Ein guter Auftakt

Getrud Kaufmann aus Gröningen backt ihre Brandgrießklößchen jetzt nicht mehr für den Wochenmarkt, aber für die Festtagssuppe zum Familienfest.

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Die „Craalsemer Marktfraa“ Gertrud Kaufmann aus Gröningen backt die Grießbrandklößle für die Festtagssuppe in heißem Fett aus.  Foto: 

Kein Festtag ohne Suppe – das ist im Hause Kaufmann in Gröningen Gesetz. Wenn die ganze Familie an Ostern, zu Weihnachten, zu Taufen oder Konfirmationen zusammenkommt, beginnt das gemeinsame Essen oft mit einer guten Rindfleischbrühe, in der allerlei Köstlichkeiten schwimmen: Markklößchen, Grießbrandklößchen, Grießklößchen und Eierstich. „Da muss man aufpassen,  dass man nach zwei Tellern Suppe nicht schon satt ist und den Hauptgang nicht mehr schafft“, warnt Gertrud Kaufmann und lächelt. Denn das ist bei Familienfesten schon vorgekommen.

Die 81-Jährige rührt noch drei Eier in den Grießteig und prüft die Konsistenz. Der Brandteig soll weich sein, aber nicht zu flüssig. „Ich hab das im Gefühl“, sagt sie und füllt den Teig löffelweise in eine schon fast antike Gebäckspritze aus Metall mit Holzstempel. Mit geübten Handgriffen drückt sie kleine Teigportionen ins heiße Fett. „Jetzt muss man schnell umrühren, denn später lassen sich die Klößchen nicht mehr wenden.“ Zwischendurch wirft Gertrud Kaufmann einen prüfenden Blick in den Backofen. Hier werden die Klößchen aus demselben Teig, die zuvor liebevoll mit der Spritztüte aufs Backblech getupft worden sind, ohne Fett ausgebacken.

Im Topf nebenan garen die Markklößchen, in einem anderen werden Grießklößchen – schön fest, weil Gertrud Kaufmann sie so am liebsten mag – mit einem Löffel in heiße Brühe gegeben. Auf der hinteren Herdplatte köcheln schon seit Stunden ein gutes Stück Rindfleisch und allerlei Suppengemüse vor sich hin. In der ganzen Küche duftet es köstlich.

Rühren, spritzen, kochen und backen gleichzeitig – das ist für die Hausfrau und Landwirtin, die schon als Kind von ihrer Großmutter und später auf der Winterschule in Blaufelden die häuslichen Handgriffe erlernte, kein Problem. Fast zwei Jahrzehnte lang hatte sie einen Stand auf dem Crailsheimer Wochenmarkt, wo sie neben Obst und Gemüse aus dem Garten vor allem Selbstgebackenes oder selbst Eingekochtes verkaufte. Noch heute trauert ihre treue Stammkundschaft ihren Flachswickele, Plunderschneckle und Hefezöpfen nach. Regelmäßig brachte sie auch Suppeneinlagen mit auf den Markt – mit Liebe gemacht und portionsweise verpackt, gerade recht für eine gute Suppe.

Büchlein mit Rezepten

Vom Wochenmarkt hat sich die „Craalsemer Marktfraa“ inzwischen verabschiedet. „Es hat mir viel Freude bereitet, aber es war an der Zeit aufzuhören“, sagt sie. Zum Abschied hinterließ sie ein Büchlein mit Rezepten und Erinnerungen. Die Klößle für die Festtagssuppe sind auch darin zu finden.

„Früher wurde viel mit Grieß gekocht“, erinnert sich Kaufmann. „Ich weiß noch, dass wir im Lagerhaus Fünf-Kilogramm-­Säckle Grieß gekauft haben.“ Vielleicht hat sie deshalb bis heute eine Schwäche für die verschiedenen Grießklößchenvarianten. In die Festtagssuppe gehören sie auf jeden Fall hinein. Kaufmann: „Eine gute Suppe ist immer ein guter Auftakt.“

Aus einem Stück Rindfleisch mit Suppengrün (Sellerie, Lauch, Zwiebeln, Karotte, Knoblauch und einem halben Lorbeerblatt) eine Fleischbrühe kochen. Zwei Stunden köcheln lassen, dann abseihen und abschmecken.

Grießbrandklößle

¼ l Milch, 50 g Butter, 1 Prise Salz, 150 g Hartweizengrieß, 4 Eier, etwas Pfeffer und Muskat. Milch, Butter, Salz und Gewürze zum Kochen bringen. Grieß mit dem Holzlöffel auf einmal einrühren. Der Teig muss fest werden und sich vom Topfboden lösen. Leicht abkühlen lassen. Mit dem Rührgerät nacheinander die Eier einrühren. Mit dem Spritzbeutel etwa 1 cm hohe Tupfer aufs gefettete Backblech spritzen und bei 200 Grad goldbraun backen. Alternativ kann man die Klößle auch in heißem Fett schwimmend ausbacken. Dazu den Teig durch eine Backspritze drücken und mit dem Messer kleine Klößchen direkt ins heiße Fett abschneiden. Während dem Ausbacken stetig umrühren.

Markklößle

100 g Knochenmark, 50 g Butter, 3 Eier, 200 g Weckmehl, Salz, Muskat, Pfeffer, eine fein gehackte Zwiebel, Petersilie, Schnittlauch und Sellerie­grün. Das Mark aus den Rinderknochen lösen, in einer Pfanne schmelzen und noch heiß durch ein feines Metallsieb streichen. Noch warm zusammen mit Butter, Weckmehl und Eiern zu einem Teig kneten. Die fein gehackte Petersilie, etwas Selleriegrün, die fein gehackte Zwiebel und die Gewürze in die Masse einarbeiten. Aus dem Teig Kugeln formen und in köchelnder Brühe 8 bis 10 min ziehen lassen.

Roh gerührte Grießklößle

2 Eier, 100 g Butter, 5 bis 6 gehäufte EL Hartweizengrieß, Salz, Pfeffer, Muskat. Butter, Grieß und Eier mit Muskat und Salz zu einem Teig rühren und 10 min quellen lassen. Mit einem Kaffeelöffel Klößchen abstechen und etwa 5 min in kochender Brühe ziehen lassen. hof

Am Schluss die Klößchen zugeben. hof

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