Die Sehnsucht nach einem Supermarkt: Bürgermeister Strobel kämpft seit Jahren für Ansiedlung

Die Gemeinde Stimpfach ist eine Gemeinde ohne Supermarkt, doch das könnte sich bald wieder ändern. Die Frage, die sich jetzt noch stellt, ist die nach dem Standort.

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  • Ein Netto für Stimpfach? "Im Moment laufen wieder Verhandlungen. Ich hoffe, dass wir diesmal zu einer guten Lösung kommen", so sagt es Bürgermeister Matthias Strobel. 1/3
    Ein Netto für Stimpfach? "Im Moment laufen wieder Verhandlungen. Ich hoffe, dass wir diesmal zu einer guten Lösung kommen", so sagt es Bürgermeister Matthias Strobel. Foto: 
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    Der Penny-Markt der Nachbargemeinde Fichtenau schließt Ende des Jahres seine Türen in Unterdeufstetten und zieht dafür nach Wildenstein.
  • Lückenschluss zwischen Ellwangen und Crailsheim: Ein typisches Bild der Nahversorgung, wie es sie auch bald in Stimpfach geben könnte. 3/3
    Lückenschluss zwischen Ellwangen und Crailsheim: Ein typisches Bild der Nahversorgung, wie es sie auch bald in Stimpfach geben könnte. Foto: 
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Einkaufen, Arzt, DSL - das ist das, was bei der Wahl eines Bauplatzes wirklich zählt. Diese Erfahrung hat jedenfalls Matthias Strobel, Bürgermeister der Gemeinde Stimpfach, gemacht. "Schule ist nicht mehr so wichtig", sagt er. Mit anderen Worten: Die Menschen hätten mittlerweile akzeptiert, dass längere Wege in diesem Punkt einfach unausweichlich sind. Was die medizinische Versorgung angeht, sieht es gut aus. "Zwei Ärzte, ein Zahnarzt, ein Tierarzt, ein Physiotherapeut" - Strobel kann das alles herbeten wie ein Mantra. Auch in Sachen DSL ist Stimpfach mit der Nachbargemeinde Fichtenau auf einem guten Weg, Stichwort interkommunale Zusammenarbeit. Die Betreibersuche läuft, heißt es. Bleibt also das Einkaufen.

Supermarkt als Krönung der ersten Amtszeit

Wer mit älteren Bürgern in der Gemeinde Stimpfach übers Einkaufen ins Gespräch kommt, hört immer wieder vom Spar-Markt Baumann, doch den gibt es nicht mehr. Die guten alten Zeiten halt, doch sie werden natürlich auch ein bisschen verklärt. Heute gibt es immerhin noch Metzger, Bäcker, Postfiliale, Apotheke, Bank und Getränkeladen. Einen Supermarkt sucht man vergebens, aber das könnte sich bald wieder ändern. Bürgermeister Strobel (39) hat sich bei seinem Amtsantritt 2008 auf die Fahnen geschrieben, für einen zu sorgen. Es wäre, wenn man so will, die Krönung seiner ersten Amtszeit, der er bei der Wahl im November dieses Jahres gerne eine zweite hinzufügen würde. "Es ist ein großes Thema, das ich leider noch nicht lösen konnte", sagte Strobel im vergangenen Jahr zum Thema Supermarkt. Heute gibt er zu, dass er es sich einfacher vorgestellt hätte. "Die Herausforderung besteht darin, die Quadratur des Kreises zu finden."

Für den Interessenten kommt lediglich ein strategisch günstiger Standort zwischen Randenweiler und Steinbach/Jagst an der Bundesstraße 290 infrage. "Vorteil Bundesstraße", so klingt das bei Strobel. "Zwischen Ellwangen und Crailsheim gibt es eine gewisse Lücke." Das Problem ist: Diese Lücke liegt in der sogenannten Grünzäsur des Regionalplans, die wiederum soll verhindern, dass Ortsteile zusammenwachsen. Zudem dienen die Jagstauen als Frischluftschneise für Crailsheim und dürfen auf einer Breite von 400 Metern nicht bebaut werden.

