Ein großes Hallo und ein Abschied

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    Nach dem Transport werden die Rinder von den Landwirten noch einmal geputzt und gewaschen. Schließlich sollen sie bei der Prämierung hübsch aussehen. Foto: 
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    Robert Kraft vom Bauernverband tauft mit Kindergartenkindern das Kalb auf den Namen Berta. Foto: 
  • Eine von rund 34 Schönheiten in Schrozberg. 3/3
    Eine von rund 34 Schönheiten in Schrozberg. Foto: 
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Die Jungviehprämierung, da war sich gestern morgen jeder in Schrozberg einig, ist ein wichtiger Teil des Jacobifests. Es fußt auf einem grundlegenden historischen Element vieler ländlicher Feste: der Viehschau. 34 Tiere wurden gestern von fünf Landwirten auf die Wiese hinter der Sporthalle gebracht.

Dort hatten sich um 8.30 Uhr bereits einige gut gelaunte Zuschauer zum Frühschoppen getroffen. Gleichzeitig trieben die ersten Landwirte bereits ihre Tiere auf und banden sie an den Stangen fest. Mit einem großem Hallo wurde einander begrüßt, ­sowohl die Rinder mit teils lautem Gebrüll als auch die Bauern. Man kennt sich ja bereits seit Jahren.

Eine Frage der Gewöhnung

Einer von ihnen war in diesem  Jahr zum letzten Mal dabei, zumindest als Beschicker: Bernd Hofmann, der schon als kleiner Kerl mit seinem Vater in Schrozberg war, hängt die Viehhaltung an den Nagel. Einmal wollte er noch sein schönstes Jungvieh auftreiben, mit fünf Tieren ging er daher an den Start. „Die Prämierung gehört zum Jacobifest, genauso wie sie zu vielen anderen Festen in der Region gehört“, sagt Hofmann. Und: „Leider stirbt die Tradition zunehmend aus, auf dem Volksfest in Crailsheim ist es eingeschlafen.“ Auch müsse man als Landwirt den Aufwand wollen, denn viele Tiere leben heute im Lauf- und nicht mehr im Anbindestall, sie sind den Gang am Strick schlichtweg nicht gewöhnt.

Um kurz nach 10 Uhr waren alle Landwirte und Tiere dann vor Ort, und Bürgermeisterin ­Jacqueline Förderer eröffnete die Prämierung offiziell. Sie verwies dabei auch auf eine Neuerung: „In Zusammenarbeit mit dem Bauernverband und der Familie Gerlinger können wir dieses Jahr auch ein Programm für die Kleinen anbieten.“ Mit zwei Kälbern sollte den Kindern das Rind als Tier nähergebracht werden.

Es braucht Kraft und Ausdauer

Bei der Prämierung gab es insgesamt sieben Ringe, beginnend mit der Altersklasse ein bis fünf Monate und endend mit der Klasse 33 bis 36 Monate. Gerade bei den jüngeren Tieren war dann auch einiges los auf der Wiese, denn diese hatten vieles im Kopf, nur einen schönen Ring wollten sie nicht laufen. Sportlich ging es daher für die meisten Landwirte zu, denn ein Rind in Bewegung kann man nur mit viel Kraft und Ausdauer bändigen.

Elisabeth und Rudolf Loos beobachteten den Trubel derweil im Schatten mit einiger Wonne. Das Rentner-Ehepaar aus dem Hohenlohekreis war extra wegen der Prämierung angereist. „Wir hatten ja früher selbst einen Hof, und obwohl das schon einige Jahre her ist, wird es einem schon warm ums Herz“, so Elisabeth Loos. „Wenn man einmal Landwirt war, dann bekommt man das nicht mehr aus einem heraus.“

Aber natürlich war das Jacobifest auch für Elisabeth und Rudolf Loos nach der Prämierung nicht vorbei, denn der Umzug und der Krämermarkt lockten.

Alle 34 Stück Fleckvieh wurden gestern mit einem ersten Preis prämiert. Fünf Landwirte brachten ihre Tiere dafür nach Schrozberg. Walter Lober erhielt die meisten Preise: Zusätzlich zu seinen zehn ersten Preisen gewann er den Reservetitel Alt. Acht erste Preise und der Sieger Jung gingen an den Betrieb Gerlinger. Im Stall der Firma Kuppler lebt neben sieben Preisträgern auch das Siegerrind Alt. Bernd Walter gewann auf seiner letzten Viehprämierung in Schrozberg neben fünf ersten Preisen auch den Reservetitel Jung. Beim Unternehmen Balmberger stehen vier erste Sieger im Stall. ng

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Kommentare

26.07.2017 11:41 Uhr

Traurig und beschämend

Ich persönlich habe mich besonders darüber gefreut, dass diese Tradition auszusterben scheint. Wer seinen Tieren solch einen Stress zumutet und sie wie ein Stück Ware begaffen lässt, noch dazu kleine Kälber, der kann darüber ja nur froh sein. Wie einem dabei noch "warm ums Herz" werden kann - das klingt einfach nur daneben. Und Kinder am Beispiel zweier Kälbchen an die Tiere ranzuführen, ist natürlich obenauf grotesk. Verrät man diesen Kinder beim "Kennenlernen" auch, dass Fleisch- und Milchkonsumenten dafür bezahlen, dass sie die Milch trinken, die eigentlich diesem Kälbchen gehört? Und wird ihnen auch erklärt, wie diese Tiere zum größten Teil gehalten werden und dass sie am Ende getötet und geschlachtet werden? Ich halte es lieber wie Tolstoi und inzwischen Millionen anderer Menschen: Tiere essen oder deren Körpersäfte konsumieren ist einfach nur widerlich und schadet obenauf der Gesundheit. Fleisch essen und Milchprodukte konsumieren ist sowas von out;-) Herzlich aus dem Spreewald, Stefanie M.

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21.07.2017 17:57 Uhr

Nicht mehr zeitgemäß!

Erfreulich, dass "viele Tiere heute im Lauf- und nicht mehr im Anbindestall" leben und daher nicht mehr am Strick laufen können, aber das zu bedauern, wie schräg ist das denn! Das Herausputzen und Zurschaustellen der Tiere, um das Ego der Landwirte beim Frühschoppen zu stärken, finde ich daneben und nicht mehr zeitgemäß. Und dann auch noch "mit zwei Kälbern den Kindern das Rind als Tier" näher zu bringen. Man sollte ihnen lieber erzählen, dass die armen Kerlchen sofort nach der Geburt von der Mutter getrennt werden, worunter beide lange leiden. Kinder haben ein natürliches Empfinden und verstehen sofort, was das für ein fühlendes Lebewesen bedeutet.

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