Ein ganz normaler Sonntag

Gedanken zum Sonntag von Ute Armbruster-Stephan, Pastorin der evangelisch-methodistischen Kirche im Bezirk Schwäbisch Hall.

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Wie wärs an diesem Sonntag: einfach mal wieder in die Kirche? Gemeinsam singen, gemeinsam beten, gemeinsam fühlen? Archivfoto: Jens Oellermann

Ostern ist vorbei, Pfingsten, Konfirmationen und Kommunionen ebenso. Kein kirchlicher Feiertag steht auf dem Kalender. Das kirchenjährliche Sommerloch. Die Sieder haben ihr Fest gefeiert, der Haller Frühling ist Geschichte. Worüber also schreiben an einem ganz normalen Sonntag?

Vielleicht ist ja gerade das das Besondere, so ein ganz normaler Sonntag. Den kann man gemütlich beginnen mit dem Sonntagsfrühstück und der Sonntagszeitung. Das Sonntagskleid und die guten Schuhe kommen heute zu Ehren, vielleicht sogar der Hut.

In der Ferne läuten die Glocken. In die Kirche? Warum nicht mal wieder Kirche. Ein ganz anderes Raumgefühl, groß, hoch, ehrwürdig. Die Sonne fällt durch die bunten Scheiben, die Orgel braust über die Köpfe. Orgel? Ja, heute einmal Orgel. Live und laut. Und richtig singen mit der eigenen Stimme, zusammen mit den anderen. Manche Worte klingen fremd und fast wie Kunst, alte Worte von weit her und doch von Nahem betrachtet fast vertraut. Rote Blumen auf dem Altar, einen guten Gedanken hören und ihm in Ruhe nachdenken. Die Kinder sind in der Kinderkirche gut aufgehoben. Dann noch das Abendmahl. Heute ist Abendmahl, und alle sind eingeladen. Es ist alles bereit, schmecket und sehet wie freundlich der Herr ist. Der Kelch schimmert golden, das Brot ein Hauch auf der Zunge. Geheimnis des Glaubens. Gott ist da. Das Vaterunser geht fast automatisch, wird in den Tiefen der Seele verwahrt und verwandelt sich immer wieder in Wort und Rhythmus. Am Ende ein Dankopfer in den Klingelbeutel. Eine Sonntagsgabe für die Kirche. Zurück geht es auf den sonntäglich ruhigen Straßen. Heute muss es nicht schnell gehen. Heute ist Zeit zum Genießen. Vielleicht einen Sonntagsspaziergang oder einen Mittagschlaf? Auf jeden Fall eine sonntägliche Kaffeetafel. Nachmittags um vier. Wo der Tisch mit dem guten Geschirr gedeckt ist. Und ein warmer Apfelkuchen in der Mitte prangt. Mit Sahne natürlich. Spießig? Wenn schon! Mit Freunden oder Nachbarn, Großen und Kleinen zusammen sein, spielen und plaudern, und die Welt dreht sich.

Zum Glück ist der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt, sagt unser Grundgesetz. Und die Bibel sagt: Und so vollendete Gott am siebten Tag seine Werke, die er macht und ruhte am siebenten Tag von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn.

Ob der oder die ein Sonntagskind ist, das so einen ganz normalen Sonntag feiern kann? Sonntagskinder sollen Glückskinder sein. Einen Schutzmantel sollen sie tragen aus Glück, Gelingen und Freude. Vielleicht kann man ja ein Sonntagskind werden, auch wenn man an einem Montag geboren ist. Einfach, weil man den Sonntag mit allen seinen Schätzen liebt.

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