Dringender Handlungsbedarf: Pläne zur Restaurierung des Sophienbergs nötig

Die Geschichte vom Entstehen bis zum Zerfall des Kirchberger Landschaftsparks Sophienberg behandelte der reich illustrierte Vortrag von Museumsleiterin Grete Gonser im Sandelschen Museum.

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Das "Rindenhäuschen" ist eines der wenigen noch erhaltenen Baudenkmale auf dem Sophienberg gegenüber dem Schloss. Foto: Hartmut Volk

Den Anlass für den von Volkshochschule und Museums- und Kulturverein (MKV) organisierten Vortrag gab das neue Projekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) Osnabrück zum Erhalt historischer Parkwälder. Mit den zur Verfügung gestellten Geldern soll die Uni Freiburg einen "praxisorientierten Leitfaden zum Schutz des kulturellen Erbes" entwickeln. Dabei sollen Aspekte des Denkmalschutzes wie des Naturschutzes berücksichtigt werden, um Leitlinien für eine behutsame Erweckung des inzwischen weitgehend verwilderten und verfallenen Parkes aus seinem Dornröschenschlaf zu formulieren.

Mit einer Bilderreihe der Historikerin Karin Wohlschlegel präsentierte Grete Gonser einen Überblick über den heutigen Zustand des ehemaligen fürstlichen Lustgartens. In den 1780er-Jahren fing Fürst Christian Friedrich Karl an, gezielt die damals in Mode gekommenen englischen Parkanlagen zu besuchen. Der streng geometrischen Formen des Barocks, wie sie im Hofgarten vorherrschen, war man allmählich überdrüssig. Der Trend ging "zurück zur Natur" à la Rousseau. "Der Fürst suchte jetzt nach neuen Ideen", erläuterte Gonser.

Die Inspirationen von seinen Reisen konnte Christian Friedrich Karl direkt in Sichtweite seines Schlosses umsetzen. Er musste dafür nicht extra einen künstlichen Berg anlegen, wie er es im Schönbusch bei Aschaffenburg und in Wilhelmsbad bei Hanau gesehen hatte, sondern wählte den Umlaufberg im Jagsttal für die Umsetzung seiner Gestaltungsideen. Der Gründungsstein mit der Aufschrift "Und es ward Garten 1783" ist bis heute erhalten.

Über 20 Jahre widmete sich der Fürst mit großer Hingabe der Gartengestaltung auf dem "Altenberg", wie der bewaldete Hügel hieß, bevor der Regent ihn 1790 entweder zu Ehren seiner Schwester Friederike Sophie oder seiner Frau Philippine Sophie, oder aber nach beiden Damen seines Hofes umtaufte.

Nach auswärtigen Vorbildern ließ er von seinen Kirchberger Handwerkern peu à peu romantisierte Bauwerke errichten: Das Plateau zierte ein steinernes Labyrinth und ein mit Rinde verkleidetes Aussichtstürmchen als "Belvedere" (schöne Aussicht) aufs gegenüberliegende Schloss, das bis heute erhalten ist. An den mit einem reich verzweigten Wegenetz versehenen Hängen standen Gebäude wie eine strohbedeckte Einsiedelei, von der längst nur noch die steinerne Rückwand zeugt, das ebenfalls komplett verfallene Stein- oder "Schelfenhaus" und ein gotisches Teehaus, von dem nur noch das untere Stockwerk vorhanden ist. Steinplastiken wie eine Sonnenuhr, antike Säulen und Ziervasen, ein "Denkaltar" und eine Pan-Figur ergänzten das vorherrschende Ideal eines "begehbaren Landschaftsgemäldes", in dem Natur und Kunst sich durchdringen. Zur Blütezeit des Sophienberges herrschte ein reges sommerliches Leben im Park: Die sechsköpfige Fürstenfamilie und ihre Verwandtschaft am Hofe genossen es, dort zu picknicken und Feste und Geburtstage zu feiern. Nach Berichten des Kirchberger Chronisten Ernst Melber dienten die lauschigen Plätze auch heimlichen amourösen Affären - eine Prinzessin hätte sich einstmals in einen Bürgerlichen verliebt und sich heimlich im Teehaus mit ihm getroffen, hieß es.

Mit dem Aussterben der Linie Hohenlohe-Kirchberg 1861 erlosch das fürstliche Treiben auf dem Sophienberg, und die Pflege der Anlagen unterblieb seitdem. Mit der Folge, dass "der Wald alles wieder mit seinem grünen Schleier zudeckt" und "alte Mauern einfallen ohne Lärm und Laut", wie Grete Gonser den Kirchberger Heimatdichter Harro Schaeff-Scheeven zitierte, der am Fuße des Sophienberges sein "Sommerhaus" bewohnte.

Pläne zur Restaurierung des mittlerweile städtischen Parks gab es bislang einige. Allein die Mittel für die Umsetzung waren nicht aufzutreiben. Damit wenigstens die letzten steinernen Überreste vor dem Zerfall bewahrt bleiben, herrsche dringender Handlungsbedarf, betonte MKV-Vorsitzender Friedrich König.

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