Die spezielle Flüchtlings-Welle

Das Thema Flüchtlinge bewegt die Gemeinde Fichtenau. Das ist auf der Bürgerversammlung in Matzenbach mehr als deutlich geworden. Die Hilfsbereitschaft ist groß, doch es gibt auch ein kurioses Problem.

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Rund 200 Menschen sind an diesem Donnerstagabend in die Turn- und Festhalle nach Matzenbach gekommen, nicht alle haben einen Sitzplatz gefunden. Sogar das Fernsehen ist da, "ein Novum einer Bürgerversammlung in Fichtenau", stellt Bürgermeister Martin Piott fest. Das beherrschende Thema ist die Unterbringung von Flüchtlingen in Buckenweiler, aus aktuellem Anlass ist es an den Anfang der Tagesordnung gerutscht.

In dem kleinen Ort mit 66 Einwohnern gilt es, 57 Flüchtlinge aus Syrien, Mazedonien, Bosnien, Serbien, Togo und Nigeria zu integrieren, die in einem ehemaligen Gasthaus untergekommen sind, in dem der Landkreis Schwäbisch Hall sieben Wohnungen angemietet hat.

Piott fühlt sich ein wenig "vom Thema überrollt" und "vor vollendete Tatsachen gestellt" und ist damit wohl nicht der Einzige in der Gemeinde. Der Bürgermeister ist zwar der Meinung, dass Buckenweiler am Rande des Landkreises und mit der schlechten Infrastruktur "nicht der geeignete Ort" sei, aber jetzt ginge es darum, die Flüchtlinge zu integrieren. Piott ist "guter Dinge, dass es gelingt", dies habe die Vergangenheit auch schon gezeigt. Was ihn optimistisch stimmt, sei die "Welle der Hilfsbereitschaft".

Die Bürger wiederum sprechen von "Herausforderung", wollen selbige annehmen. Viele haben schon geholfen mit Kleidung, Näh-, Strick- und Spielzeug, Einrichtungsgegenständen sowie kleinen Fahrdiensten zum Supermarkt nach Unterdeufstetten. Einige bieten sogar während der Bürgerversammlung ihre Hilfe an, ganz spontan wird ein Kinderwagen vermittelt. Doch eines wird auch deutlich: Die Hilfe muss koordiniert werden, damit sie den oder die Richtigen erreicht.

Es gibt noch ein Problem. Flüchtlinge dürfen nicht ohne vorherige Genehmigung das Bundesland verlassen, aber das ist in Buckenweiler ja schnell der Fall, da reicht schon ein kleiner Spaziergang. 360 Meter sind es von der Haustür der Flüchtlingsunterkunft bis zur Landesgrenze bei Oberhard. "Grundsätzlich dürfen die Flüchtlinge nicht nach Bayern", sagt Martina Steinecke vom Amt für Migration des Landkreises. Dafür gibt es Gelächter aus der Runde, weil diese Regelung natürlich nicht nur der Lebenswirklichkeit derjenigen widerspricht, die östlich der A 7 wohnen.

Steinecke ist zusammen mit ihrer Kollegin Corinna Zahlmann nach Matzenbach gekommen, um Fragen zu beantworten, Fragen wie diese: Ist denn weiterer Wohnraum für Flüchtlinge in Fichtenau geplant? "Wir sind froh über alles, was uns angeboten wird, auch in Fichtenau", sagt Steinecke. Derzeit müsse der Landkreis Schwäbisch Hall 70 Flüchtlinge im Monat unterbringen. Nicht ausgeschlossen also, dass mehr Flüchtlinge nach Fichtenau kommen.

Die Hoffnung auf eine schnelle und unkomplizierte Lösung für spontane Touren ins benachbarte Bayern, die am Donnerstagabend noch die Runde machte, dürfte sich allerdings erledigt haben. "Wenn jemand die Grenze überschreitet, begeht er einen Verstoß", betont Günter Loos vom Landesinnenministerium, das für Residenzpflicht zuständig ist. Und das werde leider auch so bleiben, bis der Asylkompromiss komme, so der Sprecher weiter. Anders wäre es, wenn es einen bilateralen Vertrag zwischen Baden-Württemberg und Bayern gäbe, doch das sei nicht der Fall.

Hilfe für die Flüchtlinge in Fichtenau, aber wie?

Wer den Flüchtlingen helfen will, meldet sich am besten bei Roswitha Dasch im Rathaus in Fichtenau, Zimmer 1.1. Dort liegt eine Liste aus, in die Hilfsangebote eingetragen werden können. Was die Flüchtlinge eher weniger gebrauchen können, ist Kleidung. Zudem hat sich, um Informationen zu sammeln und die Hilfe zu koordinieren, ein Runder Tisch gegründet, dem Vertreter der Gemeinde und der Kirchen angehören. Dessen nächste Sitzung findet am Donnerstag, 4. Dezember, um 19 Uhr im Kindergarten in Unterdeufstetten statt. Jeder, der sich einbringen möchte, egal ob materiell oder ideell, ist dazu eingeladen. js

SWP

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