Dreschen: Am besten vor Gewitter

Die Getreideernte läuft auf Hochtouren. Nachdem der Regen zu Wochenbeginn den Mähdreschern eine Zwangspause beschert hat, rattern sie nun wieder über die Getreidefelder.

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  • Manfred Binder sitzt am Steuer seines Fahrzeugs, mit dem er bei Eltershofen Raps drischt. Trotz des langen Winters und des nass-kalten Frühjahrs hat die Ernte in diesem Jahr nur eine Woche später als üblich begonnen. Foto: Marc Weigert 1/2
    Manfred Binder sitzt am Steuer seines Fahrzeugs, mit dem er bei Eltershofen Raps drischt. Trotz des langen Winters und des nass-kalten Frühjahrs hat die Ernte in diesem Jahr nur eine Woche später als üblich begonnen. Foto: Marc Weigert
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Nur etwa eine Woche später als üblich hat diesen Sommer die Getreideernte begonnen. Mitte Juni war das nicht vorauszusehen - nach dem langen Winter und dem nass-kalten Frühjahr rechneten viele mit einem deutlicheren Verzug. Doch die Hitzewelle im Juli hat das Getreide in kurzer Zeit abreifen lassen.

Karl-Heinz Horlacher (47), Vollerwerbslandwirt und Lohndreschunternehmer aus Untermünkheim-Schönenberg, kennt in diesen Wochen keinen Feierabend: Er koordiniert den Einsatz seiner sechs Mähdrescher, die in der Region Getreide, Raps und Hülsenfrüchte ernten. Manchmal muss er auch selbst in die klimatisierte Kabine eines Mähdreschers sitzen, denn "es ist schwierig, für die paar Tage jemand zu finden, der Spaß hat an dem stressigen Job und ihn beherrscht".

Das Schwierige beim Dreschen: Der Fahrer muss nicht nur die Maschine bedienen können (Horlacher: "Das können Sie in einem Jahr"), sondern er muss das Gerät entsprechend der jeweiligen Gegebenheiten einstellen können. Wenn beispielsweise wie in diesem Jahr die Gerste bei noch grünem Halm gedroschen wird, und das Korn nur schlecht aus den Spelzen fällt, muss der Fahrer die Geschwindigkeit anpassen. "Man braucht Erfahrungswerte, es hängt vom Reifegrad ab, von der Witterung", sagt Horlacher, "manchmal ist es von Feld zu Feld unterschiedlich, morgens ist es anders als mittags oder nachts." Wie lange der Arbeitstag während der Haupterntezeit ist, möchte Horlacher gar nicht beziffern - da wird gerackert, so lange die Konzentration des Fahrers hält, schließlich sollen sich die Maschinen amortisieren. Und schließlich will jeder Bauer sein Getreide trocken einlagern. Kurios: Gerade in den Stunden, bevor ein Gewitter losdonnert, sind die Erntebedingungen besonders gut, "dann gibts keinen Tau".

Karl-Heinz Horlacher hat seine eigene Getreideernte noch nicht eingebracht. Er hat vor allem Weizen stehen, dieser ist noch nicht reif. Weitgehend gedroschen ist in der Region die Wintergerste. Und Raps ist zu gut einem Drittel geerntet, berichtet Kurt Färber, stellvertretender Geschäftsführer der BAG Hohenlohe-Ostalb. In den kommenden beiden Wochen werden Weizen und Tritikale (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen) gedroschen, so das Wetter weiter stabil bleibt. Mit durchschnittlich sechs bis acht Tonnen Wintergerste pro Hektar sei der Ertrag im mittleren Bereich, sagt Färber, die Qualität sei okay. "Das heiße Wetter hat der Wintergerste nicht geschadet", stellt Färber fest. Ob das auch für den Weizen gilt, sei noch offen. Möglich sei, dass die Hitze zu einer Notreife führt.

Die Preise indes - das steht schon jetzt fest - werden für die Getreidebauern schlechter ausfallen als im Vorjahr. 2012 gab es nicht nur den Brachfrost in Hohenlohe, der zu hohen Ernteausfällen geführt hatte und den Preis steigen ließ, auch in anderen Anbaugebieten der Welt gab es geringere Erträge. Dagegen steht das Getreide in West- und Osteuropa und in den USA dieses Jahr sehr gut auf den Feldern.

Färber: "Die Preise sind unter Druck." Konkret: Betrug der Preis für 100 Kilogramm Gerste im vergangenen Jahr noch um die 20 Euro, liege der Preis derzeit um die 15 Euro, sagt Werner Balbach, stellvertretender Leiter des Landwirtschaftsamtes. Der gesunkene Preis bedeute Einbußen für die Getreidebauern; indes können beispielsweise Veredelungsbetriebe, die Viehfutter zukaufen müssen, auf sinkende Futterpreise hoffen. Kurt Färber: "Welchen Preis die Landwirte ausbezahlt bekommen, kann heute noch nicht festgelegt werden." Er hoffe, dass sich im Laufe des Herbstes die Preise stabilisieren. Entscheidend sei, welche Mengen in Europa gedroschen werden.

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