Dieb bekommt Chance zur Drogentherapie

Das Haller Amtsgericht hat einen 26-jährigen Dieb zu zwei Jahren Haft verurteilt. Der schlanke sportliche Mann suchte zwei Wohnhäuser heim.

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Dieser Angeklagte entspricht äußerlich nicht dem Klischee eines Diebes. Der hochgewachsene schmale Mann wirkt gepflegt und sportlich. Er kann flüssig formulieren und weicht keiner Frage aus. Aber die Verhandlung vor dem Haller Schöffengericht offenbart: Er hat als Crack-Konsument ein Drogenproblem, und er hat eine mehrjährige Vorstrafe wegen gemeinschaftlichen Raubes und Erpressung. Seine Diebestour beginnt Ende Juni 2012. In einer Haller Kleingartenanlage sucht er nach Geld, findet wenig.

In der Nacht zum 8. August steigt er in der Bühlertalstraße auf eine Mülltonne und will in eine Tankstelle einbrechen. Als der Bewegungsmelder aufleuchtet, läuft er weg. Noch in derselben Nacht dringt er über einen Keller-Lichtschacht in ein Hessentaler Wohnhaus ein. Die Bewohner schlafen. Dass er sich ausgerechnet in dem Haus eines Polizeibeamten befindet, bemerkt er erst, als er dessen Dienstausweis findet.

Am 24. August sieht er beim Hotel Kronprinz gegen halb zwei Uhr nachts, wie oben ein Zimmerfenster offensteht. Er klettert hoch und überrascht einen schlafenden Gast. Er greift ein I-Phone, einen Geldbeutel, eine Dokumentenmappe und flieht - doch der aufgeschreckte Hotelgast setzt ihm nach. Der Dieb lässt seine Beute fallen und kann entkommen.

11. September: Halsbrecherisch ist sein Einbruch in die Zahnarztpraxis Löhlein am Spitalbach - über das Dach erreicht er eine Gaube und drückt das Fenster ein. In Kassetten findet er an die 1000 Euro Bargeld. Er sei "einfach die Dachrinne hoch", beschreibt der Angeklagte seinen Weg zur Gaube. "Das ist fast lebensgefährlich in der Höhe!", hält ihm der Vorsitzende Richter Dr. Wolfgang Amendt vor. Der Angeklagte aber verweist auf seinen Konsum von Crack.

Im September schleicht er nachts in ein weiteres Haller Wohnhaus. Er nutzt eine hoch gelegene, offene Terrassentür. Er geht leise an einer schlafenden Bewohnerin vorbei und findet an anderer Stelle eine wertvolle Münzsammlung. Die Gold- und Silbermünzen verscherbelt er schnell. Die restliche Sammlung braucht er nicht: "Ich hab die Münzen, die nicht wertvoll aussahen, in den gelben Sack geschmissen!"

In seltener Offenheit schildert der 26-Jährige vor dem Schöffengericht seine Taten. Er hofft auf eine Drogentherapie. Sein Bemühen wirkt ehrlich. Das Urteil lautet auf zwei Jahre Gefängnis. Schon im März kann der Mann aus der Haft heraus die geplante stationäre Drogentherapie antreten.

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