Ein berührender Rückblick

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Gruppenbild mit Dame: Jeanette Hippelein steht als erste Präsidentin den Crailsheimer Lions vor. Neben ihr stehen die Gründungsmitglieder Hans Georg Gscheidel, Joachim Schülke und Friedrich Markert (von links).  Foto: 

Es waren ergreifende Minuten am Samstag, als drei Gründungsmitglieder des Lions Clubs Crailsheim auf der Bühne standen und von ihren Erlebnissen berichteten. „Ich wachte im Frühjahr 1967 auf und wollte in diesem Jahr noch einen Lions Club gründen“, heißt es bei Hans Georg Gscheidel (80), der aus gesundheitlichen Gründen seine Erinnerungen von Joachim Schülke (83) vorlesen ließ.

Sieben Personen trieben anfangs die Entwicklung des Clubs voran. Schülke selber hatte „einige Vorbehalte gegen die Lions, auch weil sie aus den USA kommen“. Trotzdem nahm er am Gründungstreffen teil, zu dem sich 34 Männer versammelten. Frauen waren nicht als Mitglieder zugelassen – was bis in die 2000er-Jahre Bestand hatte.

Doch in diesem Punkt gibt es einen entscheidenden Unterschied der Crailsheimer zu den anderen Clubs. „Die Ehefrauen waren von Anfang an ein wichtiger Bestandteil“, sagte Friedrich Markert (84), das dritte in der Wallhausener Kulturhalle anwesende Gründungsmitglied. „Dies lag auch an unserem Gründungspräsident Dr. Fritz Ascher. Er war seiner Zeit weit voraus. Bei uns sind die Ehefrauen über den Tod ihres Mannes hinaus Teil des Serviceclubs und können an Veranstaltungen teilnehmen.“ Seit 2012 dürfen auch Frauen Mitglied werden, derzeit leitet mit Jeanette Hippelein die erste Frau die Geschicke der Lions Crailsheim als Präsidentin.

 Das Motto des Galaabends lautet „We serve“. Dazu vermeldete Jeanette Hippelein beeindruckende Zahlen. In den vergangenen fünf Jahren wurden nationale und internationale Projekte im Gesamtvolumen von rund 190 000 Euro unterstützt. In der Region waren dies zum Beispiel das Kinderkrankenhaus in Schwäbisch Hall und der Tafelladen in Crailsheim. Dazu kommen mit „Sight First“ der Kampf gegen die Blindheit in Afrika und Wasserprojekte in Tansania. Diesem Leitmotiv sollte auch der Jubiläumsabend nicht nachstehen.

Viel Beifall von den 300 Gästen

2500 Euro gab es für die Bläserklasse der Crailsheimer Eichendorffschule um ihre Leiterin Sandra Freisinger, welche die Gala umrahmte und dafür viel Beifall der 300 Gäste bekam. Weitere 2500 Euro erhielt die Gemeinde Wallhausen zur Förderung der Jugendarbeit. Insgesamt 5000 Euro gingen an die Hospizgruppen Crailsheim-Satteldorf und Blaufelden.

Auch wenn die Gründung der Crailsheimer Lions – sie waren damals der erste Serviceclub in der Stadt – nun 50 Jahre zurückliegt, die meisten Herausforderungen sind ähnlich geblieben. „Auch 1967 war eine unruhige Zeit“, sagte Uwe Schaffitzel vom Patenclub Schwäbisch Hall. In Deutschland radikalisierte sich die Studentenbewegung, in den USA gingen die Menschen wegen des Vietnamkriegs auf die Straße. Deshalb sei es wichtig, dass die Lions für Kontinuität und Stabilität stehen. „Unsere Verbindung zu Crailsheim ist mitverantwortlich für das Gelingen von We serve.“

Vorstellungsrunde in Hall

Das Gründungsmitglied Schülke erinnerte sich in diesem Zusammenhang schmunzelnd an die erste Vorstellungsrunde der Crailsheimer Lions in der Siederstadt: „Ich reichte jedem in der großen Runde die Hand, bis einer ganz wild gestikulierte. Da habe ich bemerkt, dass bereits meine zweite Runde Händedruck begonnen hatte.“

Manfred Dohmen vom Rotary Club überbrachte stellvertretend für die weiteren Crailsheimer Serviceclubs die Grußworte. Mit einem Augenzwinkern sagte er: „Statistisch gesehen ist Ihr Club jünger als die meisten seiner Mitglieder.“ Das Ziel der Serviceclubs sei aber das gleiche: „Wir wollen gute Dinge tun, denn das strahlt aus.“

Dass die Hilfe ankommt, bestätigte Orchesterleiterin Freisinger: „Wir könnten uns viele Dinge nicht leisten. So kostet zum Beispiel eine Klarinette über 1000 Euro. Zudem stammen einige unserer musizierenden Schüler aus einkommensschwachen Familien.“

Das Mitwirken der Bläserklasse war somit eine Win-win-Situation. Die Lions freuten sich, den Musikernachwuchs zu unterstützen. Und die Jugendlichen gewannen an Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

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