Ein Fluss liegt trocken

Die Staatsanwaltschaft ermittelte schon 2016. Das Verfahren wurde eingestellt, aber die Pegelabsenkungen kommen weiter vor. Fünf Fälle sind dokumentiert.

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Unsere Geduld ist am Ende“, sagt Markus ­Staiger. Der Vorsitzende des Angelsportvereins (ASV) Honhardt vertritt rund 180 Mitglieder, die sich ehrenamtlich für den Gewässer- und Fischartenschutz einsetzen und viel Zeit investieren. Auch ein Teil der Jagst ist in ihrer Obhut, der zwischen Steinbach und Jagstheim. Dort ist es seit 2016 wiederholt zu Pegelabsenkungen gekommen. Fünf Fälle hat der ASV bereits dokumentiert – und einmal Anzeige erstattet.

Die Staatsanwaltschaft Ellwangen stellte das Verfahren gegen Unbekannt wegen Gewässerverunreinigung im November 2016 ein. „Nach dem Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen konnte eine Ursache beziehungsweise ein Verursacher der Gewässerabsenkung – für die grundsätzlich die Betreiber der Mühlen in Betracht kommen – nicht beweiskräftig festgestellt werden“, hieß es damals zur Begründung.

Seitdem fielen den ASV-Verantwortlichen drei weitere Absenkungen auf, die sie stets bei der Polizei meldeten, zuletzt am 29. April. Zum Beweis schickten sie Fotos mit. Auf einigen ist zu sehen, dass der Pegel 30 bis 40 Zentimeter niedriger ist und dass Flachwasserzonen teilweise im Trockenen liegen. Der betroffene Abschnitt hat eine Länge von knapp zwei Kilometern.

Fischbrut wird zerstört

Staiger kommt sich „wie in der Wüste“ vor und er befürchtet, dass durch das Trockenlegen Laichzonen und Fischbrut zerstört werden sowie Wasser- und Fischnährtiere verenden. Zudem würden geschützte Wasserpflanzen abgeschwemmt und das Ufer zerstört. „Muss erst ein gewässerbiologisches Schadensgutachten erstellt werden?“, fragt er sich. Staiger findet, dass „eine erhebliche Störung“ vorliegt. „Auswirkungen auf die Fischwelt werden erst Jahre später spürbar sein, wenn es zu Ausfällen im Artenvorkommen kommt.“

Vielleicht gibt es schon jetzt Anzeichen, die darauf hindeuten. Bei der Elektrobefischung 2016 kamen zwar Aal und Mühlkoppe zum Vorschein, aber viele andere Fischarten wurden gar nicht erst angetroffen, wie die Angler sagen. „Weil die Flachwasserzonen, die Kinderstuben, immer wieder trockengelegt wurden, somit ganze Jahrgänge nicht überlebt haben“, vermutet Staiger.

Was den ASV stört, ist, dass nichts passiert. „Mehr als enttäuscht“ seien sie von den Behörden, weil es „keinerlei Rückinformation“ gebe. Auf HT-Nachfrage verweist das Regierungspräsidium Stuttgart auf das Landratsamt Schwäbisch Hall, und das verweist auf das Wassergesetz für Baden-Württemberg. Sunk und Schwall seien zu vermeiden, „um eine ausreichende Wasserführung sicherzustellen und ökologische Beeinträchtigungen und Nachteile für Dritte zu vermeiden. Sofern Nachteile entstehen können, liegt eine Ordnungswidrigkeit vor, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann.“

Das Landratsamt betont zudem, dass „verschiedentlich Hinweise“ vorliegen, „dass die Jagst im Bereich von Jagstheim bereits mehrfach einen unnatürlich niedrigen Wasserstand aufgewiesen hat. Derzeit werden durch das Landratsamt und die Polizei die Ursachen hierfür ermittelt, um entsprechende Maßnahmen einleiten zu können.“

Die Polizei soll nach HT-Informationen schon mehrmals vor Ort gewesen sein, auch in Zivil – ohne Erfolg. Bei der Staatsanwaltschaft Ellwangen hieß es in der vergangenen Woche, dass sie „wegen der Absenkung des Jagst-Pegels keine (erneuten) Ermittlungen“ führe.

„Das stinkt zum Himmel“

Wer sich mit Umwelt- und Naturschützern über den Fall unterhält, hört Sätze wie „Das stinkt zum Himmel“ und Wörter wie „Umweltfrevel“. Beim Landesfischerei­verband in Stuttgart ist vom „Störfall Jagst“ die Rede. Und beim ASV Honhardt haben sie verständlicherweise keine Lust mehr, dem fünften Schreiben ein sechstes folgen zu lassen.

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