Dabei ist der Raps eine sensible Pflanze. „Und anspruchsvoll im Ackerbau“, sagt  Thomas Palm, der konzentriert seine Runden fährt. Er spricht von Kohlschotenmücken und Rapsglanzkäfern. Tiefe Nachttemperaturen oder Trockenheit in einem frühen Stadium führen zu Wachstumsstockungen. Die Palms machen sich die Mühe, weil sich der Anbau lohnt.

Die Preise für Raps sind im Jahresverlauf sehr stark schwankend, daher werden Teilmengen oft schon viele Monate vor der erwarteten Ernte von den Landwirten zu festen Preisen vorverkauft. Stefan Gundel sagt dazu: „Man könnte jetzt schon die Ernte 2018 verkaufen. In der Regel werden aber von den Landwirten erst Vorverkäufe getätigt, wenn der Winter vorüber ist und man sieht, wie die Rapspflanzen den Winter überstanden haben.“ Der LBV-Abteilungsleiter für Futtermittel sieht die ersten 1 bis 2 Euro je 100 kg des Ankaufspreises regional bestimmt. Der Rest hänge vom Weltmarkt ab. Europa hat einen Importbedarf für Raps.

Die Nachfrage in Deutschland nach Rapsextraktionsschrot und Rapskuchen steigt jährlich. Das sind die Rückstände aus der Ölpressung. Der Rapskuchen ist in der Fütterung eine immer stärker nachgefragte Alternative zu den Sojaschrotimporten, die größtenteils gentechnisch verändert sind. Trotzdem hat die LBV vor einem Jahrzehnt, als der Rapsanbau seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte, noch doppelt so viel Raps wie zurzeit von ihren Landwirten angeliefert bekommen.

Mais verdrängt den Raps

Damals waren die Absatzmöglichkeiten für Rapsöl als nachwachsender Rohstoff im technischen Bereich deutlich besser. Zum Beispiel als Heizstoff für Blockheizkraftwerke oder als Kraftstoff. Durch steuerliche Änderungen wurde diese Nutzung aber uninteressant.

Auch die gestiegene Nachfrage der Biogasanlagen nach Mais hat in den letzten Jahren einen Teil der Rapsanbaufläche verdrängt.             Die Palms fahren, sobald der erste Anhänger mit Körnern vollgeladen ist, nach Schrozberg. Dort werden Feuchtigkeitsgehalt, Fremdbesatz und der Ölgehalt gemessen. Mit durchschnittlichen 40 Prozent hat der Raps eine sehr hohe Ausbeute verglichen mit anderen Ölfrüchten. Es muss nur erst einmal geerntet sein. Und das ist dieses Jahr gar nicht so einfach.

Seit Jahrhunderten wird Raps wegen des hohen Ölgehaltes seiner Samenkörner kultiviert. Die krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 30 bis 150 Zentimetern. Ihre strahlend gelben Blütenstände auf den Feldern gestalten auffallend das Landschaftsbild. Die 5 bis 9 Zentimeter lange Schote enthält zwölf bis zwanzig Samen. Diese dunkelbraunen oder schwärzlichen runden Samen haben einen Durchmesser von 1 bis 3 Millimetern. Der  Anbau ab dem 17. Jahrhundert brach in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark ein, als preiswerte Erdölimporte und importierte Speiseöle auf den Markt kamen.  urs

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gericht: Rassismus auf dem Jakobimarkt

Das Amtsgericht verurteilt einen Ordner wegen ausländerfeindlichen Äußerungen. Der 57-Jährige bestreitet die Vorwürfe. weiter lesen