DRK: Kontrolle wäre möglich gewesen

Neue Erkenntnisse in der Affäre um die gefälschten Statistiken beim Roten Kreuz: Eine interne Kontrolle wäre bereits seit Jahren umsetzbar gewesen. Beim Kreisverband kannte man die Möglichkeiten nicht.

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3. Dezember 2002: Um 22.56 Uhr alarmiert der Disponent in der Haller Leitstelle den Rettungswagen. Notfall in Wielandsweiler. Um 23.08 Uhr sind die Helfer am Einsatzort. Sie brauchen zwölf Minuten. Die gesetzliche Hilfsfrist von 15 Minuten ist eingehalten. 20. Juni 2005: Ein Einsatz in der Sporthalle von Gailenkirchen. Um 10.36 Uhr schickt die Leitstelle einen Rettungswagen los, um 11.05 Uhr ist er vor Ort. Hilfsfrist: 29 Minuten - und damit deutlich zu lang.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Dem Haller Tagblatt liegt ein Datensatz vor, der die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Kreis Hall zwischen Dezember 2002 und heute nahezu lückenlos umfasst. Er beinhaltet rund 100000 Einsätze. Wollte man das Material ausdrucken, bräuchte man Zehntausende DIN-A-4-Seiten.

Die Daten wurden der Zeitung von einer Privatperson überlassen, die die Einsätze des Roten Kreuzes seit Jahren mithilfe eines so genannten Funk-Scanners erfasst. Zwar handelt der Informant rechtlich in einer Grauzone, bringt damit aber die bisherige Argumentation des DRK ins Wanken. Erst durch die Einführung eines elektronischen Kontrollsystems im Jahr 2011 sei ans Licht gekommen, dass der damalige Rettungsdienstleiter die Zahlen seit 2006 geschönt hatte. Eine Möglichkeit, die Statistiken des Abteilungsleiters gegenzuchecken, habe es nicht gegeben, so Rainer Gebhardt, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands, in einer ersten Reaktion nach Bekanntwerden der Affäre. Nun zeigt sich: Mithilfe eines Funkscanners wäre das sehr wohl möglich gewesen. Unter Sanitätern und Feuerwehrleuten ist die Methode bekannt.

Gebhardt sagt, er habe, wie auch Kreisvorstand Ulrich Stückle, von diesen technischen Möglichkeiten erst durch die Recherchen dieser Zeitung erfahren. "Wenn mir das bekannt gewesen wäre, hätte ich so ein Gerät auf dem Schreibtisch", so Gebhardt. Laut Ulrich Stückle habe es keinen Anlass gegeben, dem langjährigen leitenden Angestellten zu misstrauen. Auf Unzulänglichkeiten hinzuweisen, wäre dessen Pflicht gewesen.

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