Ein Förster zimmert die "Arche"

Wie ein Schiff auf einem Berg, an dem alle Reizüberflutung verebbt und wo die Stürme des Alltags abflauen - diese Rolle spielt der evangelische Kindergarten "Arche Noah" in Schrozberg seit 100 Jahren.

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Schon recht früh kümmerten sich Schrozberger Honoratioren um die Folgen der industriellen Revolution mit ihrer Fabrikarbeit. Denn bereits anno 1847 dachte man in der Stadt über eine "Kleinkinderschule" nach, wie Pfarrer Georg Leiberich bei seinen profunden Recherchen über den Kindergarten herausgefunden hat.

Aber erst 60 Jahre später nahm die Idee wieder Schwung auf: 1907 barmte Pfarrer Lachenmann, dass "einem das Herz weh tut, wenn man, ohne abhelfen zu können, zusehen muss, wie die Kinder vieler Familien, die durch ihre Berufspflicht abgehalten sind, sich tagsüber denselben zu widmen, sich auf der Straße herumtreiben müssen".

Derlei Gefahren für das Seelenheil der Dreikäsehochs waren in Schrozberg gebannt, als der offenbar sehr wohlhabende Förster Robert Walther seinem Schulfreund, dem neuen Pfarrer Otto Balz, anno 1911 ein generöses Angebot unterbreitete: Er stellte das Forsthaus beim Gasthaus "Linde" als Domizil für die Kinder zur Verfügung, übernahm die Miete für das Gebäude und lieferte im Winter das Holz für die Öfen.

Die Geburtsstunde der "Kinderschule" schlug schließlich am 9. April 1912: Erste "Tante" war die 22-jährige Anna Ziegler, die für ein Salär von jährlich 600 Mark zunächst 35 Buben und Mädchen in ihre Obhut nahm.

Aber schon zehn Jahre später nahm die Erfolgsgeschichte des mittlerweile in das Schulhaus im Neukreut umgezogenen Kindergartens ein jähes Ende: Eine Lehrersgattin mit "verbrauchten Nerven" beklagte sich lauthals über das Gewusel und den Lärm der Kinder - und die Einrichtung wurde im August 1922 tatsächlich sang- und klanglos geschlossen.

Zwölf Jahre später war es Pfarrer Walter Hagen, der die kindergartenlose Zeit in Schrozberg ab 1934 mit einem Raum im Schloss beendete. Nach dem Umzug anno 1937 in das Haus des Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes im Neukreut, das im Jahr 1941 von der evangelischen Kirchengemeinde erworben wurde, folgte die gefährlichste Krise für den Kindergarten (siehe nebenstehender Bericht).

Das Jahr 1968 markiert einen Meilenstein in der Geschichte des Kinderhorts: 370 000 Mark kostete ein Neubau in der Vorbachstraße, der 2002 zum Kostenpunkt von rund 353 000 Euro renoviert wurde. Unter der Leitung von Ute Weigel kümmern sich die Erzieherinnen heute um 50 Kinder in zwei Gruppen - mit einem Auftrag, den Pfarrer Georg Leiberich so formuliert: "Das Evangelium von der Liebe Gottes in Jesus Christus gibt den Kindern eine innere Grundlage fürs Leben, die ihnen keiner je nehmen kann."

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