Die Verhandlungen laufen

Dass es sich bei dem Interessenten um die Netto Marken-Discount AG & Co. KG handelt, daraus macht Strobel kein Geheimnis. Die Firma selber möchte nicht ins Detail gehen. "Gerne bestätigen wir ein grundsätzliches Interesse", heißt es da aus der Zentrale in Maxhütte-Haidhof bei Regensburg. "Bitte haben Sie jedoch Verständnis, dass wir derzeit noch keine weiteren Informationen kommunizieren können." Strobel verrät da schon etwas mehr. "Im Moment laufen wieder Verhandlungen", sagt er. "Ich hoffe, dass wir diesmal zu einer guten Lösung kommen." Mehr ist ihm nicht zu entlocken. In Stimpfach scheinen sie einer Lösung für das Problem der Quadratur des Kreises zumindest sehr nahe gekommen zu sein.

Dass der Weg bis zu diesen Verhandlungen für Strobel "ein ziemlich langer" war, kann Sascha Weisser nur bestätigen. Beim Regionalverband Heilbronn-Franken ist er unter anderem für den Einzelhandel zuständig. Weisser unterstützt Gemeinden und versucht, wenn möglich, deren Sehnsucht nach einem Supermarkt zu erfüllen. "Herr Strobel", so sagt es Herr Weisser, "hat zu Recht den Wunsch für Stimpfach, die Nahversorgung im Lebensmittelbereich zu sichern." Der Mann vom Regionalverband begleitet und bewertet Gutachten, die eine große Rolle spielen. Wichtigste Frage dabei: Wo kommt der Umsatz her?

Auf der Suche nach der Antwort schaut der Verband natürlich auch über die Gemeindegrenzen hinaus. Zum Beispiel ins benachbarte Frankenhardt. Ein Anruf beim dortigen Bürgermeister Jörg Schmidt. Was er denn davon hielte, wenn Stimpfach einen Supermarkt bekäme? Seine Antwort: "Ziel jedes Bürgermeisters ist es, die Nahversorgung zu verbessern."

Weisser hat bei seiner täglichen Arbeit beobachtet, dass "der Einzelhandel die Bevölkerung sehr stark emotionalisieren kann". Andere Gemeinde, andere Emotionen. Bürgermeister Strobel ist nicht entgangen, dass sie in der Nachbarschaft fast einen zweiten Supermarkt verhindert hätten, er spricht von "dem Gefühlsprozess, den die Gemeinde Fichtenau durchlebt". Dass der Discounter Penny Ende des Jahres den Standort Unterdeufstetten aufgibt, ist beschlossene Sache. Zudem war der Weg für eine Verlagerung der Filiale nach Wildenstein längst frei - übrigens der einzige Standort, den sich das Unternehmen vorstellen konnte. Da half es auch nichts, dass 120 Bürger für den Erhalt des Marktes in Unterdeufstetten demonstrierten. Schließlich gab der Gemeinderat nach kontroverser Diskussion endgültig grünes Licht für Wildenstein und erteilte damit indirekt auch dem Penny-Konkurrenten Netto eine Absage, der zwischenzeitlich ebenfalls Interesse an einer Filiale in Fichtenau signalisiert hatte.

Dafür, so scheint es, bekommt Stimpfach jetzt seinen Netto mit einer Verkaufsfläche von mindestens 800 Quadratmetern. Dann wünscht sich Strobel, dass die Bürger die Einkaufsmöglichkeit auch nutzen. "Wenn die Menschen nur ein Pfund Butter am Samstag kaufen, das sie zum Kuchenbacken brauchen", sagt er, "dann hält sich kein Markt." Walter Scheiner formuliert das so: "Die einheimische Bevölkerung muss das wahrnehmen." Scheiner saß früher 18 Jahre im Gemeinderat, heute ist er 74 und würde einen Supermarkt "für gut halten". Auch Maria Frank würde sich sehr freuen, wie sie sagt, aber so recht glauben mag sie es immer noch nicht. "Das wird doch nichts mehr", sagt ihr Gefühl. "Ich habe kein Auto und bin auch nicht mehr die Jüngste", betont die 83-Jährige noch. Und damit spricht Frank sicherlich für Viele in Stimpfach. Die Gemeinde knackte Ende 2014 die Grenze von 3000 Einwohnern, 1200 davon sind älter als 50 Jahre. In Zukunft werden das nicht weniger, das steht jedenfalls schon mal fest.

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