Ein "Wahlaufruf" für die Ablage "P"

Mit einem "Wahlaufruf" versuchen "interessierte Bürger" in Fichtenberg Stimmung zu machen. Das Schreiben wurde am Samstag verteilt. Der oder die Verfasser geben sich nicht zu erkennen.

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Der ominöse Wahlaufruf kam vermutlich mit den Werbeprospekten und -broschüren, die allwöchentlich stapelweise in den Fichtenberger Briefkästen verteilt werden. Da konnte man dann das Schreiben rauskruschteln, das sich an die "Lieben Fichtenbergerinnen und Fichtenberger" richtet und aus der Deckung der Anonymität heraus in bemühter Sachlichkeit hetzt und geifert.

Man brauche keine Gemeinderäte, die nur als "Mehrheitsbeschaffer" dienten "und sich sonst wenig um die Belange der Gemeinde Fichtenberg kümmern", heißt es da. Und: "Wählen Sie jene (. . .), die aktiv am öffentlichen Leben in der Gemeinde teilnehmen und auch tatsächlich in Fichtenberg wohnen." Unnötig der Nachtrag, dass dieser Aufruf weder von der UWV noch von der DWV, also den beiden Gemeinderatslisten getragen werde.

Für solche Nummern wurde ja eigentlich die Ablage "P" wie "Papierkorb" geschaffen: einfach ignorieren. Leider funktioniert das nicht und der oder die Verfasser dürften das auch einkalkuliert haben. Der Wahlaufruf ist Tagesgespräch, die Fichtenberger rätseln, wer sich hinter den "interessierten Bürgern" verbirgt und wen diese Heckenschützen da warum auf dem Kieker haben. Vermutlich gibt es auch keinen, der nicht auf Anhieb einen oder mehrere Zeitgenossen benennen könnte, dem er eine solche Aktion zutrauen würde.

Und so gesehen ist die perfide Rechnung denn auch aufgegangen: Die "interessierten Bürger" haben ihr Gift versprüht und können jetzt zuschauen, wies wirkt. Dass jetzt auch noch die RUNDSCHAU darüber schreibt, wird ihnen noch einen Extrakick verleihen.

Bei Daniela Rieger will das Gift allerdings nicht so recht wirken. Sie wendet sich mit folgendem Leserbrief an die "interessierten Bürger": Sehr geehrte Damen und Herren, mit Ihrem Wahlaufruf sprechen Sie einem Teil der Gemeinderatskandidaten die Fähigkeit ab, dieses Amt ausführen zu können und bezeichnen die entsprechenden Personen als "Mehrheitsbeschaffer im Gremium". Uns Wählerinnen und Wählern sprechen Sie die Fähigkeit ab, eigenständig eine vernünftige Wahl treffen zu können.

Ich bin der Meinung, dass es anständig und fair gewesen wäre, wenn Sie sowohl den Gemeinderatskandidaten als auch der Wählerschaft die Möglichkeit gegeben hätten, über diese "Aktion" mit Ihnen zu diskutieren durch namentliche Unterzeichnung dieses Wahlaufrufs. Dass sich die Kandidatensuche als schwierig erwiesen hatte, war jedem "interessierten Bürger" bekannt, der sich auch nur ansatzweise mit diesem Thema beschäftigt hat. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Wenn Sie so sehr interessiert sind an Fichtenberg, warum hat sich nicht jede(r) einzelne von Ihnen als Kandidat(in) für die Gemeinderatswahl aufstellen lassen? Ich bin überzeugt, die Listenführer wären dankbar gewesen für jede(n), der/die sich freiwillig gemeldet hätte."

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