Die Schwäbisch Haller Hebamme Nadine Silotto über „Baby led weaning“

Nadine Silotto ist Hebamme am Diakonie-Klinikum in Schwäbisch Hall und dazu freiberuflich in der Geburtsvorbereitung und Nachsorge tätig.

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Beim Umstieg von der Muttermilch auf Brei- und Beikost ist die Beachtung bestimmter Regeln hilfreich.  Foto: 

Nadine Silotto ist Hebamme am Diakonie-Klinikum in Schwäbisch Hall und dazu freiberuflich in der Geburtsvorbereitung und Nachsorge tätig. Sie gibt Kurse zum Thema „Baby led weaning“.

Was ist „Baby led weaning“?

NADINE SILOTTO: Das bedeutet die vom Kind gesteuerte, allmähliche Entwöhnung von der Brust zum Familientisch. Angeboten wird eine gesunde, ausgewogene Familienkost in faustgroßen Stücken, die vor das Kind gelegt werden. Die Einführung unter dem Schutz des Stillens beginnt zwischen dem sechsten und siebten Monat.

Wo liegen die Vorteile dieses Fingerfoods?

SILOTTO: Das Kind isst immer am Familientisch mit und kann so Eltern oder Geschwisterkinder imitieren und nach seinen Bedürfnissen essen. Außerdem lernt es zum Beispiel sofort, dass man sich vor dem Essen immer die Hände wäscht. Es entstehen Rituale, die für Kinder wichtig sind. Dazu kommt, dass das Kind selbst Menge, Geschwindigkeit und tagesabhängige Vorliebe bestimmt, die Hand-Mund-Motorik geschult wird und es geschmackliche Überraschungen und Freuden erlebt.

Braucht das Kind dafür nicht Zähne?

SILOTTO: Nein. Alle Lebensmittel werden entweder weich gegart angeboten, oder sie sind von Natur aus weich und gut kaubar.

Was ist aus der Regel geworden: „Mit dem Essen spielt man nicht?“

SILOTTO: Dass die Kinder mit dem Essen spielen, stimmt ja so nicht. Natürlich ist ein Neuling motorisch ungeschickt, und es landet nicht alles im Mund. Manches flutscht daneben oder fühlt sich witzig an, und das Kind muss es zusätzlich ertasten. Doch Kinder in diesem Alter verstehen die Umwelt über ihren Mund. Beim „Baby led weaning“ lernen sie dabei auch, dass Dinge gut schmecken – oder eben nicht.

Gibt es Lebensmittel, die nicht geeignet sind?

SILOTTO: Honig und Zucker gehören nicht auf den Speiseplan. Kleine Lebensmittel, wie Nüsse oder Erbsen, sind tabu. Auch darf die Salzmenge von einem Gramm pro Tag nicht überschritten werden. Glutamat, E-Stoffe und Fertigprodukte oder Fastfood sollten auch vermieden werden. Außerdem ist die im Schwabenland so beliebte Laugenbrezel ungeeignet, da sie beim Kauen schnell klebrig und zäh wird, was die Erstickungsgefahr erhöht.

Also kein Brei mehr für Babys?

SILOTTO: Kindern Brei zu geben, ist nicht falsch, doch sie haben daraus keinen Vorteil. Statistisch verschlucken sich mehr Kinder an flüssiger als an fester Nahrung. Außerdem schmeckt das Kind aus einem Brei die einzelnen Bestandteile nicht heraus. Ob das Kind also einzelne Lebensmittel gerne isst, bleibt unbekannt.

Dann können Eltern also einfach damit anfangen, dem Kind Essen hinzulegen?

SILOTTO: Auf keinen Fall! Die Beratung und Einführung durch eine kompetente Hebamme ist von großer Bedeutung. Gerade zum Thema gesunde Familienkost brauchen die meisten Eltern eine gute Begleitung, denn es ist einfach nicht mit der Beimengung von Öl getan. Davon hat die gesamte Familie einen gesundheitlichen Nutzen und überprüft noch einmal die Ernährung.

Die Fragen stellte Julia Vogelmann

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